Spritpreiskrise: 17 Cent weniger für Benzin oder Diesel – Warum das längst noch nicht sicher ist
Berlin • Lesedauer: 3 min
"Günstig Tanken" steht auf einer Anzeigetafel mit den aktuellen Spritpreisen an einer Tankstelle: Vom generellen Tanken zu erträglichen Preisen träumen noch immer viele Autofahrer. Die am Montag verkündeten Maßnahmen können da helfen – müssen sie aber nicht.
Die Steuersenkung klingt nach Entlastung. Ob Benzin und Diesel aber auch an der Tankstelle wirklich um 17 Cent billiger werden, entscheiden am Ende andere.
Die Bundesregierung hat für Benzin und Diesel eine befristete Steuersenkung von 17 Cent pro Liter angekündigt
Kanzler Friedrich Merz (CDU) verbindet das mit einer klaren Erwartung: Die Mineralölwirtschaft soll die Entlastung vollständig an die Kunden weiterreichen. Politisch beschlossen ist nur die Steuersenkung. Ob daraus an der Zapfsäule wirklich 17 Cent weniger werden, ist offen.
Zwischen Steuerbeschluss und Zapfsäule liegen Raffinerien, Großhandel und Konzerne. Sie entscheiden, ob die Entlastung eins zu eins weitergegeben wird oder ob ein Teil in der Kette hängenbleibt. Dass genau daran bereits Zweifel geäußert werden, darüber hat unsere Redaktion bereits am Montagmittag berichtet. Und auch Ökonomen und Tankstellenbetreiber bleiben skeptisch.
Der politische Beschluss ist nicht der Endpreis
Für Autofahrer zählt nicht der Kabinettsbeschluss, sondern die Zahl auf der Anzeigetafel. Die 17 Cent sind deshalb keine Preisgarantie, sondern die rechnerische Höhe der Steuerentlastung. Der ADAC begrüßt die Maßnahme zwar, weist aber zugleich auf den entscheidenden Unsicherheitsfaktor hin: Die Entlastung muss erst einmal voll ankommen. Zudem ist laut ADAC noch nicht einmal klar, ab wann die Steuersenkung genau gelten soll.
Die Konzerne sitzen am Hebel
In Berlin wird Richtung Bevölkerung gern so getan, als sei die Rechnung simpel: 17 Cent weniger Steuer gleich 17 Cent weniger beim Tanken. So läuft dieser Markt nicht. Gerade in angespannten Phasen werden Preisvorteile nicht automatisch vollständig an Verbraucher durchgereicht. Reuters hält fest, dass Kritiker des Pakets genau davor warnen: Am Ende könnten eher die Ölkonzerne profitieren als die Autofahrer.
Hinzu kommt der zweite Unsicherheitsfaktor: der Ölpreis selbst. Der ist gerade erst wieder gestiegen. Ein treibender Faktor ist die Straße von Hormus, die aktuell von den USA geschlossen gehalten wird. Großer Treiber dahinter wiederum: der Irankrieg.
Selbst wenn die Steuersenkung also weitergegeben wird, kann ein neuer Schub am Rohölmarkt einen Teil der Entlastung sofort wieder auffressen. Dann wäre Tanken zwar rechnerisch entlastet, an der Säule aber nur begrenzt billiger.
Für Verbraucher zählt nur, was unten ankommt
Nach allem, was am heutigen Montag bekannt geworden ist, bleibt deshalb nur eine Warnung: Die angekündigten 17 Cent weniger sind möglich, aber nicht sicher. Der politische Beschluss steht. Die tatsächliche Entlastung steht und fällt mit der Frage, ob die Mineralölkonzerne die gesenkte Steuer komplett an die Autofahrer weitergeben.



