Basketball-Europapokal: Zu viele Wettbewerbe, zu wenig Struktur
Eine Europapokal-Endrunde in Deutschland mit Beteiligung eines Bundesligisten – eigentlich ein Grund zur Freude für den deutschen Basketball. Doch als der Syntainics MBC aus Weißenfels ankündigte, das Final Four der European North Basketball League (ENBL) auszutragen, folgte prompt ein Rüffel vom Deutschen Basketball Bund.
„Die sogenannte ENBL ist eine Liga ohne jede Legitimation seitens des Basketball-Verbandes Fiba Europe und eine Liga ohne jede Relevanz, da allenfalls fünftklassig“, kritisierte DBB-Generalsekretär Wolfgang Brenschendt scharf. MBC-Geschäftsführer Martin Geissler zeigte sich irritiert: „Ich finde so eine Kommunikation gegenüber einem BBL-Club in erster Wahrnehmung irritierend. Die Leistung des MBC wird hier nicht respektiert.“
Das aktuelle Wettbewerbs-Wirrwarr
Dieser Zwischenfall verdeutlicht ein grundlegendes Problem: Im europäischen Basketball herrscht auf internationaler Ebene ein regelrechtes Chaos. Aktuell existieren gleich fünf verschiedene Wettbewerbe:
- Euroleague (privatwirtschaftlich organisiert)
- Eurocup (privatwirtschaftlich organisiert)
- Champions League (von Fiba Europe organisiert)
- Fiba Europe Cup (von Fiba Europe organisiert)
- European North Basketball League (privatwirtschaftlich organisiert)
Zum Vergleich: Im Fußball gibt es mit Champions League, Europa League und Conference League nur drei Wettbewerbe mit klarer Hierarchie. Im Basketball fehlt diese Struktur komplett.
Wer spielt wo – und warum?
Die Teilnahmekriterien sind höchst unterschiedlich. Während man sich für die Champions League und den Fiba Europe Cup über die nationale Liga qualifiziert, suchen sich die anderen Wettbewerbe ihre Teilnehmer oft willkürlich aus.
Bayern München ist beispielsweise Teil-Gesellschafter der Euroleague und nimmt daher am qualitativ hochwertigsten Wettbewerb teil. Im Eurocup waren in dieser Saison die Veolia Towers Hamburg vertreten – obwohl sie es in der Bundesliga nicht einmal in die Play-Ins geschafft hatten. Hamburg als Metropole wollten die Organisatoren einfach dabei haben.
Besonders kurios: In der ENBL wurde sogar über Instagram nach interessierten Clubs gesucht. Der MBC nahm teil und qualifizierte sich mühelos für das Final Four, wo Manchester Basketball der Gegner im Halbfinale ist.
NBA als möglicher Problemlöser
Seit Jahren versuchen Verantwortliche, Struktur in das Europapokal-Chaos zu bringen. Jetzt kommt ein neuer Akteur ins Spiel: Die NBA drängt gemeinsam mit dem Weltverband Fiba auf den europäischen Markt und plant einen Europa-Ableger.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dies würde das Chaos noch vergrößern. Doch viele Experten hoffen auf das Gegenteil. „Wir reden über die stärksten Basketball-Institutionen, die es gibt“, sagte Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi im Podcast „Dyn Timeout“. „Das ist die Fiba als regulatorische Klammer des Weltbasketballs und die NBA, die man nicht lange beschreiben muss.“
Baldi hofft, dass es dem Duo gelingt, „diesen extrem fragmentierten europäischen Basketballmarkt in Anführungszeichen in Ordnung und in eine klare Struktur bringen“. Wichtig sei eine klare Hierarchie der Wettbewerbe: „Es ist aus meiner Sicht höchste Zeit, das in Einklang zu bringen, damit es für jeden und jede nachvollziehbar ist, wer spielt wo und was bedeutet dieser Wettbewerb.“
Wie soll NBA Europe aussehen?
Die NBA plant, ihren Europa-Ableger im kommenden Jahr zu starten. Bis zu zwölf feste Startplätze sind vorgesehen, dazu kommen vier Teams, die sich sportlich qualifizieren. Aus Deutschland gilt Alba Berlin als heißester Anwärter – die Berliner haben sich im vergangenen Sommer aus der Euroleague zurückgezogen und spielen aktuell in der Fiba-Champions League.
Die Zukunft der Euroleague
Die große Frage bleibt: Was wird aus der privatwirtschaftlich organisierten Euroleague? Seit Jahren sind Euroleague und Weltverband zerstritten, doch zuletzt gab es Annäherungszeichen. Der neue Euroleague-Boss Chus Bueno hat eine NBA-Vergangenheit und könnte vermittelnd wirken.
Die Hoffnung vieler Beteiligter: Durch die Wucht der NBA in Zusammenarbeit mit dem Weltverband könnte endlich Klarheit in den europäischen Basketballmarkt kommen. Ob dies tatsächlich gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.



