Die Nato hat am Rande ihres Gipfeltreffens in Ankara milliardenschwere Rüstungsdeals angekündigt. Besonders brisant ist die Entscheidung, die in Deutschland stationierte Flotte von Awacs-Aufklärungsflugzeugen nicht wie ursprünglich geplant durch US-Maschinen zu ersetzen. Stattdessen setzt das Bündnis künftig auf Flugzeuge des kanadischen Herstellers Bombardier, die mit dem Aufklärungs- und Frühwarnsystem GlobalEye des schwedischen Rüstungskonzerns Saab ausgestattet werden.
Nato-Generalsekretär Rutte verkündet Wechsel zu Bombardier und Saab
Nato-Generalsekretär Mark Rutte erklärte am Rande des Gipfels, dass die Bestellung bis zu zehn Flugzeuge umfassen werde. GlobalEye ermögliche die gleichzeitige Überwachung des Luftraums, des Seeraums und des Bodens von einer einzigen Plattform aus und verschaffe den militärischen Befehlshabern ein umfassendes Lagebild, so Rutte. Das System könne unter anderem Drohnenschwärme, ballistische Raketen und Marschflugkörper aufspüren, verfolgen und identifizieren. Es wird auf Flugzeuge des Typs Bombardier Global 6000 oder Global 6500 installiert.
Ursprünglich waren US-Flugzeuge vom Typ Boeing E-7A Wedgetail geplant
Ursprünglich hatte die Nato US-Maschinen vom Typ Boeing E-7A Wedgetail bestellen wollen. Dieses Vorhaben wurde allerdings aufgegeben, nachdem die US-Regierung im vergangenen Sommer ihren Ausstieg aus dem Programm angekündigt hatte. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte bereits im September gesagt, dass nach der geplanten Ausmusterung der Awacs für Deutschland auch das GlobalEye-System von Saab in Betracht komme. Deutschland wird nach dem Rückzug der USA voraussichtlich den größten Anteil der Kosten in Höhe von mehreren Milliarden Euro übernehmen. Laut Nato-Kreisen ist es denkbar, dass Boeing später doch noch einen Auftrag erhält; es habe zuletzt wieder Gespräche gegeben.
Die bisherigen Awacs-Flugzeuge sind rund 40 Jahre alt
Bislang sind rund vier Jahrzehnte alte Flugzeuge vom Typ Boeing 707 Basis für das fliegende Radarsystem der Nato, das auch unter dem Namen Awacs (Airborne Early Warning and Control System) bekannt ist. Die Maschinen werden derzeit vor allem zur Überwachung des Luftraums im östlichen Europa eingesetzt. Hauptstützpunkt der Flotte ist der Nato-Flugplatz Geilenkirchen bei Aachen. Die Flotte besteht derzeit aus 14 Maschinen und war bislang an allen großen Nato-Einsätzen beteiligt, darunter der Kampf gegen den Terrorismus und der Kosovokrieg.
Leistungsfähigkeit der Awacs und Ausblick
Die Awacs sind mit ihrem pilzförmigen Radaraufbau in der Lage, andere Luftfahrzeuge in mehr als 400 Kilometern Entfernung zu orten und zu identifizieren. Die gewonnenen Informationen können über Datenlinks in nahezu Echtzeit an Kräfte am Boden, auf See oder in der Luft weitergegeben werden. Damit können sie auch als fliegende Gefechtsleitstände eingesetzt werden. Rutte sagte bei der Ankündigung, die Awacs seien jahrzehntelang die Augen des Bündnisses im Himmel gewesen. Mittlerweile erreichten sie jedoch das Ende ihrer Nutzungsdauer.



