Tankrabatt: Mineralölkonzerne geben Steuersenkung nur teilweise weiter
Tankrabatt: Steuersenkung wird nur teilweise weitergegeben

Der Tankrabatt der Bundesregierung hat die Spritpreise am Freitagmorgen nur kurz unter die Zwei-Euro-Marke gedrückt. Pünktlich um 12 Uhr nutzten die Mineralölkonzerne die einmal täglich erlaubte Preiserhöhung und schlugen kräftig auf. Beim Super E10 stieg der bundesweite Durchschnittspreis innerhalb weniger Minuten um 12,1 Cent auf 2,076 Euro je Liter, beim Diesel sogar um 13,3 Cent auf 2,177 Euro. Das teilte der ADAC mit.

Wie außergewöhnlich hoch der Mittagsaufschlag tatsächlich ist, lässt sich kaum belastbar einordnen: Die Vergleichsdaten aus dem April liegen dem ADAC noch nicht aussagekräftig vor – zudem erschweren die zuletzt stark schwankenden Rohölpreise jeden Vergleich.

17 Cent Steuersenkung werden scheinbar noch nicht weitergegeben

Seit Mitternacht gilt der von der Bundesregierung beschlossene Tankrabatt: Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt um knapp 17 Cent pro Liter, befristet bis Ende Juni. In den Morgenstunden gaben die Tankstellen die Steuersenkung allenfalls teilweise weiter. Um 8 Uhr lag der bundesweite Durchschnittspreis für E10 bei 1,976 Euro – 10,7 Cent unter dem Vortagswert von 2,083 Euro. Diesel verbilligte sich um 10,4 Cent auf 2,063 Euro. Im Laufe des Vormittags fielen die Preise weiter leicht.

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„Hier scheinen sich Mineralölkonzerne erneut mit Risikoaufschlägen abzusichern“, kritisierte der ADAC. Aus Sicht des Automobilclubs bestehen „aufgrund des bereits überhöhten Preisniveaus sowie der zusätzlichen Energiesteuersenkung deutliche Spielräume für Preissenkungen“. Insbesondere die hohen Mittagsaufschläge hält der ADAC für nicht gerechtfertigt – zumal auch der Ölpreis gesunken sei.

Ein Fass Rohöl kostet weiterhin über 110 Dollar. Im Vergleich zu den Spitzenwerten vom Donnerstag liegen die Preise allerdings deutlich niedriger: Bei E10 beträgt der Rückgang 15,8 Cent, bei Diesel 16,2 Cent. Am Donnerstag hatte E10 in der Spitze 2,234 Euro je Liter gekostet, Diesel 2,339 Euro.

„Eigentlich können sich die großen Player das nicht erlauben“

Der Energieökonom Manuel Frondel vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen wundert sich über die zögerliche Weitergabe des Tankrabatts. Eine von ihm durchgeführte Studie aus dem Jahr 2022 habe gezeigt, dass der damalige Rabatt im ersten Monat zu 100 Prozent an die Verbraucher weitergereicht worden sei – erst die Dürre und niedrige Pegelstände am Rhein hätten den Effekt später überlagert. „Eigentlich können sich die großen Player das nicht erlauben, so sehr wie sie gerade im medialen Fokus stehen“, sagte Frondel. Gerade in den ersten Tagen sei eine unvollständige Weitergabe nur schwer zu erklären.

Seit dem 1. April gilt zudem die sogenannte Zwölf-Uhr-Regel: Tankstellen dürfen ihre Preise nur einmal am Tag um 12 Uhr erhöhen, sie aber beliebig oft senken. Der ADAC erwartet, dass die Steuersenkung im Verlauf des Wochenendes vollständig an die Verbraucher weitergegeben wird. „Nach unserer Einschätzung ist das bisher nicht in vollem Umfang geschehen“, hieß es vom Automobilclub.

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