Historische Sprengung in Ibbenbüren: Letzter Kraftwerk-Schornstein fällt
Ein lauter Knall und gewaltige Staubwolken markierten das Ende einer Ära: In Ibbenbüren wurde der imposante 275 Meter hohe Schornstein des ehemaligen Steinkohlekraftwerks erfolgreich gesprengt. Trotz dichten Nebels und Wolken, die die obere Hälfte des Spektakels verdeckten, verfolgten zahlreiche Schaulustige das historische Ereignis. Mit diesem symbolträchtigen Akt verschwand die letzte weithin sichtbare Landmarke des früheren RWE-Kraftwerks, die bis nach Niedersachsen zu sehen war.
Monatelange Vorbereitungen für den kontrollierten Abriss
Der Abriss- und Recyclingfirma Hagedorn gingen intensive Vorbereitungen voraus. Für das Fallbett des Schornsteins wurden 35.000 Tonnen Bauschutt aufgeschüttet, während Arbeiter aus dem Inneren rund 2.000 Kubikmeter Füllsand entfernten. Neben dem Stahlbeton-Schornstein brachte der Sprengmeister auch eine Rauchgas-Entschwefelungsanlage und eine Entstickungsanlage zu Fall. Insgesamt musste eine gewaltige Masse von 15.500 Tonnen gesprengt werden, wofür die Experten 600 Kilogramm Sprengstoff für alle drei Bauwerke einsetzten.
Sicherheitsvorkehrungen und Recycling-Quote
Um die Sicherheit zu gewährleisten, mussten knapp 500 Anwohner innerhalb eines Radius von 600 Metern den Bereich für die Sprengung verlassen. Bemerkenswert ist die hohe Recycling-Quote: Laut Mitteilung von Hagedorn können 97 Prozent des gesprengten Materials wiederverwertet werden. Diese nachhaltige Abrissmethode unterstreicht den umweltbewussten Ansatz des gesamten Projekts.
Neues Kapitel für die Energiewende beginnt
Nach der Aufarbeitung des Geländes durch die Hagedorn Unternehmensgruppe wird der Übertragungsnetzbetreiber Amprion das Grundstück ab Sommer übernehmen. Hier entsteht eine zukunftsweisende Konverterstation, über die ab 2031 Windstrom von den Offshore-Anlagen in der Nordsee ins nordrhein-westfälische Stromnetz eingespeist wird. Diese Neunutzung symbolisiert den Wandel der Energiewende: Weg von klimaschädlicher fossiler Stromerzeugung hin zu klimafreundlicher Erzeugung aus erneuerbaren Energien.
Historischer Kontext und vorangegangene Abrisse
Bereits im April 2025 waren der Kühlturm und das Kesselhaus des Kraftwerks gesprengt worden. Seit 2023 ist die Hagedorn Unternehmensgruppe Eigentümerin des Geländes im nördlichen Westfalen. RWE hatte 2021 in Hamm und Ibbenbüren seine letzten beiden Steinkohlekraftwerke in Deutschland stillgelegt, was das endgültige Aus für die Kohleverstromung an diesen Standorten bedeutete. Die Sprengung des Schornsteins markiert somit den Abschluss einer umfassenden Transformation des Energiestandorts.
Die Konverteranlage von Amprion wird nicht nur technisch innovative Aufgaben übernehmen, sondern auch als sichtbares Zeichen für den strukturellen Wandel in der Energieversorgung stehen. Von der klimaschädlichen Kohleverstromung zur sauberen Windkraft – Ibbenbüren schreibt mit diesem Projekt ein neues Kapitel in der deutschen Energiewende-Geschichte.



