Münchner Traditionsmetzger: Wir sind eine aussterbende Rasse
Münchner Traditionsmetzger schlägt Alarm

Seit 35 Jahren steht Andreas Gaßner hinter der Theke seines Metzgerladens im Münchner Schlachthofviertel. Doch der 58-Jährige schlägt Alarm: „Wir sind eine aussterbende Rasse.“ Im Gespräch mit der AZ erzählt er, was er an seinem Beruf liebt, warum ihn kaum einer mehr ausüben will und wie sich das Viertel verändert hat.

Die Leidenschaft für das Handwerk

Andreas Gaßner ist mit Leib und Seele Metzger. Schon als Jugendlicher wusste er, dass er diesen Beruf ergreifen will. „Ich liebe den Umgang mit Fleisch, die handwerkliche Arbeit und die traditionellen Rezepte“, sagt er. Besonders stolz ist er auf seine hausgemachten Würste und den selbst gepökelten Schinken. „Das ist echtes Handwerk, das man heute kaum noch findet.“

Wenige wollen den Job machen

Doch der Nachwuchs fehlt. „Die jungen Leute haben kein Interesse mehr an diesem Beruf. Sie wollen lieber im Büro sitzen oder studieren“, bedauert Gaßner. Dabei biete der Beruf viele Vorteile: „Man arbeitet mit Lebensmitteln, hat direkten Kontakt zu den Kunden und kann kreativ sein.“ Trotzdem findet er kaum Azubis. Die Arbeitszeiten sind lang, der Lohn nicht besonders hoch und die Arbeit körperlich anstrengend. „Viele haben auch ein falsches Bild von unserem Beruf. Sie denken, wir würden nur Tiere töten, aber das ist nur ein kleiner Teil.“

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Veränderungen im Schlachthofviertel

Auch das Schlachthofviertel hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Früher war es das Zentrum der Münchner Fleischverarbeitung, heute mischt sich Industrie mit Wohnungen und Gastronomie. „Früher kannte man hier jeden, heute kommen viele neue Gesichter“, erzählt Gaßner. Die Mieten steigen, alteingesessene Betriebe verschwinden. „Viele Metzger haben aufgegeben, weil sie die Kosten nicht mehr stemmen können.“

Ein Aufruf an die Politik

Gaßner appelliert an die Politik, das Metzgerhandwerk zu unterstützen. „Wir brauchen mehr Wertschätzung und bessere Rahmenbedingungen. Das fängt bei der Ausbildung an und hört bei der Steuerlast auf.“ Er wünscht sich, dass die Menschen wieder mehr regionales Fleisch kaufen und die Arbeit der Metzger schätzen. „Wenn sich nichts ändert, wird es in ein paar Jahren kaum noch traditionelle Metzgereien geben.“

Trotz aller Schwierigkeiten gibt Gaßner nicht auf. Er will weitermachen, solange es geht. „Ich hoffe, dass sich doch noch junge Leute finden, die diesen wunderbaren Beruf ergreifen. Es wäre schade, wenn dieses Handwerk ausstirbt.“

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