Historische Sprengung in Westfalen: Letzter Kohle-Schornstein fällt für die Energiewende
Ein lauter Knall und eine gewaltige Staubwolke markierten in Ibbenbüren im nördlichen Westfalen das Ende einer Ära. Der imposante 275 Meter hohe Schornstein des ehemaligen Steinkohlekraftwerks wurde mit einer kontrollierten Sprengung zu Fall gebracht. Zahlreiche Schaulustige verfolgten das Spektakel, obwohl Nebel und Wolken die obere Hälfte des monumentalen Bauwerks verdeckten. Mit diesem symbolträchtigen Akt verschwand die letzte weithin sichtbare Landmarke des früheren RWE-Kraftwerks, die bis nach Niedersachsen zu sehen war.
Technische Meisterleistung mit 600 Kilogramm Sprengstoff
Die Experten setzten für die Sprengung des Stahlbeton-Schornsteins, einer Rauchgas-Entschwefelungsanlage und einer Entstickungsanlage insgesamt 600 Kilogramm Sprengstoff ein. Die gewaltige Masse von 15.500 Tonnen wurde präzise zu Fall gebracht. Nach Angaben der verantwortlichen Hagedorn Unternehmensgruppe können beeindruckende 97 Prozent des Materials recycelt werden, was die Nachhaltigkeit des Abrissprojekts unterstreicht.
Monatelange Vorbereitungen für den historischen Moment
Der spektakulären Sprengung gingen intensive Vorbereitungen voraus. Die Abriss- und Recyclingfirma Hagedorn füllte das Fallbett für den Schornstein mit 35.000 Tonnen Bauschutt auf. Aus dem Inneren des gigantischen Schornsteins entfernten Arbeiter etwa 2.000 Kubikmeter Füllsand. Für die Sicherheit der Anwohner mussten knapp 500 Personen in einem Radius von 600 Metern den Bereich vor der Sprengung verlassen.
Bereits im April 2025 waren der Kühlturm und das Kesselhaus des ehemaligen Kraftwerks gesprengt worden. Seit 2023 ist die Hagedorn Unternehmensgruppe Eigentümerin des Geländes im nördlichen Westfalen und treibt die Transformation des Areals voran.
Neues Kapitel für die Energiewende beginnt
Nach der Aufarbeitung des Geländes durch Hagedorn wird der Übertragungsnetzbetreiber Amprion das Grundstück ab Sommer übernehmen. Hier entsteht eine zukunftsweisende Konverterstation, die ab 2031 in Betrieb gehen soll. Diese Anlage wird eine zentrale Rolle in der deutschen Energiewende spielen, indem sie Windstrom von den Offshore-Anlagen in der Nordsee ins nordrhein-westfälische Stromnetz einspeist.
Der symbolische Übergang von fossiler zu erneuerbarer Energie wird damit in Ibbenbüren konkret sichtbar. RWE hatte bereits 2021 in Hamm und Ibbenbüren seine letzten beiden Steinkohlekraftwerke in Deutschland stillgelegt. Die Sprengung des Schornsteins markiert nun den endgültigen Abschied von der Kohleverstromung an diesem Standort und macht Platz für die Energieversorgung der Zukunft.



