Der Markt für Proteinpulver in Deutschland boomt, doch Verbraucher müssen immer tiefer in die Tasche greifen. Seit Mitte 2023 steigen die Preise für Molkenpulver kontinuierlich, wie Alexander Anton, Generalsekretär des Europäischen Milchindustrieverbands, erklärt. Besonders seit Jahresbeginn 2026 habe der Trend an Fahrt gewonnen. Die hohen Preise seien eine Folge des weltweit knappen Angebots. Obwohl der deutsche Markt ausreichend versorgt sei, rechnet Anton nicht mit einer baldigen Entspannung.
Engpässe bei beliebten Marken
Proteinpulver, das meist aus getrockneter Molke hergestellt wird, ist bei Sportlern und ernährungsbewussten Verbrauchern stark gefragt. Wegen der hohen Nachfrage sind Produkte im Handel zeitweise nur eingeschränkt verfügbar. Ein Sprecher von Rewe bestätigt, dass es bei einzelnen Marken zu Lieferengpässen kommt. Auch die Drogeriemarkt-Kette dm berichtet von temporären Engpässen bei besonders stark nachgefragten Artikeln.
Nach Angaben des Marktforschers YouGov kauften zuletzt 4,6 Millionen Haushalte in Deutschland mindestens einmal Proteinpulver – ein Anstieg um 66 Prozent innerhalb eines Jahres. Getrieben wird der Trend vor allem von Konsumenten der Jahrgänge 1982 bis 2011.
Preisanstieg um bis zu 60 Prozent
Die Preise für das Pulver sind seit Januar um 40 bis 60 Prozent gestiegen, sagt Kerstin Keunecke, Bereichsleiterin Milchwirtschaft der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Gründe seien die rege Nachfrage und veränderte Ernährungsgewohnheiten. Proteinreiche Produkte werden sowohl von Sportlern als auch für eiweißreiche Diäten nachgefragt.
Besonders in den USA sei die Nachfrage zuletzt gestiegen, auch als Folge von Medikamenten wie der Abnehmspritze. Diese führe zu einem verringerten Hungergefühl und helfe beim Gewichtsverlust. Patienten wird eine eiweißreiche Ernährung empfohlen, um Muskelabbau entgegenzuwirken.
Marktkorrektur statt kurzfristiger Spitze
Auch „The Quality Group“, das Unternehmen hinter den Marken More Nutrition und ESN, spürt die angespannte Lage. Molke sei ein Nebenprodukt der Käseherstellung und könne nicht beliebig ausgeweitet werden, sagt eine Sprecherin. Die Verarbeiter konkurrieren um denselben Rohstoff. Besonders knapp seien höherwertige Proteinkonzentrate wie WPC und WPI. Man sehe „aktuell keine reine kurzfristige Preisspitze, sondern eine Marktkorrektur in einem strukturell enger gewordenen Molkenproteinmarkt“.
Der Molkereiriese DMK hat seine Produktionskapazitäten bereits ausgeweitet und investiert rund 26 Millionen Euro in eine neue Anlage für Molkenprotein im niedersächsischen Edewecht. DMK macht jedoch wenig Hoffnung auf sinkende Preise. Das Unternehmen und die Landwirte verzeichneten steigende Kosten, sagt eine Sprecherin. Für die Produktion sei es nötig, in Technologie und Know-how zu investieren. „Unternehmen müssen all dies tragen, um zukunftsfähig zu bleiben.“
Hype erfasst auch andere Eiweißprodukte
Händler und Hersteller spüren den Proteinhype auch bei anderen eiweißreichen Lebensmitteln. Bei Skyr und Tofu kam es in den vergangenen Monaten vielfach zu Engpässen. Die Produkte waren zeitweise nur eingeschränkt verfügbar.



