Leon Goretzka schreibt mit Rekordtor Bayern-Geschichte vor Abschied
In einem fast schon kitschigen Moment der Fußballgeschichte hat Leon Goretzka am Samstagabend das zwischenzeitliche 2:0 für den FC Bayern München im 5:0-Sieg gegen St. Pauli erzielt. Dieses Tor war jedoch weit mehr als nur ein weiterer Treffer – es markierte das 102. Saisontor der Münchner und damit einen neuen Bundesliga-Rekord.
Emotionaler Moment trotz bevorstehendem Abschied
Besonders bemerkenswert ist dieser historische Treffer, weil Goretzka den deutschen Rekordmeister nach acht Jahren im Sommer verlassen wird. „Fast schon kitschig, dass ausgerechnet Goretzka dieses Tor erzielen sollte“, kommentierten Beobachter die symbolträchtige Situation. Nach dem Abpfiff war der 31-Jährige sichtlich erleichtert und strahlte übers ganze Gesicht, als er den Rekordball küsste und in die Höhe reckte.
Von Mitspielern gab es herzliche Gratulationen: Harry Kane überreichte ein Sonderlob und eine Umarmung, Konrad Laimer klatschte mit ihm ab, bevor Goretzka zu den mitgereisten Bayern-Fans ging. „Der Ball wurde mir auf dem Feld in die Hand gedrückt. Ich hatte das gar nicht auf dem Schirm und musste mir erklären lassen, was das für ein Rekord ist“, erzählte der gebürtige Bochumer später in der Mixed Zone.
Besondere Anerkennung von Team und Verantwortlichen
In der Kabine musste Goretzka sogar eine kurze Rede halten, in der er sich insbesondere bei Harry Kane, Michael Olise und Luis Díaz bedankte. Dieses Trio hat in der laufenden Bundesliga-Saison bereits 58 Tore erzielt, wobei Kane mit 31 Treffern herausragt. Dennoch sollte das Rekordtor Goretzka gelingen.
„Mir bedeutet es nicht viel. Ich habe mich mal mit dem schnellsten Eigentor in der Bundesliga in die Geschichtsbücher eingetragen. Von daher ist es eine ganz gute Korrektur, dort mit einem anderen Rekord zu erscheinen“, zeigte sich Goretzka mit humorvoller Selbstironie doch etwas erleichtert.
Sportvorstand Max Eberl betonte die Bedeutung des Moments für die Mannschaftsgruppe: „Er wird von einem zum anderen gereicht, weil er den Rekord gebrochen hat. Aber es ist schön, dass er ihn gebrochen hat. Und das ist genau die Geschichte, die wir haben als Gruppe, zusammenzustehen.“
Vorbildfunktion und Blick nach vorne
Besonders bemerkenswert ist Goretzkas Haltung in seiner letzten Saison bei Bayern. Trotz schwieriger Kapitel unter Ex-Trainer Thomas Tuchel und einer meist untergeordneten Rolle unter Trainer Vincent Kompany gibt der Nationalspieler weiterhin alles für den Verein.
Joshua Kimmich adelte seinen Teamkollegen: „Ich nehme ihn sehr positiv und aufgeräumt wahr. Er ist mit seinem Mindset ein Vorbild für viele Spieler und Personen da draußen, dass es sich immer lohnt, für seine Chance zu kämpfen. Das lebt er vor.“
Trainer Vincent Kompany brachte seine Freude ebenfalls zum Ausdruck: „Ich habe es der Mannschaft gesagt, wenn ein Spieler an seine Momente glaubt, dann ist es Leon.“ Dass ausgerechnet Goretzka den Rekord brechen sollte, sei „typisch Leon – weil er immer an seine Momente glaubt“.
Fokus auf verbleibende Saisonziele
Goretzka selbst richtet den Blick entschlossen nach vorne und macht deutlich, dass sein Fokus voll und ganz auf dem restlichen Saisonverlauf mit den Bayern liegt. Schaulaufen für einen neuen Verein? Fehlanzeige! Schließlich scheint sogar das Triple möglich, zumindest die Meisterschaft ist den Münchnern nur noch rechnerisch zu nehmen.
Für das wegweisende Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Real Madrid meldete Goretzka im Sky-Interview Startelfambitionen an: „Klar. Ich habe immer den Anspruch von Anfang an zu spielen.“ Gleichzeitig stellt er sich wie so oft in den Dienst der Mannschaft: „Trotzdem glaube ich fest daran – so wie jeder in unserer Mannschaft – dass ich meinen Teil erledigen muss.“
Rekordnationalspieler Lothar Matthäus würdigte Goretzkas mentale Stärke: „Die letzten zwei Jahre hätten ihn mitnehmen können, aber er hat nicht aufgegeben. Er hat an sich geglaubt, danach haben auch andere an ihn geglaubt, weil er mit Leistung überzeugt hat.“
Torwart Manuel Neuer brachte die Gefühle vieler Bayern-Anhänger auf den Punkt: „Ich werde ihn vermissen, wenn ich weitermache.“ Bis dahin bleibt Goretzka jedoch ein entscheidender Faktor im Kampf um nationale und internationale Titel – und hat sich mit seinem Rekordtor unauslöschlich in die Bayern-Geschichte eingeschrieben.



