Heilbronn stürzt Starnberg: Neue Kaufkraft-Champions in Deutschland
Wie wohlhabend Menschen in Deutschland sind, hängt nicht nur vom Einkommen ab, sondern auch davon, was dieses vor Ort wert ist. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hat nun eine umfassende Analyse vorgelegt, die auf Daten aus dem Jahr 2023 basiert. Das Ergebnis: Heilbronn in Baden-Württemberg setzt sich an die Spitze der realen Kaufkraft und verdrängt damit das bayerische Starnberg, das bei der letzten Auswertung noch führte.
Die Mischung macht den Unterschied
Die Studie kombiniert verfügbare Durchschnittseinkommen mit regionalen Lebenshaltungskosten, um ein genaues Bild der Kaufkraft zu zeichnen. Heilbronn punktet dabei mit besonders hohen Einkommen, während die Preise relativ normal bleiben. Autor Christoph Schröder spricht von „Hidden Champions“, die neben klassischen Reichenhochburgen wie Starnberg in die Top-10 aufsteigen. Landkreise wie Neuwied, Wunsiedel oder Rhön-Grabfeld schaffen es durch gute Einkommen und deutlich unterdurchschnittliche Preise in die vorderen Ränge.
Top-10 der realen Kaufkraft
Konkret führt Heilbronn mit einem preisbereinigten Durchschnittseinkommen von 39.424 Euro pro Kopf. Es folgen:
- Landkreis Starnberg (Bayern), 39.224 Euro
- Landkreis Rhön-Grabfeld (Bayern), 38.479 Euro
- Landkreis Neuwied (Rheinland-Pfalz), 37.441 Euro
- Landkreis Miesbach (Bayern), 37.078 Euro
- Landkreis Erlangen-Höchstadt (Bayern), 36.804 Euro
- Landkreis Wunsiedel (Bayern), 36.385 Euro
- Hochtaunuskreis (Hessen), 36.080 Euro
- Landkreis Mainz-Bingen (Rheinland-Pfalz), 35.814 Euro
- Landkreis Olpe (NRW), 34.437 Euro
Oben dominieren Landkreise, während Großstädte oft zurückfallen. Der Hauptgrund: Mieten sind der entscheidende Faktor bei Preisunterschieden. Ohne diesen Effekt wären regionale Preisunterschiede gering, da Kosten für Lebensmittel, Autos oder Elektronik deutschlandweit ähnlich sind.
Großstädte im Abseits
München, das nominal auf Rang 6 liegt, rutscht durch ein Preisniveau von fast 24 Prozent über dem Bundesdurchschnitt real auf Platz 68 ab. Frankfurt fällt von Rang 125 auf 358, Stuttgart von 48 auf 249, und Hamburg von 116 auf 331. Heilbronn ist die einzige Stadt in den Top-10, was auf einen Sondereffekt zurückzuführen ist: Gewinnentnahmen aus Gewerbebetrieben machen dort einen großen Teil der Einkommen aus, obwohl nur wenige Haushalte davon profitieren.
Schlusslichter der Kaufkraft
Am unteren Ende des Rankings finden sich ausschließlich Städte. Niedrige Einkommen und teils überdurchschnittliche Lebenshaltungskosten führen zu diesen Platzierungen. Die niedrigsten realen Einkommen haben:
- Offenbach am Main (Hessen), 21.430 Euro
- Gelsenkirchen (NRW), 21.469 Euro
- Duisburg (NRW), 22.236 Euro
- Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz), 23.070 Euro
- Herne (NRW), 23.082 Euro
Bundesländer im Vergleich
Bayern führt bei der preisbereinigten Kaufkraft mit 30.396 Euro, gefolgt von Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. Berlin liegt mit 24.656 Euro auf dem letzten Platz, da hohe Preise auf mittelmäßige Einkommen treffen. Hamburg rutscht trotz dritthöchstem nominalen Einkommen durch die höchsten Preise auf Platz 14 ab.
Datenbasis und Methodik
Die Auswertung basiert auf einer Datensammlung des IW Köln zu regionalen Preisen und Einkommensdaten des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2023. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Ein direkter Vergleich mit früheren Studien ist eingeschränkt, da sich Methoden und Datenbasis geändert haben.



