Die Berliner Smartphonebank N26 erhebt ab September eine pauschale Ordergebühr von 90 Cent für den Kauf und Verkauf von Aktien, börsennotierten Indexfonds (ETF) und Exchange Traded Commodities (ETC). Bislang war der Handel kostenlos. Bestandskunden werden per Schreiben um Zustimmung zu den neuen Konditionen gebeten.
Neue Gebührenstruktur bei N26
Kunden mit einem N26-Girokonto für 9,90 Euro oder 16,90 Euro monatlich können weiterhin drei- beziehungsweise zehnmal im Monat kostenlos handeln. N26 hatte den Wertpapierhandel erst Anfang 2025 gestartet und damit bewusst günstig angeboten, um Marktanteile zu gewinnen. Die Neobank trat damit spät in den Markt ein, in dem Trade Republic und Scalable Capital bereits etabliert waren.
Die Gebühreneinführung fällt in eine Phase wirtschaftlichen Erfolgs: 2025 erzielte N26 erstmals einen Gewinn seit Gründung vor zwölf Jahren. Der Jahresüberschuss betrug 1,6 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte.
Branchenvergleich: Ähnliche Preise bei Mitbewerbern
Auffällig ist, dass mehrere Anbieter ähnliche Gebühren verlangen. Trade Republic erhebt seit Langem eine Abwicklungspauschale von einem Euro pro Order. Bei Scalable Capital fallen standardmäßig 99 Cent an. Der Joe Broker der Targobank berechnet einen Euro für Transaktionen mit Aktien, ETFs, Fonds und Anleihen. Auch Sparkassen verlangen mit ihrem neuen Angebot „S-Neo“ 95 Cent je Order. Sparkassenpräsident Ulrich Reuter bezeichnete S-Neo im März als „absolut wettbewerbsfähig zu anderen Neobrokern“. Das Angebot reagiert auf den Erfolg von Trade Republic, Scalable und Revolut.
Bei Revolut hängen die Transaktionsgebühren vom monatlichen Kontomodell ab; wer mehr zahlt, kann häufiger gratis handeln. Ansonsten kostet die Transaktion 0,25 oder 0,12 Prozent des Orderbetrags, mindestens ein Euro.
Hintergrund: PFOF-Verbot und neue Handelsstrukturen
Trade Republic hatte kürzlich ein neues Handelssystem eingeführt, um mit Flatex und Comdirect zu konkurrieren. Es bietet nun Zugang zu 30 Börsen weltweit. Bisher wickelte Trade Republic seine Geschäfte nur über die Lang und Schwarz Exchange ab und erhielt dafür Rückvergütungen (Payment for Orderflow, PFOF). Die EU hat diese Praxis Ende Juni verboten, sodass Trade Republic und andere Broker ihre Handelsabwicklung neu strukturieren mussten.
Bei N26 ist PFOF hingegen nicht Bestandteil des Geschäftsmodells, wie eine Sprecherin erklärte. Sie verwies darauf, dass N26 regelmäßig die Preisstruktur überprüfe, wie in der Branche üblich.
Auswirkungen für Kunden
Die neuen Gebühren bedeuten für N26-Kunden, die häufig handeln, höhere Kosten. Wer kein kostenpflichtiges Girokonto hat, zahlt künftig 90 Cent pro Order. Sparpläne bleiben in der Regel kostenlos, wie auch bei anderen Anbietern. N26 betonte, dass die Preisanpassung notwendig sei, um wettbewerbsfähig zu bleiben und die Servicequalität zu sichern.



