SPD-Regent Lies fordert Diskussion: Chinesische Autos bald im VW-Werk Wolfsburg?
SPD-Regent Lies: Chinesische Autos bald bei VW in Wolfsburg?

SPD-Regent Lies fordert offene Debatte über chinesische Autos bei VW

Im Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg könnten in Zukunft möglicherweise Fahrzeuge aus chinesischer Produktion vom Band laufen. Niedersachsens SPD-Regent Olaf Lies hat diese Idee in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung ins Spiel gebracht und eine offene Diskussion darüber gefordert.

Lies: "Beschäftigung in allen Werken sichern"

Der 58-jährige Politiker, der selbst im Aufsichtsrat von Volkswagen sitzt, betonte in seinen Ausführungen vor allem die Notwendigkeit, Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie zu erhalten. "Dass die Chinesen in unsere europäischen Märkte drängen, werden wir nicht verhindern können", stellte Lies nüchtern fest. Für ihn stehe jedoch im Fokus, die Beschäftigung in allen VW-Werken zu sichern.

Hintergrund dieser Überlegungen ist der zunehmende Druck, den chinesische Automobilhersteller auf den europäischen Markt ausüben. Immer mehr Fahrzeuge aus Fernost drängen in die europäischen Märkte und stellen die einheimische Industrie vor erhebliche Herausforderungen.

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Niedersachsen mit großem Einfluss bei VW

Der Vorstoß des SPD-Politikers kommt nicht von ungefähr. Das Bundesland Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte bei Volkswagen und verfügt bei wichtigen Entscheidungen über ein Vetorecht – und damit über extrem großen Einfluss auf die Unternehmenspolitik des Konzerns.

Erst in der vergangenen Woche hatte sich Lies in China über das VW-Geschäft informiert. Der Automobilkonzern betreibt dort mehr als 30 Werke, häufig in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Genau in dieser Kooperationserfahrung sieht Lies eine Chance für Europa. Er stellt die Frage, welche Perspektiven sich daraus ergeben und ob ähnliche Zusammenarbeitsmodelle auch auf europäischem Boden denkbar wären.

Experte: "Das würde durchaus Sinn machen"

Autoexperte Frank Schwope hält den Vorschlag von Lies für realistisch und sinnvoll. "Das würde durchaus Sinn machen, zumal Volkswagen in China Joint-Venture-Partner von SAIC ist", so Schwope. SAIC steht hinter der Marke MG, die auch in Deutschland immer erfolgreicher wird. Der Experte geht davon aus, dass Joint Ventures auch in Europa möglicherweise zur Zukunft gehören könnten.

Besonders wichtig könnte eine solche Kooperation beim Batterie-Know-how werden. Andere Automobilkonzerne machen es bereits vor: Stellantis arbeitet in Europa schon mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor zusammen. Schwope sieht darin auch eine Chance für den VW-Standort Osnabrück: "Das könnte gerade dem Werk in Osnabrück eine neue Perspektive eröffnen."

Konkurrenz aus China wird immer stärker

Die Herausforderungen für die europäische Automobilindustrie sind jedoch erheblich. Elektroautos aus China sind oft günstiger und technologisch auf Augenhöhe mit europäischen Modellen. Die EU reagiert darauf mit Schutzzöllen, doch Lies warnt vor einer zu starken Abschottung: "Durch Abschottung allein bleiben wir nicht erfolgreich."

Branche in der Krise: Zehntausende Jobs gefährdet

Die deutsche Automobilindustrie befindet sich in einer tiefgreifenden Krise. Bereits zehntausende Arbeitsplätze sind verloren gegangen, vor allem bei Zulieferern. Große Konzerne bauen Stellen ab, viele Unternehmen suchen nach neuen Geschäftsfeldern – teilweise sogar in der Rüstungsindustrie.

Am VW-Standort Osnabrück wurde zuletzt sogar diskutiert, dort eine Panzer-Produktion zu starten. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Vorstoß von Olaf Lies zusätzliche Bedeutung. Die Frage, wie Arbeitsplätze in der Automobilindustrie gesichert werden können, wird für die betroffenen Regionen in Niedersachsen immer dringlicher.

Die Diskussion über chinesische Autos in deutschen Werken ist damit nicht nur eine theoretische Überlegung, sondern könnte konkrete Auswirkungen auf die Zukunft tausender Beschäftigter haben. Ob sich Volkswagen tatsächlich auf solche Kooperationsmodelle einlassen wird, bleibt abzuwarten – die Debatte ist jedoch eröffnet.

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