Im Volkswagen-Konzern gibt es einen offiziellen Chef: Oliver Blume. Doch in den vergangenen Wochen scheint im Unternehmen vor allem eines zu herrschen – blanke Panik. Anders sind die jüngsten Entwicklungen bei den großen Autozulieferern Bohai und Schlote im Harz kaum zu erklären.
Insolvenzverfahren und plötzlicher Rückzug
Der Zulieferer Bohai, der mehr als 700 Mitarbeiter beschäftigt, ist seit über einem Jahr insolvent. Das Unternehmen steckte tief in den roten Zahlen. Dennoch gelang es dem Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann, die Produktion zu stabilisieren und Investoren aus der Branche zu gewinnen, die den Komplex aus mehreren Firmen übernehmen wollten. Volkswagen, der größte Kunde, unterstützte dies zunächst und schoss Millionen für die Weiterführung zu. Offenbar sahen alle Parteien eine Zukunft für den Standort.
Doch nun zieht sich Volkswagen ohne jede Vorwarnung zurück. Diese Entscheidung ist bisher nicht nachzuvollziehen. Es muss schleunigst geklärt werden, wie es zu diesem Auftragsstopp kommen konnte. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat sich bereits eingeschaltet – ein richtiges Signal.
Sparkurs und Wettbewerbsdruck
Blume hat dem Konzern, der unter der zunehmenden Konkurrenz chinesischer Autobauer leidet, einen radikalen Sparkurs verordnet. Bis 2030 sollen 50.000 Stellen in Deutschland gestrichen werden, um die Kosten in den Werken zu senken. Einschnitte sind unvermeidlich, um im Wettbewerb zu bestehen. Doch bisher konnte man sich auf die Zusagen des VW-Chefs trotz der schwierigen Lage verlassen.
Die Stärke aller deutschen Autobauer ist und bleibt eine enge Zusammenarbeit mit ihren Zulieferern. Das wird sich auch im Elektro-Zeitalter nicht ändern. Von daher müssen Insolvenzverwalter, Landesregierung und Gewerkschaft noch einmal auf die VW-Führung zugehen. Was ist notwendig, damit die Standorte in Harzgerode und Wernigerode weiter bestehen können? Achselzuckend oder ohnmächtig sollten die Verantwortlichen den Kahlschlag im Harz nicht akzeptieren.



