Potsdam: 40,4 Grad, Wasserknappheit und Unwetter am Wochenende
Potsdam: 40,4 Grad, Wasserknappheit und Unwetter

Potsdam hat am Samstag nach vorläufigen Messungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die 40-Grad-Marke überschritten. Die brandenburgische Landeshauptstadt verzeichnete eine Tageshöchsttemperatur von 40,4 Grad Celsius – gemeinsam mit fünf weiteren Städten im Land. Der DWD wies darauf hin, dass es sich um vorläufige Werte handele, die sich nach einer Qualitätsprüfung noch ändern könnten.

Fünf Tage Hitzewarnung in Folge

Der Sonntag war bereits der fünfte Tag in Folge, an dem der DWD eine Hitzewarnung herausgab. Für das dicht bebaute Stadtgebiet Potsdams erwartete der Wetterdienst eine extreme Wärmebelastung – auch weil die nächtliche Abkühlung dort geringer ausfiel als im Umland. Bereits am Samstag um 13 Uhr maß die DWD-Station offiziell 38 Grad Celsius – damit gehörte Potsdam gemeinsam mit Magdeburg zu den heißesten Orten in Deutschland. Um 14 Uhr hatte Potsdam den bisherigen Temperatur-Allzeitrekord eingestellt: 38,9 Grad Celsius, exakt der Wert vom 20. Juli 2022. Gleichzeitig war der Monatsrekord für Juni gebrochen: Der bisherige Höchstwert lag bei 38,4 Grad Celsius, gemessen am 30. Juni 2019.

Ansturm auf Bäder und Gewässer

Die anhaltende Hitze trieb die Potsdamer scharenweise an die Gewässer und in die Bäder. Am Heiligen See strömten zahlreiche Menschen ins Wasser. Das größte Potsdamer Hallenbad „Blu“ verzeichnete einen solchen Andrang, dass sich die Warteschlange bis nach draußen zog. Am Nachmittag warteten schätzungsweise 100 Menschen – darunter viele Familien mit Kindern – auf Einlass.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Wasserverbrauch nahe am Limit

Die Wasserversorgung geriet unter Druck. Laut dem Trinkwasser-Tacho der Energie und Wasser Potsdam (EWP) wurden am Freitag 46.654,625 Kubikmeter Wasser verbraucht. Ab einem Tagesverbrauch von 46.800 Kubikmetern wechselt der Tacho in den roten Bereich, der signalisiert, dass sich der Verbrauch der maximal möglichen Fördermenge nähert. Zum Zeitpunkt der Auswertung befand sich der Verbrauch noch im gelben Bereich. Die EWP rief die Bevölkerung auf, sparsam mit Trinkwasser umzugehen: Gärten sollten höchstens zweimal pro Woche bewässert werden, auf das Befüllen von Pools, Zisternen und auf Autowäschen sollte möglichst verzichtet werden. Das Unternehmen stellte klar, dass die Trinkwasserversorgung in Potsdam sicher und zuverlässig sei.

Sportveranstaltungen angepasst

Auch Sportveranstalter passten ihr Programm dem Rekordwetter an. Das Spitzenspiel der German Football League zwischen den Potsdam Royals und den Dresden Monarchs im Luftschiffhafen wurde mehrfach verlegt. Nachdem der Anstoß bereits von 15 auf 17 Uhr verschoben worden war, wurde er am Samstag zunächst auf 18 Uhr, dann sogar auf 19 Uhr verschoben. Schließlich ging es um 18.30 Uhr, bei Temperaturen noch nahe der 40-Grad-Marke, los. Das Spiel entschieden die Gäste aus Sachsen knapp für sich. Zuschauer durften ausnahmsweise Sonnenschirme aufspannen, auch 1,5-Liter-Wasserflaschen durften mitgebracht werden.

Open-Air-Konzert abgebrochen

In der Schiffbauergasse hatte das Open-Air-Konzert der Hamburger Brassband Meute mit umfangreichen Kühlmaßnahmen begonnen: Vor der Bühne sprühte ein Rasensprenger Wasser ins Publikum, ein Sonnenschirm mit Vernebelungsdüsen stand vor dem Waschhaus, und auf einer Rasenfläche waren Planschbecken mit Liegestühlen aufgestellt. Dennoch musste das Konzert gegen 22 Uhr abgebrochen werden – ein heftiges Gewitter mit Starkregen, Blitz und Donner beendete die Veranstaltung abrupt. Die Gäste wurden gebeten, das Gelände zu verlassen; viele sammelten sich tropfnass im benachbarten Parkhaus.

Feuerwehr- und Rettungseinsätze

Das Unwetter, für das der Wetterdienst am Abend eine Warnung herausgegeben hatte, sorgte bei Feuerwehr und Rettung für höhere Einsatzzahlen. In der Nacht von Samstag zu Sonntag mussten die Helfer zu 21 Feuerwehreinsätzen ausrücken, die der Sturm verursacht hatte. Auch am Sonntag mussten die Feuerwehren noch 17 Mal wegen Sturmschäden ausrücken. Die Hitze sorgte zudem für 37 Notarzteinsätze, zwölf davon waren kreislaufbedingt, also mit großer Wahrscheinlichkeit durch die starke Hitzebelastung ausgelöst, so ein Sprecher der Stadt.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Krankenhäuser: Lage unter Kontrolle

In den Potsdamer Krankenhäusern hielt sich die Zahl hitzebedingter Notfälle trotz der extremen Temperaturen in Grenzen. Im Klinikum Ernst von Bergmann wurden am Wochenende sechs Kinder in der Kinder-Notaufnahme hitzebedingt behandelt. Bei den Erwachsenen wurden bis Sonntagnachmittag um 17.30 Uhr 19 Personen mit hitzebedingten Erkrankungen – überwiegend Überhitzung oder Dehydrierung – eingeliefert. „Man hat in den Notaufnahmen zwar gemerkt, dass es sehr heiß draußen gewesen sein muss, aber die Zahl der behandelten Personen war nicht übermäßig“, sagte Klinikumssprecherin Stefanie Siefke. Im Alexianer St. Josefs-Krankenhaus blieb die Lage in der Zentralen Notaufnahme ruhig. „Hitzebedingte Notfälle stellten keinen Schwerpunkt dar“, so Sprecher Benjamin Stengl. Vereinzelt seien Patienten mit Dehydrierung oder Kreislaufproblemen ambulant versorgt worden. Stationäre Aufnahmen aufgrund hitzebedingter Erkrankungen seien nicht erforderlich gewesen.

DLRG und Polizei ziehen Bilanz

Die Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zogen nach dem Hitze-Wochenende eine gemischte Bilanz. Es habe nach bisherigem Stand an den Badestellen keine Badetoten gegeben, sagte ein DLRG-Sprecher. Allerdings seien an den Badestellen viele Menschen mit Kreislaufproblemen gemeldet worden. Die Polizei sprach von einer „übersichtlichen Einsatzlage“. Badetote seien nicht bekannt, sagte ein Polizeisprecher. Das Wetter habe zu keinen größeren Folgen für die Polizei geführt.