Ökostrom-Abschaltungen: 435 Millionen Euro Entschädigung für ungenutzte Energie 2025
435 Millionen Euro für ungenutzten Ökostrom 2025

Ökostrom-Entschädigungen: 435 Millionen Euro für abgeregelte Anlagen im Jahr 2025

Die deutsche Energiewende zeigt eine paradoxe Entwicklung: Während der Anteil der Stromerzeugung aus Wind und Sonne mittlerweile deutlich über 50 Prozent liegt, müssen Erzeuger ihre Anlagen zeitweise abschalten, weil das Stromnetz die Energie nicht transportieren kann. Im vergangenen Jahr erhielten diese Betreiber dafür eine Entschädigung von knapp 435 Millionen Euro. Diese Summe stellt zwar einen Rückgang von etwa 120 Millionen Euro im Vergleich zu 2024 dar und setzt einen seit Jahren anhaltenden Abwärtstrend fort, offenbart jedoch weiterhin massive infrastrukturelle Defizite.

Regionale Unterschiede und die Spitzenposition Bayerns

Die Daten, die aus der Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Linkenabgeordneten Dietmar Bartsch hervorgehen, zeigen deutliche regionale Disparitäten. Das Solarland Bayern war 2025 mit 165 Millionen Euro Spitzenreiter bei den finanziellen Ausgleichszahlungen für Erzeuger erneuerbarer Energien. Es folgten die großen Windkraftländer Niedersachsen mit 120 Millionen Euro und Schleswig-Holstein mit 54 Millionen Euro. Im Kontrast dazu erhielten Betreiber in Hessen, Bremen, im Saarland, Berlin und Hamburg wenig bis gar keine Entschädigungen.

Netzengpässe als Hauptursache

Die hohen Entschädigungssummen sind primär auf unzureichende Leitungskapazitäten zurückzuführen. Gerade an windreichen oder sonnigen Tagen reichen die vorhandenen Netze nicht aus, um den produzierten Ökostrom zu den Verbrauchern zu transportieren. Die Netzbetreiber sind gezwungen, bei Engpässen regional Erzeuger abzuregeln. Die Häufigkeit dieser Maßnahmen hängt dabei stark vom Wetter und dem jeweiligen Ausbaustand des Stromnetzes ab. Die konkrete Höhe der Entschädigung orientiert sich im Einzelfall am aktuellen Marktpreis für Strom.

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Die besondere Situation in Bayern erklärt sich unter anderem durch den rasanten Ausbau von Solaranlagen, der nicht mit dem deutlich langsameren Vorankommen des Leitungsausbaus Schritt halten kann. Dieser infrastrukturelle Rückstand führt zu regelmäßigen Abschaltungen und entsprechend hohen Kompensationszahlungen.

Politische Kritik und Forderungen

Linkenpolitiker Dietmar Bartsch sprach angesichts der Zahlen von einem "Systemversagen" und forderte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf, umgehend Abhilfe zu schaffen. "Die Bundesregierung verantwortet die höchsten Strompreise in Europa – gleichzeitig wird Strom weggeschmissen", kritisierte Bartsch. "Diese Absurdität auf dem Rücken der Verbraucher muss enden." Denn letztlich werden die Entschädigungskosten über die Netzentgelte auf die Stromkunden umgelegt.

Bartsch forderte einen grundlegenden Neustart in der Energiepolitik: "Statt kleiner Korrekturen und unzureichender Kostendämpfer braucht es einen Neustart: Netzausbau beschleunigen – Preise runter. Ein Land, das bei den Preisen an der Weltspitze steht, muss jede Kilowattstunde ins Netz bringen." Seine Kritik unterstreicht die Dringlichkeit, die Netzinfrastruktur endlich an die wachsenden Kapazitäten der erneuerbaren Energien anzupassen, um sowohl Versorgungssicherheit zu gewährleisten als auch die finanziellen Belastungen für die Verbraucher zu reduzieren.

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