Der Videospiele-Händler Gamestop hat ein Übernahmeangebot für die Online-Handelsplattform Ebay in Höhe von rund 56 Milliarden Dollar (47,7 Milliarden Euro) vorgelegt. Das Angebot besteht aus einer Mischung von Bargeld und Aktien, wie Gamestop-Chef Ryan Cohen dem „Wall Street Journal“ mitteilte. Cohen erklärte, er wolle mit Ebay einen deutlich stärkeren Konkurrenten für Amazon aufbauen. Nach einer erfolgreichen Übernahme strebt er die Führung des fusionierten Unternehmens an.
Details zum Angebot
Gamestop gab am Sonntag ein Gebot von 125 US-Dollar pro Ebay-Aktie bekannt. Dies entspricht einem Aufschlag von 20 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag, betonte Cohen. Bereits im nachbörslichen Handel war der Ebay-Kurs auf bis zu 119 Dollar gestiegen, nachdem das „Wall Street Journal“ über Cohens Pläne berichtet hatte. Am Montag lag die Ebay-Aktie im frühen US-Handel bei rund 110 Dollar. Die Anleger zeigen sich skeptisch, ob Gamestop das Vorhaben realisieren kann. Der Aktienkurs von Gamestop fiel um etwa zwei Prozent auf 26 Dollar.
Beteiligung und Reaktion von Ebay
Gamestop hält bereits rund fünf Prozent der Ebay-Anteile. Basierend auf der zuletzt von Ebay genannten Zahl ausstehender Aktien beziffert Gamestop den Wert des Angebots auf etwa 55,5 Milliarden Dollar. Ebay bestätigte den Erhalt des Angebots, will sich aber erst nach einer gründlichen Prüfung äußern. Das rund 30 Jahre alte Unternehmen betonte seine Größe mit 135 Millionen Nutzern in 190 Ländern.
Finanzierung noch unklar
Cohen sagte der Zeitung, er habe bereits eine Kreditzusage von rund 20 Milliarden Dollar für die Übernahme. Gamestop verfügt in der Bilanz über rund 9 Milliarden Dollar an Barmitteln, die für die Transaktion genutzt werden könnten. Wie der Rest der benötigten Mittel aufgebracht werden soll, blieb zunächst offen. Laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen könnte Cohen externe Investoren wie Staatsfonds aus dem Nahen Osten einbeziehen.
Cohens Hintergrund und Strategie
Cohen war vor seiner Zeit bei Gamestop Mitgründer des auf Haustierartikel spezialisierten Online-Händlers Chewy. 2020 baute er eine hohe Beteiligung an dem Spielehändler auf, dessen Management er als zu langsam im Online-Geschäft kritisierte. 2023 übernahm er den Chefposten. Er ließ viele Läden schließen und setzte stattdessen auf Sammelkarten und Retro-Konsolenspiele, die Nostalgie bei Spielern wecken.
Ebay setzt auf KI und Sammler
Ebay konzentriert sich derzeit verstärkt auf lukrative Kategorien wie Sammelartikel, Autoteile und gebrauchte Mode. Firmenchef Jamie Iannone setzt zudem auf Künstliche Intelligenz, um das Einkaufen auf der Plattform zu erleichtern.
Gamestops spektakuläre Vergangenheit
Gamestop sorgte zu Beginn der Corona-Pandemie für Schlagzeilen, als Amateur-Händler aus dem Netz den Aktienkurs entgegen den Zweifeln der Wall-Street-Analysten in die Höhe trieben. Gamestop-Fans und andere private Spekulanten verabredeten sich auf der Plattform Reddit, um gegen Hedgefonds zu wetten, die auf fallende Kurse gesetzt hatten. Indem sie den Kurs des Videospiele-Händlers hochjagten, brachten sie institutionelle Hedgefonds in Bedrängnis.



