Rettungsplan für Domo in Leuna: InfraLeuna plant Übernahme der insolventen Tochterfirmen
Rettungsplan für Domo in Leuna: InfraLeuna plant Übernahme

Rettungsplan für Domo in Leuna nimmt konkrete Formen an

Für die insolventen Tochterfirmen des belgischen Chemieunternehmens Domo in Sachsen-Anhalt zeichnet sich eine mögliche Rettung ab. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur plant der Standortbetreiber InfraLeuna gemeinsam mit dem Unternehmen Leuna-Harze die Gründung einer neuen Tochtergesellschaft, um die beiden Domo-Firmen in Leuna zu übernehmen. Diese Entwicklung bringt neue Hoffnung für Hunderte Beschäftigte, während die Situation am Brandenburger Standort Premnitz weiterhin unklar bleibt.

Unterschiedliche Lösungen für verschiedene Standorte

Das Chemieunternehmen Domo mit Sitz im belgischen Gent hatte Ende des vergangenen Jahres für seine drei deutschen Tochterfirmen Insolvenz angemeldet. Die drei Unternehmen werden bei der Suche nach Investoren separat betrachtet, was zu unterschiedlichen Lösungen für die einzelnen Standorte führen könnte. Bislang wurden nach dpa-Informationen noch keine Verträge unterzeichnet, doch die Pläne für Leuna nehmen konkrete Formen an.

Die meisten Domo-Mitarbeitenden sind im sachsen-anhaltischen Leuna beschäftigt: Bei der Domo Chemicals GmbH arbeiten etwa 35 Personen, bei der Domo Caproleuna GmbH rund 480 Beschäftigte. In Premnitz in Brandenburg hat die Domo Engineering Plastics GmbH etwa 70 Mitarbeitende, deren Zukunft weiterhin ungewiss ist.

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Insolvenzverfahren steht vor der Eröffnung

Ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Lucas Flöther äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu einer möglichen Lösung für die Domo-Standorte. Konkrete Angaben könnten erst gemacht werden, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet sei, was für Mittwoch, den 1. April, geplant ist. In der Zeit zwischen dem Stellen eines Insolvenzantrags und der Eröffnung des Verfahrens verwaltet ein Insolvenzverwalter das Vermögen des Schuldners und sucht nach Möglichkeiten, den Geschäftsbetrieb fortzuführen.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) kündigte kurzfristig seine Teilnahme an einer Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung in Magdeburg an, was die Bedeutung der Entwicklung unterstreicht.

Minimalbetrieb aus Sicherheitsgründen

Wenige Tage nach der Insolvenzanmeldung hatte sich das Land Sachsen-Anhalt eingeschaltet und entschieden, aus Gründen der Gefahrenabwehr bis zum 1. April einen Minimalbetrieb der Produktionsanlagen aufrechtzuerhalten. Insolvenzverwalter Flöther hatte damals erklärt, dass es wegen der winterlichen Wetterbedingungen zu diesem Zeitpunkt nicht möglich gewesen sei, die Anlagen in Leuna sicher herunterzufahren.

Die Anlagen liefen also durch Mittel des Landes weiter, um Gefahren für Mensch und Umwelt zu vermeiden. Auch die Produktion in Premnitz wurde fortgesetzt. Domo stellt vor allem Kunststoff her, der unter anderem in der Automobilindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche weiterverarbeitet wird.

Finanzielle Belastung für das Land

Unklar ist bislang, wie viel Geld das Land Sachsen-Anhalt für den Weiterbetrieb zahlen muss. Nach der Entscheidung des Landes, den Minimalbetrieb zu ermöglichen, hatte das Landesverwaltungsamt von einem höheren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionenbetrag gesprochen. Diese finanzielle Belastung unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung der Chemieindustrie in der Region.

Größerer Kontext der Chemieindustrie

Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Ostdeutschland zählt laut der Gewerkschaft IG BCE 48.000 Beschäftigte in den tarifgebundenen Unternehmen und erzielt einen Jahresumsatz von über 30 Milliarden Euro. Im Chemie-Dreieck in Sachsen-Anhalt gibt es nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit etwa 100 Firmen mit rund 10.000 Beschäftigten.

Die Insolvenz eines Unternehmens wie Domo kann immer auch Auswirkungen auf andere Firmen in der Region haben, die beispielsweise Stoffe anliefern oder von der Infrastruktur profitieren. Neben Domo gibt es weitere Unternehmen in der Chemiebranche, die sich derzeit in einer schwierigen Lage befinden, darunter Dow Chemical, das vor einigen Monaten bekanntgab, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und Böhlen (Sachsen) Ende 2027 geschlossen werden soll.

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Die geplante Übernahme durch InfraLeuna und Leuna-Harze könnte somit nicht nur die direkten Arbeitsplätze bei Domo sichern, sondern auch positive Effekte für die gesamte regionale Chemieindustrie haben.