Samsung Electronics hat im zweiten Quartal 2025 einen operativen Gewinn von 89,4 Billionen Won (rund 51 Milliarden Euro) erzielt – ein Rekordwert in der Unternehmensgeschichte. Das entspricht einer Steigerung von über 1.800 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dennoch brach die Samsung-Aktie am Dienstag um knapp 7 Prozent ein, zeitweise sogar um rund 10 Prozent.
Rekordgewinne trotz Marktskepsis
Der operative Gewinn für das zweite Quartal übertrifft den gesamten Jahresgewinn 2025 von 43,6 Billionen Won deutlich. Samsung weist den Nettogewinn wie üblich nicht separat aus. Treiber der Gewinnexplosion ist der anhaltende KI-Boom: Die weltweite Nachfrage nach Rechenzentren und leistungsstarken Prozessoren treibt die Halbleiterpreise in die Höhe. Samsung als Marktführer bei Speicherchips profitiert überproportional.
Laut Marktexperten war der Rekordgewinn bereits weitgehend in den Aktienkursen eingepreist. Viele Investoren verkauften ihre Anteile, um Gewinne zu sichern. Zudem wachsen die Zweifel, ob die KI-Investitionen das derzeitige Tempo halten können. Ökonomen sprechen vom ersten ernsthaften KI-Stresstest: Trotz hervorragender Geschäftszahlen zeigen sich die Märkte enttäuscht, da führende KI-Unternehmen noch keine nachhaltigen Geschäftsmodelle vorweisen können.
Wettbewerbsdruck und Investitionsoffensive
Zusätzlichen Druck erhält Samsung durch den Konkurrenten SK Hynix, der sich früh auf HBM-Chips (High Bandwidth Memory) spezialisiert hat und inzwischen Hauptzulieferer für Nvidia ist. Im Juni hatte SK Hynix Samsung kurzzeitig als wertvollstes Unternehmen Südkoreas abgelöst. Samsung führt die Rangliste inzwischen wieder an.
Die Investitionsausgaben beider Unternehmen sind enorm. Ende Juni stellte Präsident Lee Jae Myung das größte industriepolitische Projekt der südkoreanischen Geschichte vor: ein Halbleiter-Ökosystem im Südwesten des Landes, das rund 450 Milliarden Euro umfassen soll und mehrheitlich von Samsung und SK Hynix getragen wird.
Verteilungsdebatte und gesellschaftliche Folgen
Die Rekordgewinne lösen in Südkorea eine öffentliche Verteilungsdebatte aus. Ende Mai einigte sich die Samsung-Gewerkschaft mit dem Management auf Jahresprämien von mehreren Hunderttausend Euro für Mitarbeiter der Halbleitersparte. Präsident Lee hatte die Forderungen zuvor als „exzessiv“ kritisiert.
Während die Tech-Branche boomt, steigt die Arbeitslosigkeit unter unter 30-Jährigen. Zudem wächst die Sorge, dass der KI-Boom Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe vernichten könnte. Die aktuellen Geschäftszahlen von Samsung sind eine erste Schätzung; genauere Zahlen werden voraussichtlich Ende des Monats veröffentlicht.



