Food-Influencer nehmen Rostocks Gastronomieszene unter die Lupe
Die Restaurantlandschaft in Rostock befindet sich im digitalen Prüfstand. Immer mehr Food-Influencer testen die kulinarischen Angebote der Hansestadt und teilen ihre Eindrücke mit Tausenden Followern in den Sozialen Netzwerken. Diese Entwicklung bringt sowohl Chancen als auch Herausforderungen für die lokalen Gastronomiebetriebe mit sich.
Ocean7 verzeichnet messbare Erfolge durch Influencer-Besuche
Frank Sofka, Geschäftsführer des Ocean7 - Sushi & Asian Fusion am Rostocker Stadthafen, berichtet von positiven Erfahrungen mit Food-Influencern. "Unter anderem hatten wir Besuch von blocki030, der in der Food- und Gastro-Szene eine hohe Reichweite und starke Präsenz besitzt", erklärt Sofka. Zu den weiteren Besuchern zählten regionale Content Creator wie willi_wills_essen, leni.pie, dasmaisterwerk und berlinfoodsociety.
Das Restaurant wählt Influencer gezielt nach Passung zum Konzept aus. "Dabei achten wir auf regionale Relevanz sowie auf Influencer, deren Community tatsächlich potenzielle Gäste darstellt", so der Geschäftsführer. Die Kooperationen zeigen Wirkung: "Wir konnten nach Veröffentlichungen messbar mehr Reservierungen und Laufkundschaft verzeichnen, teilweise über mehrere Tage hinweg."
Gemischte Bewertung für Traditionsgaststätte Prager Wenzel Bierstuben
Während das Ocean7 Lob erhielt, fiel die Bewertung des Berliner Influencers Daniel Kallweit (blocki030) für die Wenzel Prager Bierstuben in Warnemünde durchwachsen aus. Nicole Boeck, Geschäftsleiterin des Traditionsrestaurants, reagiert mit Humor: "Ich denke, er kann mit den böhmischen Knödeln nichts anfangen". Diese Spezialität wird zu vielen Gerichten serviert und besteht aus Hefeteig mit eingearbeiteten Weißbrotstücken.
Der Influencer vergab fünf von zehn Sternen für Biergulasch und Kassler. Boeck bedauert, dass Kallweit sich nicht angekündigt und normal bezahlt hatte, sodass sie erst später von seiner Bewertung erfuhr. "Es wäre schön gewesen, wenn er es uns selbst gesagt hätte, dass ihm etwas nicht schmeckt", so die Geschäftsleiterin. Besonders kritisch seien die Kommentare unter dem Beitrag gewesen, die teilweise als bösartig empfunden wurden.
Social-Media-Strategien im Wandel der Gastronomie
Beide Restaurants passen ihre Marketingstrategien an die digitale Ära an. Die Wenzel Prager Bierstuben, die seit 19 Jahren böhmische Küche anbieten, bauen ihren Social-Media-Auftritt aus. "Wir müssen ein bisschen mehr hip werden – für die Jugend", erklärt Boeck. Beliebte Gerichte sind laut der Geschäftsleiterin Gulasch, Burger mit Pommes aus böhmischen Knödeln und Haxe.
Das Ocean7 setzt bereits aktiv auf Influencer-Marketing. Frank Sofka betont: "Es ist die neue Art, Werbung zu machen, besser als die alten Standards." Bei Kooperationen werden Speisen und Getränke üblicherweise kostenfrei zur Verfügung gestellt, im Gegenzug entsteht ein Video oder Beitrag.
Nachhaltiger Erfolg bleibt abhängig von Qualität vor Ort
Beide Gastronomen sind sich einig, dass der langfristige Erfolg trotz digitaler Sichtbarkeit von der Qualität vor Ort abhängt. Sofka fasst zusammen: "Influencer können ein Restaurant kurzfristig stark sichtbar machen und neue Gäste generieren. Der nachhaltige Erfolg hängt jedoch weiterhin von Qualität, Service und Gesamterlebnis vor Ort ab."
Die Wenzel Prager Bierstuben bleiben offen für weitere Influencer-Besuche. "Die können gerne kommen", sagt Boeck. Die Reaktionen der Stammgäste, die im Durchschnitt über 50 Jahre alt sind, seien auf die kritische Bewertung anders ausgefallen als die Online-Kommentare.



