Öl-Experte sagt voraus: Ab diesem Wochenende wird Tanken wieder billiger
Die Spritpreise an deutschen Tankstellen bleiben trotz eines deutlichen Rückgangs der Ölpreise weiterhin auf hohem Niveau. Während der Rohölpreis am Mittwoch um 16 Prozent einbrach, zeigen die Zapfsäulen kaum Bewegung. Doch Experten prognostizieren nun eine baldige Entlastung für Autofahrer.
Preise steigen schnell, sinken langsam
Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband TIV erklärt das Phänomen: „Die Konzerne sind sehr schnell dabei, in einer Krise die Preise zu erhöhen. Entspannt sich diese Krise, ist man sehr vorsichtig und zurückhaltend mit dem Zurücknehmen der Preise.“ Diese Praxis führt dazu, dass Preiserhöhungen schnell umgesetzt werden, während Senkungen nur zögerlich erfolgen.
Experte setzt konkreten Zeitpunkt
Rohstoffexperte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING, hat eine präzise Prognose: Spätestens zum kommenden Wochenende sollte Tanken wieder günstiger werden. Seiner Einschätzung nach muss die Ölpreissenkung dann auch bei den Autofahrern spürbar ankommen. Entscheidend ist dabei die Situation in der Straße von Hormus – sollten ab Donnerstag erste Schiffe wieder ungehindert passieren können, wird der für Sprit maßgebliche Ölpreis („Dated Brent“) rasch fallen.
Tankstellenverband zeigt sich skeptischer
Daniel Kaddik, Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband freier Tankstellen (BFT), äußert sich zurückhaltender: „Die Zapfsäule reagiert nicht auf den aktuellen Börsenpreis, sondern auf die Beschaffungskosten für Kraftstoff.“ Zwar kämen Preisbewegungen am Ölmarkt grundsätzlich auch an der Tankstelle an, allerdings mit zeitlicher Verzögerung. Tankstellen verkaufen zu den Preisen, zu denen sie zuvor eingekauft haben – und diese lagen gestern für Diesel noch bei 1,99 Euro plus Mehrwertsteuer. Kaddik warnt: „Kurzfristig sind nur begrenzte Entlastungen zu erwarten.“
ADAC fordert zeitnahe Preissenkungen
Eine Sprecherin des ADAC positioniert sich deutlich: „Der ADAC hält beide Kraftstoffsorten für überteuert und hält Preissenkungen, die ganztägig möglich bleiben, für angezeigt.“ Die Verbraucherschützer sehen dringenden Handlungsbedarf, um Autofahrer von den hohen Kraftstoffkosten zu entlasten.
Die aktuelle Situation zeigt einmal mehr die komplexen Mechanismen der Spritpreisbildung. Während Ölkonzerne von fallenden Rohstoffpreisen profitieren, müssen Verbraucher auf die Weitergabe dieser Einsparungen warten. Experten sind sich einig, dass eine Entlastung kommen wird – die Frage ist nur, wie schnell und in welchem Umfang sie an den Tankstellen ankommt.



