Unterwegs mit Fahrrad und Mini-Wohnmobil: Jürgen Friese zieht sein Zuhause durch die Seenplatte
Fahrrad-Wohnmobil: Jürgen Frieses minimalistisches Leben

Unterwegs mit Fahrrad und Mini-Wohnmobil: Jürgen Friese zieht sein Zuhause durch die Seenplatte

Während der Fahrradakku lädt, genießt Jürgen Friese die Sonne, bevor er zum nächsten Stellplatz aufbricht. Der 57-Jährige, der sich selbst "Mensch Jürgen" nennt, zieht sein kleines Zuhause – ein Mini-Wohnmobil – mit seinem Elektrofahrrad durch die Mecklenburgische Seenplatte. Zum Leben benötigt er nur wenig: Sonne für seine Solaranlage und gute Gespräche mit anderen Menschen.

Vom Berliner zum Camper in der Seenplatte

Jürgen Friese lebte lange mit seiner Familie in Berlin. Nach der Trennung zog er zunächst an den Stadtrand, suchte jedoch bald mehr Ruhe und fand diese schließlich in Mirow. Dort hatte er zwar eine Wohnung und Arbeit, verbrachte seine Freizeit aber fast ausschließlich auf dem Campingplatz. "Eigentlich brauche ich die Wohnung nur zum Schlafen", erinnert er sich. Er suchte sich Arbeit mit Unterkunft und Verpflegung und gab seine Wohnung direkt auf – ein Schritt, der auch schiefgehen hätte können.

Das minimalistische Leben auf Rädern

Sein Fahrradwohnmobil ist gerade einmal zwei Meter lang, 90 Zentimeter breit und etwa einen Meter hoch. "Am Kopf und an den Füßen ist noch Platz", sagt er lachend. Das Gefährt wiegt rund 50 Kilogramm, und obwohl eine Zuladung von 30 Kilogramm erlaubt ist, lebt Friese bewusst minimalistisch. "Man hat immer viel zu viele Klamotten und zu viel Zeug. Dabei braucht man das alles gar nicht", erklärt er. Überflüssiges wird verkauft oder verschenkt.

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Elektrofahrrad als wesentliche Erleichterung

Anfangs fuhr Friese ohne Motor, was ihm jedoch zu anstrengend war. Also entschied er sich für ein Elektrofahrrad. "Das ist eine wesentliche Erleichterung", betont er. Den Strom für das Fahrrad – das sogar während der Fahrt geladen werden kann – sowie für Handy und Notfallakkus liefert eine Solaranlage auf dem Dach mit 400 Watt Leistung.

Überwintern bei minus zehn Grad

Friese ist flexibel und passt sich den Gegebenheiten an. Im Winter arbeitet er oft saisonal, beispielsweise in der Gastronomie in Bayern oder Österreich, wo er Jobs mit Personalwohnung sucht. Wenn sich nichts ergibt, bleibt er auch im Norden – wie im vergangenen Winter in Neustrelitz am Stadthafen. Dort überstand er Temperaturen von minus zehn Grad Celsius. Morgens und abends brachte er sein Domizil mit einer Campingheizung auf Temperatur, tagsüber verkaufte er vor Supermärkten seine Waren oder wärmte sich beim Bäcker mit einem heißen Kaffee auf.

Alltag und Zukunftsträume

Über eine App findet Friese geeignete Stellplätze, bevorzugt auf Wohnmobilplätzen oder an Wasserwanderrastplätzen, wo es Strom, Wasser und Gesprächspartner gibt. Sein ungewöhnliches Gefährt zieht fast überall neugierige Blicke auf sich, und Fragen beantwortet der Camping-Liebhaber gern. Seinen Lebensunterhalt verdient er im Sommer unter anderem mit dem Verkauf von Eiern, Honig und anderen regionalen Produkten. Das gesparte Geld investierte er in sein Mini-Wohnmobil, das rund 5000 Euro kostete.

Heute dokumentiert Friese sein Leben unterwegs im Internet – auf YouTube unter "Die gestörten Naturgeister" und auf TikTok als "Mensch Jürgen". Einen großen Reisetraum hat er noch: Mit Fahrrad und Mini-Wohnmobil einmal durch Schweden reisen. Doch das will gut geplant sein. Bis dahin fährt er erst einmal weiter durch die Seenplatte – mit dem eigenen Bett im Schlepptau.

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