Die Verschuldung Deutschlands wächst rasant. Internationale Rating-Agenturen schlagen Alarm: Bei einem anhaltenden Anstieg der Neuverschuldung droht eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit. Der Bund plant für 2027 Ausgaben von rund 543,3 Milliarden Euro im Kernhaushalt. Die Neuverschuldung soll dabei 110,8 Milliarden Euro betragen. Hinzu kommen 58,2 Milliarden Euro aus dem Infrastruktur-Schuldentopf und 27,5 Milliarden Euro für die Bundeswehr. Insgesamt nimmt Deutschland im kommenden Jahr 196,5 Milliarden Euro neue Schulden auf – ein deutlicher Anstieg gegenüber 144 Milliarden Euro im Jahr 2025. Die Gesamtverschuldung liegt bereits bei 2,8 Billionen Euro, ein Rekordwert.
Fitch und Moody's warnen vor negativem Rating
Jeder dritte Euro, den die Regierung ausgibt, ist geliehen. Die Rating-Agenturen Fitch und Moody's bewerten Deutschland zwar noch mit der Bestnote „AAA“, machen jedoch deutlich, dass diese Einstufung gefährdet ist. Ein Fitch-Sprecher erklärte, ein „schnellerer und anhaltenderer Anstieg der Staatsverschuldung auf mittlere Sicht“ könne zu einer negativen Ratingmaßnahme oder einer Herabstufung führen. Auch Moody's warnt: Ein massiver Anstieg der Staatsverschuldung in Verbindung mit schwachem Wachstum hätte „negative Auswirkungen auf das Rating“. Die mögliche Folge: Verliert Deutschland das Top-Rating, müsste es höhere Zinsen zahlen.
Experte: Höhere Zinsen belasten Haushalt
Finanzwissenschaftler Prof. Jan Schnellenbach von der TU Cottbus sagte: „Daraus würden tatsächlich höhere Zinsen folgen, die Zinskosten des Bundes würden nochmals deutlich ansteigen, weniger Geld würde für produktive Staatsausgaben wie Investitionen zur Verfügung stehen.“
Schuldenquote steigt auf über 70 Prozent
Die Fitch-Analysten erwarten, dass die Schuldenquote Deutschlands im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2027 auf 67,1 Prozent und bis 2029 auf 70,4 Prozent steigt. Zwar liegt die Quote unter dem Durchschnitt der Eurozone von 87,4 Prozent, aber deutlich über dem Median der Länder mit „AAA“-Rating von 39,4 Prozent. Fitch betont, dass die finanziellen Risiken Deutschlands zunehmen und der Ausgabenanstieg durch Reformen und mehr Wachstum ausgeglichen werden müsse.



