Rolling Stones: Neues Album „Foreign Tongues“ – zeitlos gut mit 83
Rolling Stones: „Foreign Tongues“ – zeitlos gut mit 83

Die Rolling Stones veröffentlichen mit „Foreign Tongues“ ihr 25. Studioalbum – und das zu einem Zeitpunkt, an dem Frontmann Mick Jagger in diesem Monat 83 Jahre alt wird. Das Album klingt so frisch, als wäre die Zeit stehen geblieben. Besonders die lässige Single „Jealous Lover“ mit ihrem R&B- und Soul-Groove zeigt Jaggers stimmliche Energie und seinen mühelosen Falsettgesang.

Müheloser Falsettgesang und beeindruckende Stimmkraft

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London erklärte Jagger, dass der Falsettgesang beim Schreiben ganz natürlich entstanden sei. „Ich habe das auf dem Klavier geschrieben und alles in Falsett gesungen“, sagte der 82-Jährige. Erst bei der Aufnahme habe er sich entschieden, mehrere Stimmlagen zu nutzen. „Um ehrlich zu sein, ist das nicht besonders schwer.“ Sein Bandkollege Ronnie Wood zeigte sich im dpa-Gespräch dennoch beeindruckt: „Er hat uns damit überrascht, wie viel Kraft noch immer in seiner Stimme steckt. Mit seinem Gesang setzt er die Messlatte jedes Mal wieder etwas höher.“

Das Album „Foreign Tongues“ klingt, als hätten Jagger, Keith Richards (82) und Ronnie Wood (79) eine Zeitmaschine benutzt. Es startet mit dem krachenden Bluesrocker „Rough And Twisted“, der zu den musikalischen Anfängen der Band zurückkehrt. Darauf folgt die stadiontaugliche Midtempo-Hymne „In The Stars“ mit einem lebensbejahenden Refrain und einem Gitarrenriff zwischen „Start Me Up“ und „Rock And A Hard Place“ – so poppig klangen die Stones schon lange nicht mehr.

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Stilistische Vielfalt und politische Untertöne

Typisch für die Stones ist das Album äußerst vielseitig. „Man möchte möglichst viele verschiedene Stilrichtungen auf einem Album haben“, erklärte Jagger das Rezept für Frische und Zeitlosigkeit. Auf „Foreign Tongues“ finden sich Rock, Dance, Country, Balladen und alles dazwischen. Die markanteste Dance-Hymne ist „Never Wanna Lose You“, angetrieben von einer pulsierenden Basslinie und einem unwiderstehlichen Groove. „Hit Me In The Head“ ist ein krachender Rocksong. Die melancholische Ballade „Back in Your Life“ enthält ein ausgedehntes Gitarrensolo, das Wood dem Tod seiner Helden Brian Wilson und Sly Stone widmete. „Beide waren wichtige Einflüsse in meinem Leben und es war ein schwerer Verlust, dass sie beide in einer Woche gestorben sind“, so Wood. „Ich dachte vor allem an Brian. Und auf einmal war es, als würde die Gitarre für mich wie von selbst spielen.“

Nach langer Zeit sind wieder politische Untertöne vernehmbar. Die Country-Folk-Ballade „Ringing Hollow“ wirkt zunächst wie ein Liebeslied, bis klar wird, dass es sich bei der Verflossenen um die USA handelt. „Lady Liberty sieht nicht so gut aus, wenn sie das Gesicht verzieht“, singt Jagger. In „Mr Charm“ erlaubt er sich einen Seitenhieb gegen den „verrückten Mogul Mr. Musk“.

Produzent Andrew Watt und die Rückkehr des alten Schwungs

2023 begeisterten die Rolling Stones mit „Hackney Diamonds“, ihrem ersten Studioalbum seit 18 Jahren. Nur drei Jahre später ist „Foreign Tongues“ sogar noch stärker. „Genau das brauchen wir“, sagte Ronnie Wood, „den alten Schwung, den die Stones damals in den Jimmy-Miller-Zeiten hatten.“ Miller produzierte einst Klassiker wie „Let It Bleed“ (1969) und „Exile on Main St.“ (1972). Für das 25. Stones-Album stand erneut Topproduzent Andrew Watt an den Reglern. Der 35-Jährige produzierte auch Paul McCartneys jüngstes Album „The Boys of Dungeon Lane“. McCartney gastiert auf „Foreign Tongues“ und spielt Bass bei „Covered in You“. Watt bringe jugendliche Energie, Begeisterung und musikalisches Know-how mit, schwärmte Wood. „Er kann das, was er sagt, auch musikalisch untermauern. Er kann ein wenig singen und ein paar Instrumente spielen. Er weiß also, wovon er spricht – deshalb hören wir auf ihn.“

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Gute Stimmung im Studio und die Rolle von Steve Jordan

Nach dem Tod von Charlie Watts ist „Foreign Tongues“ das zweite Album mit Schlagzeuger Steve Jordan, der den Songs mit druckvollem Spiel Wucht verleiht. „Steve ist wie eine Explosion“, fand Wood. „Er führt Charlies Vermächtnis weiter, nur mit einem noch explosiveren Beat.“ Ein Video aus dem Studio zeigt Jagger mit Jordan beim Tanzen – nicht nur zum Spaß. „Steve und ich müssen völlig im selben Takt sein, so wie ich das früher mit Charlie war“, erklärte der Sänger. „Deshalb machen wir das – damit ich spüren kann: Ist das der richtige Groove für diesen Song? Du siehst mich im Studio tanzen, aber eigentlich arbeite ich.“

Die gute Stimmung im Studio ist spürbar. „Wir können jahrelang nichts voneinander hören und dann – Bumm – kommen wir wieder zusammen, und die alte Energie ist sofort wieder da, sogar noch stärker als früher“, bestätigte Ronnie Wood, der seit 50 Jahren festes Bandmitglied ist. Und Jagger sagte: „Es macht immer noch Spaß.“

Nach über 60 Jahren Bandgeschichte klingen die Rolling Stones auf „Foreign Tongues“ verblüffend frisch. Das Album ist kein Nostalgie-Trip, sondern ein zeitlos gutes Rock'n'Roll-Album.