Longevity: Warum Frauen anders gesund altern als Männer
Jahrzehntelang galt der männliche Körper als medizinischer Maßstab – mit fatalen Folgen für die Gesundheit von Frauen. Obwohl Frauen in Deutschland im Durchschnitt länger leben als Männer, werden sie in ärztlichen Sprechstunden oft weniger ernst genommen. Die Medizin ist noch immer stark durch den männlichen Körper geprägt, wie Herzchirurgin und Gendermedizinerin Sandra Eifert im SPIEGEL-Podcast "Smarter leben" erklärt.
Deutschland als "Entwicklungsland" in der Frauengesundheit
Selbst Bundesforschungsministerin Dorothee Bär bezeichnet Deutschland inzwischen bei der Frauengesundheit als "Entwicklungsland". Sandra Eifert, die die Frauensprechstunde am Herzzentrum in Leipzig leitet und Ratgeber zur Frauengesundheit schreibt, betont: "Im Medizinstudium war es bis vor etwa 20 Jahren so, dass man ausschließlich alle Symptome am Mann orientiert und entsprechend die Diagnostik danach ausgerichtet hat."
Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin
Für ein gesundes Altern von Frauen ist geschlechtsspezifische Medizin unerlässlich. Bei vielen Krankheiten gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern – von den Risikofaktoren über die Symptomatik bis hin zur Diagnostik. Ein zentrales Beispiel sind Herz- und Gefäßerkrankungen.
Stress als besonderer Risikofaktor für Frauen
Stress wirkt bei Frauen oft viel stärker als Risikofaktor für bestimmte Erkrankungen, insbesondere für Herz-Kreislauf-Probleme. "Das hängt damit zusammen, dass Männer durch das Testosteron einen klaren biologischen Vorteil haben, der sie befähigt, besser mit Stress umzugehen – und vor allem auch anders damit umzugehen, als Frauen das tun", erklärt Eifert. "Frauen nehmen sich wortwörtlich Stress stärker zu Herzen."
Die Notwendigkeit einer weiblicheren Medizin
Damit Frauen nicht nur länger leben, sondern auch gesund älter werden, muss sich die Medizin grundlegend ändern. Patientinnen benötigen Behandlungen, die ihren spezifischen biologischen und psychologischen Bedürfnissen entsprechen. Dazu gehören:
- Eine geschlechtssensible Diagnostik, die weibliche Symptome ernst nimmt
- Forschungsförderung im Bereich der Frauengesundheit
- Bessere Aufklärung über geschlechtsspezifische Gesundheitsrisiken
- Stärkere Einbeziehung von Frauen in klinische Studien
Die Diskussion im Podcast "Smarter leben" mit Lenne Kaffka zeigt deutlich: Es braucht ein Umdenken in der medizinischen Praxis, Forschung und Ausbildung, um die Gesundheit von Frauen wirklich zu verbessern und ihnen ein gesundes Altern zu ermöglichen.



