Fast Mai und trotzdem Frost: Warum die Nächte noch so kalt sind
Fast Mai und trotzdem Frost: Warum die Nächte kalt sind

Der Frühling zeigt sich tagsüber von seiner sonnigen Seite, doch nachts wird es eisig. In vielen Regionen Deutschlands müssen Autofahrer morgens wieder die Scheiben kratzen, und auf den Frühblühern bilden sich Eiskristalle. Warum die Aprilnächte so kalt sind, hat eine meteorologische Erklärung.

Blockadehoch sorgt für Kälte

Diplom-Meteorologe Dominik Jung erklärt gegenüber BILD: „Die aktuelle Kältewelle hat eine klare meteorologische Ursache: eine blockierte Großwetterlage. Statt der üblichen milden Westwinde vom Atlantik liegt Deutschland derzeit unter einer kräftigen nördlichen Strömung – und die führt subpolare bis arktische Luftmassen direkt zu uns.“ Das Blockadehoch liegt laut Jung westlich von Mitteleuropa, zwischen den Britischen Inseln, Island und Grönland.

Eisheilige kommen früher

Jung weiter: „Da Hochdruckgebiete auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn rotieren, liegt Deutschland an dessen Ostflanke und damit genau in dem Bereich, in dem die Luft von Norden nach Süden geführt wird. Das ist exakt die Konstellation, die typischerweise auch die Eisheiligen Mitte Mai prägt. Wir bekommen sozusagen einen verfrühten Vorgeschmack.“

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Durch das Blockadehoch kann keine milde Meeresluft nachströmen. Selbst wenn die Sonne tagsüber für milde Temperaturen sorgt, kühlt die kalte Luft den Boden nachts stark aus. Wetterexperte Dr. Karsten Brandt erklärt: „Die kalte Luft kühlt den Boden aus, und der Frost ist da.“ Deshalb kommt es zu Frostnächten und sogar zu Schneefall. Brandt sagt voraus: „Bis Dienstag bleibt es so.“ Laut Deutschem Wetterdienst ist von den kalten Nachttemperaturen der nächsten Tage nur das südliche Rheintal verschont.

Einordnung des Aprils

Trotz der frostigen Nächte ist der April insgesamt nicht außergewöhnlich kalt. Jung: „Im Vergleich zum alten Klimamittel 1961 bis 1990 liegt er in Deutschland sogar rund 1,6 Grad über dem Soll.“ Gegenüber den früheren Jahren ab 1991 fällt er durchschnittlich aus. Doch nach den sommerlichen Tagen mit bis zu 25 Grad Celsius überrascht der nächtliche Temperaturabfall. Jung: „Jeder Rückfall in normales Aprilwetter wirkt wie ein Kälteschock. Nicht der April ist außergewöhnlich kalt – außergewöhnlich ist nur, woran wir uns inzwischen gewöhnt haben.“

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