Der Skandal um rassistische Beleidigungen gegen den französischen Fußballstar Kylian Mbappé eskaliert weiter. Der französische Fußballverband (FFF) kündigte an, juristisch gegen die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla de Boccia vorzugehen. In einem offiziellen Statement bezeichnete der Verband ihre Äußerungen als „verabscheuungswürdig und inakzeptabel“ und kündigte eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft an.
Hintergrund des Eklats
Auslöser war das WM-Achtelfinale zwischen Paraguay und Frankreich am Samstag in Philadelphia, das Frankreich mit 1:0 gewann. Während des Spiels wurde Mbappé wiederholt hart attackiert, unter anderem von Paraguays Matias Galarza. Nach dem Spiel verweigerte Mbappé dem paraguayischen Torwart Orlando Gill den Handschlag und feierte mit einer provokanten Geste. Daraufhin veröffentlichte Amarilla de Boccia auf sozialen Medien eine Reihe von beleidigenden Kommentaren, in denen sie Mbappé unter anderem als „Trottel“ bezeichnete, der „nicht mal schreiben gelernt“ habe. Sie schrieb: „Statt Muttermilch hat er Kokosnüsse ausgesaugt, und das Gebildetste, was er je gehört hat, waren Schimpansen. Hättest du ihm doch den Mittelfinger gezeigt, Orlando Gill. Ich mache das im Senat auch, und da passiert überhaupt nichts!!!“
Reaktionen aus Frankreich
FFF-Präsident Philippe Diallo reagierte umgehend auf die Vorfälle. „Ich sichere unserem Kapitän, den Spielern und ganz allgemein allen Opfern solch abscheulicher Äußerungen meine volle Unterstützung zu“, schrieb er auf X. „Die Spieler der französischen Nationalmannschaft repräsentieren Frankreich. Es ist unser Land, das hier beleidigt wird.“ Er bezeichnete die Aussagen als „strafbar“ und „verwerflich“. Auch Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron meldete sich zu Wort: „Ein weiteres Tor für Kylian Mbappé. Diesmal gegen Rassismus“, postete er. „Ich unterstütze ihn voll und ganz. Wenn Worte verletzen, setzen unsere Werte ein Zeichen: Würde, Respekt, Brüderlichkeit.“ Sportministerin Marina Ferrari zeigte sich empört: Indem Amarilla de Boccia Mbappé angreife, greife sie alles an, „was unser Kapitän verkörpert, und alles, wofür unser Land eintritt: die Freiheit, die Gleichheit und die Brüderlichkeit“.
Mbappés Antwort
Mbappé selbst reagierte mit deutlichen Worten auf die Beleidigungen. „Sie sind eine verachtenswerte Frau und unwürdig Ihres Amtes“, schrieb der Stürmer von Real Madrid auf X. Sie vertrete nicht das Paraguay, das während der WM „von Leidenschaft und Ehre durchdrungen“ gewesen sei. Er werde Menschen wie Amarilla de Boccia „niemals die Freiheit lassen, ihren Hass und ihren Rassismus in der Welt zu verbreiten“.
Senatorin rudert zurück und greift erneut an
Nach der öffentlichen Empörung veröffentlichte Amarilla de Boccia einen Brief, in dem sie Teile ihrer Aussagen bedauerte. „Schon nach kurzer Zeit bereute ich es, dich mit denselben Beleidigungen beschimpft zu haben, die ich selbst zu hören bekomme“, schrieb sie. Auch sie werde als Latina und wegen ihrer Hautfarbe angegangen. Allerdings forderte sie zugleich eine Entschuldigung von Mbappé und warf ihm geschlechtsspezifische Gewalt in seinen Äußerungen vor. Sie drohte ebenfalls mit rechtlichen Schritten, sollte er seine Aussagen nicht zurücknehmen. In ihrer ursprünglichen Tirade hatte sie Mbappé unter anderem als „kolonisierten Kameruner“ bezeichnet, der den harten Franzosen spiele, „voller Minderwertigkeitskomplexe, neureich, arrogant und hässlich“.
Ausblick
Der französische Verband bleibt bei seiner Linie und wird die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft einreichen. Der Fall zeigt die anhaltende Problematik von Rassismus im Fußball und die zunehmende Bereitschaft von Verbänden und Politik, dagegen vorzugehen. Mbappé, der bereits mehrfach Opfer rassistischer Angriffe wurde, erhält breite Unterstützung aus der französischen Politik und Gesellschaft.



