Die Commerzbank hat im Juni ihre Konditionen für Baufinanzierungen gesenkt. Nach Comdirect und der PSD Bank Nürnberg folgt nun das dritte große Institut mit einer Zinsanpassung. Der repräsentative Zweidrittelzins für eine Baufinanzierung liegt bei einem effektiven Jahreszins von 4,06 Prozent, nach zuvor 4,16 Prozent. Der Zweidrittelzins gibt an, welchen Zins zwei Drittel der Kreditnehmer höchstens zahlen müssen – er ist gesetzlich vorgeschrieben.
Was die Zinssenkung für Kreditnehmer bedeutet
Die Kalkulation basiert auf einem Nettodarlehensbetrag von 100.000 Euro bei einer Zinsbindung von zehn Jahren. Die monatliche Rate aus Tilgung und Zinskosten sinkt dadurch von 1016,26 Euro auf 1011,98 Euro. Die Ersparnis beträgt 4,28 Euro pro Monat beziehungsweise 51,36 Euro pro Jahr. „Bereits kleine Zinsänderungen wirken sich auf die monatliche Rate aus, und im Laufe des Jahres drohen dabei größere Summen“, erklärt Finanzredakteurin Hannah Ritzmann.
Vergleich mit anderen Anbietern
Im Marktvergleich zeigt sich, dass die Commerzbank nicht das günstigste Angebot bietet. Der Vermittler Interhyp gibt für Baufinanzierungen mit zehnjähriger Zinsbindung einen üblichen Zinssatz von 3,85 Prozent an. Die Commerzbank liegt mit einem Sollzins von 3,99 Prozent und einem effektiven Jahreszins von 4,06 Prozent darüber. Dr. Klein nennt für Immobilienfinanzierungen eine Top-Zinsspanne von 3,57 bis 4,24 Prozent je nach Sollzinsbindung. Das Angebot der Commerzbank bewegt sich im oberen Bereich dieser Spanne.
PSD Bank senkt Bauzinsen
Bereits am 25. Juni hatte die PSD Bank Nürnberg ihre Konditionen angepasst. Ihr effektiver Zins im repräsentativen Beispiel fiel von 3,59 Prozent Anfang Juni auf 3,54 Prozent. Grundlage ist ein Darlehen von 300.000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung, einem anfänglichen Tilgungssatz von einem Prozent und einem Beleihungsauslauf von etwa 50 Prozent. Die Bank ist sowohl Darlehensgeber als auch Vermittler und vergleicht nach eigenen Angaben Angebote von etwa 400 Anbietern. Die monatliche Rate sinkt damit von 1337,94 Euro auf 1323,17 Euro – ein Minus von rund 15 Euro.
Comdirect senkt Bauzinsen
Bereits am 24. Juni senkte Comdirect die Bauzinsen. Im repräsentativen Beispiel der Bank sinkt der effektive Jahreszins auf 4,36 Prozent (zuvor 4,39 Prozent). Comdirect nennt den Zins unter der Annahme, dass 140.000 Euro mit 15 Jahren Zinsbindung und einer anfänglichen Tilgung von 2 Prozent finanziert werden. Die Beleihung der Immobilie beträgt 80 Prozent, die monatliche Rate wird mit 638,17 Euro (zuvor 639,33 Euro) angegeben. Die Ersparnis ist gering. Auch im Vergleich zeigen sich bessere Optionen: Der Vermittler Interhyp gibt für fünfzehnjährige Laufzeiten einen üblichen Zins von 4,06 Prozent an. Comdirect liegt mit einem Sollzins von 4,29 Prozent und einem Effektivzins von 4,36 Prozent darüber.
Beste Bauzinsen der Woche im Check
Ein Fallbeispiel zeigt die Unterschiede zwischen den Vermittlern: Ein Paar möchte eine Bestandsimmobilie im Wert von 400.000 Euro erwerben und bringt 80.000 Euro Eigenkapital mit. Finanziert werden soll bei einer Zinsbindung von zehn Jahren und einer anfänglichen Tilgung von zwei Prozent. Das günstigste Angebot kommt von Dr. Klein mit einem effektiven Zinssatz von 3,62 Prozent und einer Rate von 1622 Euro. Danach folgt Interhyp mit einem Zinssatz von 3,67 Prozent und einer monatlichen Rate von rund 1637 Euro. Eine größere Differenz gibt es im Vergleich zu Baufi24 mit einem effektiven Jahreszins von 3,86 Prozent und einer monatlichen Rate von 1680 Euro. Das Schlusslicht bildet die DTW Immobilienfinanzierung mit einem Jahreszins von 3,96 Prozent und monatlichen Kosten von 1727 Euro – rund 105 Euro mehr als das günstigste Angebot.
1822direkt senkt Bauzinsen
Die Sparkassentochter 1822direkt hat ihre Zinsen gesenkt. Der repräsentative Effektivzins sinkt von bislang 3,85 Prozent auf 3,65 Prozent p. a. Dieser Wert basiert auf einem Darlehen über 300.000 Euro, einer zehnjährigen Zinsbindung und einem anfänglichen Tilgungssatz von 2 Prozent. Die monatliche Rate fällt von 1417,50 Euro auf 1392,50 Euro – eine Ersparnis von 25,00 Euro im Monat oder 300,00 Euro im Jahr. Allerdings weist die 1822direkt darauf hin, dass für Immobilien, die nicht die Energieeffizienzklasse A oder A+ erreichen, ein Zinsaufschlag von 0,10 Prozentpunkten anfällt. Der Vermittler Interhyp gibt für zehnjährige Laufzeiten einen üblichen Zins von 3,88 Prozent an – die 1822direkt liegt mit einem Sollzins von 3,57 Prozent und einem Effektivzins von 3,65 Prozent darunter.
ING senkt Bauzinsen erneut
Die ING hat im Juni eine weitere Zinssenkung angekündigt. „Aufgrund der aktuellen Situation an den Geld- und Kapitalmärkten senkt die ING die Konditionen für die Baufinanzierung um 0,05 Prozentpunkte über alle Zinsbindungen hinweg“, teilt die Bank mit. Der Sollzins liegt nun bei 4,15 Prozent jährlich, der effektive Jahreszins bei 4,26 Prozent – zuvor waren es 4,31 Prozent. Grundlage ist ein Darlehen von 300.000 Euro, eine Zinsbindung von 15 Jahren sowie eine anfängliche Tilgung von 3 Prozent bei einer Beleihung von 85 Prozent. Die monatliche Rate sinkt von 1800,00 Euro auf 1787,50 Euro – etwa 12,50 Euro weniger im Monat oder rund 150 Euro weniger im Jahr.
Zinsrabatte für höhere Darlehenssummen
Bei der ING und der DKB können bestimmte Kreditnehmer jetzt von günstigeren Zinsen profitieren. Bei der ING gibt es ab einem Darlehen von 200.000 Euro einen Zinsrabatt von 0,10 Prozentpunkten. Das Angebot gilt sowohl für Neu- als auch für Anschlussfinanzierungen und lässt sich mit anderen Rabatten kombinieren. Bei der DKB greift der Zinsrabatt von 0,10 Prozentpunkten, wenn der Kauf eine Bestandsimmobilie betrifft, das Gesamtfinanzierungsvolumen mindestens 250.000 Euro beträgt, maximal 80 Prozent des Kaufpreises finanziert werden und die Immobilie die Energieeffizienzklasse B bis F aufweist.
Wichtige Hinweise zu Baufinanzierungen
Baufinanzierungen sind nur eingeschränkt vergleichbar, da die Konditionen maßgeblich von der individuellen finanziellen Situation des Kreditnehmers sowie vom Wert der Immobilie abhängen. Die Zinssätze werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst, darunter die Leitzinsen der EZB, die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers und die spezifischen Konditionen der Bank. In Deutschland sind Bankeinlagen bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank durch die Einlagensicherung geschützt. Dies gilt jedoch nicht für Kredite: Hier ist die Bonität des Kreditnehmers entscheidend.



