UniCredit steht vor Kontrolle über Commerzbank: 49,65 Prozent der Stimmen
UniCredit erreicht 49,65 Prozent Stimmanteil bei Commerzbank

Der Übernahmepoker um die Commerzbank erreicht eine neue Eskalationsstufe. Die italienische Großbank UniCredit hat nach Abschluss ihres Übernahmeangebots einen Stimmrechtsanteil von 49,65 Prozent an Deutschlands zweitgrößter Privatbank erreicht. Das teilte das Institut am Dienstag mit. Direkt hält UniCredit demnach 44,37 Prozent der Commerzbank-Aktien, hinzu kommen weitere Zugriffsrechte, die den Gesamtanteil auf 47,59 Prozent des Grundkapitals steigen lassen.

Ein jahrelanger Machtkampf

Der Kampf um die Commerzbank läuft seit fast zwei Jahren. Im Herbst 2024 war UniCredit überraschend bei der Frankfurter Traditionsbank eingestiegen. Seitdem baut UniCredit-Chef Andrea Orcel (63) seinen Einfluss Schritt für Schritt aus. Sein Ziel: Die Commerzbank soll Teil eines neuen europäischen Bankenriesen werden. Doch der Plan stieß auf erbitterten Widerstand. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp (56) kämpft für die Eigenständigkeit der Bank, auch die Bundesregierung lehnt eine Übernahme ab.

Das Übernahmeangebot und seine Folgen

Trotz der Ablehnung legte UniCredit Anfang Mai ein offizielles Übernahmeangebot vor. Die Italiener boten den Aktionären eigene Aktien im Tausch gegen Commerzbank-Papiere an. Die Commerzbank-Spitze riet ihren Aktionären, das Angebot abzulehnen. Lange schien es, als würden nur wenige Anleger darauf eingehen. Doch viele Aktionäre entschieden sich anders und nahmen das Angebot an. Damit haben die Italiener ihren Einfluss deutlich ausgebaut. Für Orcel ist das ein wichtiger Etappensieg.

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Die Commerzbank hält jedoch dagegen: Weniger als zwei Prozent der angedienten Aktien stammen nach Angaben der Bank von institutionellen und privaten Anlegern. Der Großteil komme von Banken und anderen UniCredit-nahen Parteien. „Wir sehen keine breite Unterstützung für das Angebot unter unabhängigen Aktionären“, sagte ein Sprecher der Commerzbank.

Widerstand aus Politik und Management

Die Bundesregierung lehnt die Übernahme weiterhin ab. „Die Commerzbank ist eine systemrelevante Bank für den deutschen Finanzmarkt“, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. „Wir werden alle rechtlichen Mittel prüfen, um eine feindliche Übernahme zu verhindern.“ Auch Commerzbank-Chefin Orlopp bleibt entschlossen: „Wir kämpfen für die Eigenständigkeit unseres Hauses und das Vertrauen unserer Kunden.“

Für die Frankfurter Bank könnte eine Übernahme weitreichende Folgen haben. Orcel hat bereits angekündigt, im Fall einer Übernahme allein in Deutschland 7000 Vollzeitstellen streichen zu wollen. Das würde etwa jeden fünften Arbeitsplatz bei der Commerzbank betreffen. Noch ist die Übernahme nicht entschieden. Mehrere Aufsichtsbehörden müssen zustimmen, darunter die Europäische Zentralbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Ausblick

Die Italiener stehen heute so nah vor der Kontrolle der Commerzbank wie nie zuvor. Mit 49,65 Prozent der Stimmrechte fehlen nur noch wenige Prozentpunkte zur absoluten Mehrheit. Ob UniCredit diese Schwelle überschreiten wird, hängt von weiteren Zukäufen und dem Ausgang der behördlichen Prüfungen ab. Der Machtkampf um die Zukunft der Commerzbank geht in die entscheidende Phase.

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