Energiedebatte: Zwei scheinbar harmlose Wörter, die die Diskussion verzerren
In der deutschen Energiedebatte tauchen immer wieder zwei Begriffe auf, die auf den ersten Blick neutral und technisch klingen, in Wahrheit aber oft zur Irreführung eingesetzt werden. Es handelt sich um "Primärenergie" und "Systemkosten". Diese Wörter werden ständig verwendet, um die Diskussion über die Energiewende zu verzerren und falsche Narrative zu verbreiten.
Der propagandistische Missbrauch von "Primärenergie"
Der Begriff "Primärenergie" suggeriert eine wissenschaftliche Genauigkeit, doch er wird heute häufig als Kampfbegriff missbraucht. Primärenergie bezeichnet die gesamte Energie, die in einen Prozess hineingesteckt wird. Nehmen wir ein Auto mit Dieselmotor: Die Primärenergie steckt im Dieselkraftstoff. Ein Liter Diesel entspricht etwa zehn Kilowattstunden Brennwert.
Ein modernes Elektroauto kommt mit 20 Kilowattstunden Strom etwa 100 Kilometer weit. Ein vergleichbares Diesel-SUV schafft mit der gleichen Menge Primärenergie in Form von Diesel nicht annähernd diese Strecke. Der Grund liegt in der miserablen Energieausbeute von Verbrennungsmotoren: Bis zu vier Fünftel der eingesetzten Primärenergie verpuffen als Wärme.
Elektromotoren sind drei- bis viermal so effizient wie Verbrenner. Wenn also in Energiedebatten behauptet wird, dass nur ein geringer Prozentsatz unseres Primärenergieverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt wird, ist das oft bewusste Irreführung. Wir müssen nicht die gesamte Primärenergie ersetzen, sondern nur den effektiv genutzten Anteil.
Die nebulösen "Systemkosten" der Energiewende
Der zweite problematische Begriff ist "Systemkosten". Er wird häufig von Kritikern der Energiewende verwendet, um zu behaupten, dass erneuerbare Energien teurer seien als fossile Brennstoffe. Tatsächlich ist erneuerbarer Strom weltweit bereits der billigste Strom, was zu einem gewaltigen Boom führt.
Mit "Systemkosten" sind die Investitionen gemeint, die für den Umbau des Stromsystems notwendig sind: Photovoltaikanlagen, Windkraftwerke, Stromnetze, Speicher und Back-up-Kraftwerke. Diese Ausgaben sind jedoch Investitionen, die langfristig Kosten senken. Es ist vergleichbar mit einem Hausbesitzer, der eine kaputte Gasheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt: Die Anfangsinvestition ist hoch, aber die laufenden Kosten sinken dauerhaft.
Deutschland deckt bereits mehr als die Hälfte seines Jahresstromverbrauchs mit heimischen erneuerbaren Energien. Mit mehr Batteriespeichern könnte dieser Anteil schnell steigen. Kalifornien macht vor, wie durch Speicherlösungen die Netzstabilität verbessert und Strompreise gesenkt werden können.
Der Unterschied zwischen Kosten und Investitionen
Die größten Systemkosten des deutschen Energiesystems sind die 70 bis 80 Milliarden Euro, die jährlich für fossile Brennstoffe ins Ausland fließen. Diese Brennstoffe werden verbrannt und sind dann weg – das sind echte Kosten. Im Gegensatz dazu sind Investitionen in erneuerbare Infrastruktur langfristig kostensenkend.
Private Investoren stehen bereit, um Batteriegroßspeicher zu bauen, die das Netz stabilisieren und Strompreise senken könnten. Jede Stunde, in der kein Gas zur Stromerzeugung verbrannt werden muss, spart bares Geld. Dennoch gibt es politische Kräfte, die den Ausbau von Speichern behindern und stattdessen auf teure Gaskraftwerke setzen wollen.
Eine Leitung zu einem Batteriespeicher kann über Jahre hinweg billigen Strom transportieren – das ist eine lohnende Investition. Ein verbranntes Kubikmeter Gas hingegen ist für immer verloren und hinterlässt nur CO₂ in der Atmosphäre. Die Begriffe "Primärenergie" und "Systemkosten" sollten in der Energiedebatte daher kritisch hinterfragt werden, da sie oft dazu dienen, den notwendigen Wandel zu verzögern.



