Parkgebühren an der Ostsee: Aus vier Euro werden 25 Euro Verwarngeld
Die Ostseeregion gilt als beliebtes Urlaubsziel für viele Deutsche, doch zunehmend werden Parkgebühren zum finanziellen Ärgernis. Ein aktuelles Beispiel aus Zingst zeigt, wie schnell aus einer geplanten Parkzeit von zwei Stunden für vier Euro ein teures Verwarngeld von 25 Euro werden kann. Das Ehepaar Birgit und Michael Schall aus Eisenach erlebte diesen finanziellen Schock während ihres Kurzurlaubs an der mecklenburgischen Küste.
Hotelparkplatz mit versteckten Kosten
Michael Schall, ein 63-jähriger Verkaufsberater aus einem Autohaus, buchte spontan ein Hotelangebot in Zingst. „138 Euro für die Nacht, inklusive Frühstück und Spa-Bereich, das lohnt sich“, dachte er zunächst. Beim Einchecken erfuhr das Paar jedoch, dass zusätzlich 18 Euro pro Nacht für den Hotelparkplatz fällig werden. „Wir mussten den Parkplatz nehmen, es gab keine Alternative“, berichtet Schall enttäuscht. Diese versteckten Kosten sind Teil eines größeren Trends: Nicht nur Unterkünfte und Strandkörbe werden teurer, sondern auch das Parken.
April bereits Hauptsaison mit hohen Gebühren
Bereits ab dem 1. April gilt an der Ostsee die Hauptsaison, was Tagestickets für öffentliche Parkplätze auf zwölf Euro festlegt. Michael Schall kann diese frühe Saisonumstellung nicht nachvollziehen: „Für mich ist noch Vorsaison. Es gibt kaum Urlauber, die Badesaison hat noch nicht begonnen“. Er hält sechs bis sieben Euro für angemessen. Doch die Realität sieht anders aus: Auf der 45 Kilometer langen Halbinsel zwischen Rostock und Stralsund müssen Urlauber tief in die Tasche greifen.
Aus zwei Stunden werden 40 Minuten zu viel
Der eigentliche Ärger begann für das Paar am Parkplatz Bernsteinweg West in Zingst. Sie zahlten vier Euro für zwei Stunden Parkzeit, planten einen Spaziergang zum Leuchtturm. Durch unvorhergesehene Umstände – Birgit Schall litt unter Schmerzen nach einer Fußoperation im Februar und das Paar verirrte sich – kamen sie 40 Minuten zu spät zurück. Das Ordnungsamt hatte bereits einen Verwarngeldbeleg über 25 Euro hinterlegt.
Die sofortige Beschwerde vor Ort scheiterte an verschlossenen Amtstüren, telefonisch zeigte eine Mitarbeiterin laut Schall „Nulltoleranz“ und reagierte „völlig emotionslos“. Selbst das Angebot, stattdessen zehn bis 15 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu spenden, wurde abgelehnt.
Urlauber halten ihr Geld zusammen
Michael Schall warnt vor den wirtschaftlichen Folgen der hohen Parkgebühren: „Was sie für Parkgebühren zahlen, können sie nicht mehr im Einzelhandel oder beim Gastronomen lassen“. Tatsächlich können spontane Ausflüge an einem Tag schnell zu Gesamtkosten von über 30 Euro für verschiedene Parkplätze führen. Das Paar überlegt nun, zukünftig in Schleswig-Holstein Urlaub zu machen, wo sie hoffen, weniger Parkstress zu erleben.
Die Situation in Mecklenburg-Vorpommern zeigt ein grundsätzliches Problem: Während die Tourismuspolitik auf Einnahmen durch Parkgebühren setzt, riskiert sie, Urlauber zu vergraulen. Ein Brief an den Zingster Bürgermeister blieb bisher unbeantwortet – ein Zeichen dafür, dass die Parkgebühren-Debatte an der Ostsee erst am Anfang steht.



