Bayers teures Erbe: Glyphosat-Skandal belastet Konzern mit Milliardenkosten
Die Übernahme des US-Konzerns Monsanto im Jahr 2018 hat sich für Bayer zu einem finanziellen Albtraum entwickelt. Nach aktuellen Berechnungen des Handelsblatts summieren sich die Kosten des Glyphosat-Rechtsstreits auf rund 24,2 Milliarden Euro. Damit handelt es sich um den zweitteuersten Rechtsstreit in der Geschichte deutscher Konzerne, übertroffen nur vom Dieselskandal bei Volkswagen mit etwa 33 Milliarden Euro.
Vergleichsangebot und Grundsatzurteil stehen bevor
Bis Ende Juni können die verbliebenen 67.000 Kläger entscheiden, ob sie das im Februar vorgelegte Vergleichsangebot von Bayer akzeptieren. Der Konzern hat dafür weitere 6,7 Milliarden Euro bereitgestellt. Parallel dazu wird das oberste Gericht der USA ein Grundsatzurteil fällen, das künftigen Schadenersatzklagen wegen Glyphosat möglicherweise die rechtliche Grundlage entziehen könnte.
Auf der Hauptversammlung am 24. April will Vorstandschef Bill Anderson eine erste Version der Schlussbilanz für das Glyphosat-Abenteuer vorstellen, das den Leverkusener Konzern seit sieben Jahren schwer belastet. Die Konzernstrategen gehen davon aus, dass die meisten Kläger das Vergleichsangebot annehmen werden, da ein abwartendes Urteil riskant erscheint.
Das rechtliche Erbe der Monsanto-Übernahme
Die Probleme für Bayer begannen mit der Übernahme von Monsanto, die nicht nur den Glyphosat-Skandal, sondern weitere rechtliche Altlasten mit sich brachte:
- Klagen wegen des Unkrautvernichters Dicamba
- Rechtliche Auseinandersetzungen um die Chemikalie PCB, die bis Ende der 1970er-Jahre in Baustoffen verwendet wurde
- US-Kommunen und Schulen klagen wegen möglicher Gesundheitsschäden durch PCB
Das rechtliche Erbe Monsantos hat die Bayer-Bilanzen seit dem Kauf in jedem Jahr belastet. Der bisherige Höhepunkt war 2021, als der Konzern für den ersten großen außergerichtlichen Vergleich mit Glyphosat-Klägern 10,8 Milliarden Euro und für andere Rechtslasten weitere 900 Millionen Euro aufwenden musste.
Ausblick und finanzielle Belastung
Die 24,2 Milliarden Euro umfassen nach Angaben des Handelsblatts auch die eingeplanten Kosten für künftige Vergleiche. Sollten nach dem Vergleichsangebot noch einzelne Streitfälle übrig bleiben, würden diese finanziell nicht mehr stark ins Gewicht fallen. Dennoch bleibt die Monsanto-Übernahme eine der kostspieligsten Entscheidungen in der Unternehmensgeschichte Bayers.
Der Unkrautvernichter Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat hat nicht nur zu tausenden Klagen geführt, sondern auch das Image des traditionsreichen Chemiekonzerns nachhaltig beschädigt. Die finanziellen Folgen werden Bayer noch Jahre lang begleiten.



