Bundestag verabschiedet grundlegende Reform der Altersvorsorge
Der Bundestag hat am 27. März 2026 eine historische Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge beschlossen. Das neue Modell soll die seit 2002 bestehende Riester-Rente ablösen und ab dem 1. Januar 2027 in Kraft treten. Die Regierungsfraktionen von Union und SPD hatten sich zuvor auf wesentliche Änderungen am Gesetzentwurf geeinigt und damit den Weg für die Verabschiedung freigemacht.
Neue Förderstruktur und höhere Renditechancen
Kern der Neuregelung ist der Wegfall der bisherigen Garantie, dass zu Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen müssen. Diese Änderung soll höhere Renditen am Kapitalmarkt ermöglichen und das System attraktiver gestalten. Die staatliche Förderung wird komplett umgestaltet: Für jeden gesparten Euro gibt es künftig 50 Cent staatlichen Zuschuss bis zu einer Einzahlung von 360 Euro jährlich. Für Beiträge zwischen 360 und 1800 Euro beträgt die Förderung noch 25 Cent pro Euro.
Besondere Vorteile für Familien und Selbstständige
Familien sollen besonders von der Reform profitieren. Die volle Kinderzulage von 300 Euro erhalten sie bereits bei einem monatlichen Sparbeitrag von nur 25 Euro. Zudem sind künftig auch Selbstständige förderberechtigt, was eine deutliche Ausweitung des Kreises der Berechtigten bedeutet. Für bestehende Riester-Verträge gilt Bestandsschutz, sie können aber optional in das neue System überführt werden.
Kostenobergrenze und öffentliches Standardprodukt
Für das neue Standard-Altersvorsorgedepot gilt künftig eine Kostenobergrenze von 1,0 Prozent der Effektivkosten. Dieses Depot soll erstmals auch von einem öffentlichen Träger kostengünstig angeboten werden. Während die Versicherungswirtschaft diese Regelung als "Staatsfonds" kritisiert, fordern Verbraucherschützer schon länger ein öffentlich-rechtlich organisiertes Standardprodukt.
Bundesfinanzminister kündigt weitere Reformen an
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kündigte bereits den nächsten Schritt zur Stärkung der Vorsorge an. Sein Ministerium werde zeitnah Vorschläge für die sogenannte Frühstartrente vorlegen, bei der der Staat für Kinder und Jugendliche monatlich zehn Euro in ein individuelles Altersvorsorgedepot einzahlen soll. Klingbeil würdigte die Reform der Riester-Rente als "wirklichen Meilenstein" und betonte, dass frühere Regierungen sich an dieser Aufgabe "häufig die Zähne ausgebissen" hätten.
Die Reform markiert einen bedeutenden Wendepunkt in der deutschen Altersvorsorgepolitik und soll langfristig zu einer besseren Absicherung im Ruhestand beitragen. Die neuen Regelungen gelten ab 2027 und bieten den Bürgern neue, flexiblere Möglichkeiten für ihre private Altersvorsorge.



