Wohnungsbau im Norden: BFW-Verbandschef sieht Talsohle durchschritten
Wohnungsbau: Talsohle laut Verbandschef durchschritten

Wohnungsbau im Norden: Erste Lichtblicke nach Jahren der Krise

Nach einer langen Phase der Stagnation und Rückgänge zeigen sich im norddeutschen Wohnungsbau erste ermutigende Entwicklungen. Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) Landesverband Nord sieht Anzeichen dafür, dass die schwierigste Phase überwunden sein könnte.

Positive Tendenz in Hamburg mit deutlichem Anstieg geplanter Baustarts

„Es sieht so aus, als ob die Talsohle beim Wohnungsbau durchschritten ist“, erklärte Kay Brahmst, Vorstandsvorsitzender des BFW Landesverbands Nord. Diese Einschätzung basiert auf dem aktuellen Neubaumonitoring des Verbands, für das etwa 230 Mitgliedsunternehmen mit rund 180.000 verwalteten Wohnungen in Norddeutschland befragt wurden.

In Hamburg verzeichneten die Verbandsmitglieder im vergangenen Jahr 2.058 fertiggestellte Wohnungen – ein Plus von 6,8 Prozent gegenüber 2024. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei den geplanten Baubeginnen: Für 2026 planen die Unternehmen den Start von Bauarbeiten für 2.291 Wohnungen, was einem beeindruckenden Anstieg von 127 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

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Brahmst räumte jedoch ein: „Das Niveau insgesamt ist sehr niedrig. Was wir eigentlich bräuchten, um den Wohnungsmarkt wieder in Bewegung zu bekommen, wäre mindestens das Doppelte.“ Zum Vergleich: Im Jahr 2018 hatten die Verbandsunternehmen noch 5.632 Wohnungen in Hamburg fertiggestellt.

Unterschiedliche Entwicklungen in den norddeutschen Bundesländern

Die Situation in den anderen norddeutschen Ländern zeigt ein gemischtes Bild:

  • In Schleswig-Holstein sank die Zahl fertiggestellter Wohnungen um 8,5 Prozent auf 1.496
  • Die Baustarts gingen hier sogar um 37,5 Prozent zurück
  • In Mecklenburg-Vorpommern wurden lediglich 29 Wohnungen fertiggestellt (minus 50 Prozent)

Brahmst führte die Rückgänge in Schleswig-Holstein unter anderem auf problematische Fördermodalitäten zurück, bei denen Fördertöpfe regelmäßig geschlossen würden und Projekte verschoben werden müssten.

Keine schnelle Entspannung für Wohnungssuchende

Trotz der positiven Entwicklungen mahnte Verbandsvorstand Claus Kießling zur Geduld: „Für die Mieter wird es noch keine Trendwende in den nächsten ein, zwei Jahren geben. Das ist die bittere Botschaft.“ Bis neu gebaute Wohnungen tatsächlich auf dem Markt verfügbar seien, dauere es mindestens bis 2028, bei manchen Projekten sogar noch länger.

Brahmst betonte die Notwendigkeit, die politischen Rahmenbedingungen weiter zu verbessern: „Wir dürfen jetzt nicht nachlassen und sagen, oh, es geht leicht nach oben. Wir müssen die Anstrengung noch intensiver weiterführen.“ Konkret forderte er Erleichterungen für potenzielle Wohnungskäufer, etwa den Erlass oder die Reduzierung der Grunderwerbsteuer für Familien beim ersten Eigenheimkauf.

Kritik an Erbpachtmodell und Heizungsgesetz

Die Immobilienunternehmen zeigen sich weiterhin unzufrieden mit dem Erbpachtmodell. „Im Eigentumsbereich funktioniert das Modell nicht“, so Brahmst. Anders als in England oder den Niederlanden wolle kaum jemand Eigentumswohnungen kaufen, die auf Grundstücken stehen, die nach Ablauf der Pacht eventuell an die Stadt zurückgegeben werden müssen.

Zum geplanten neuen Heizungsgesetz äußerte Brahmst Skepsis: „Für den Neubau brauchen wir darüber nicht mehr zu diskutieren.“ Im Mietwohnungsneubau setze ohnehin niemand mehr auf Ölheizungen – stattdessen würden Fernwärme oder Wärmepumpen eingesetzt.

Insgesamt zeichnet sich im norddeutschen Wohnungsbau ein differenziertes Bild ab: Während erste positive Signale erkennbar sind, bleibt der Weg zur nachhaltigen Entspannung des Wohnungsmarktes noch lang und erfordert weiterhin erhebliche Anstrengungen aller Beteiligten.

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