Der Münchner Softwareentwickler Nagarro steht vor einer Übernahme durch den indischen Rivalen Persistent Systems. Das Unternehmen mit Sitz in Puna (Indien) bietet 1,05 Milliarden Euro für Nagarro und hat sich bereits mehr als 20 Prozent der Anteile von dessen Großaktionär, der Familie Dürschmidt, gesichert. Dies teilten beide Unternehmen am späten Freitagabend mit.
Bewertung und Finanzierung
Inklusive Schulden wird Nagarro mit 1,36 Milliarden Euro bewertet, wie eine Sprecherin von Persistent erklärte. Die Übernahme kommt jedoch nur zustande, wenn Persistent mehr als 50 Prozent der Anteile erwirbt. Anschließend soll das im SDax notierte Unternehmen von der Börse genommen werden. Das Angebot liegt bei 81 Euro je Nagarro-Aktie – dem Doppelten des Xetra-Schlusskurses vom Freitag, an dem die Papiere bereits um knapp 20 Prozent auf 40,44 Euro gestiegen waren. Medienberichte über eine bevorstehende Übernahme hatte es zuvor nicht gegeben.
Unterstützung durch Vorstand und Aufsichtsrat
Der Nagarro-Vorstand um Manas Human, der selbst aus Indien stammt, begrüßte das Angebot. „Wesentliches Ziel der Transaktion ist es, das Wachstum und die Wettbewerbsposition der Nagarro-Gruppe durch einen verbesserten Kundenzugang, breitere Lieferpräsenz, erweiterte Kapazitäten und verbesserte globale Umsetzungsstärke zu beschleunigen“, hieß es in der Mitteilung. Nagarro-Aufsichtsratschef Christian Bacherl erklärte: „In Persistent haben wir einen Partner mit denselben Werten und Überzeugungen sowie komplementären Stärken gefunden: ein Unternehmen mit echter KI- und Engineering-Kompetenz, der Reichweite, um Nagarros Ambitionen zu beschleunigen, und einer Unternehmenskultur, die Vertrauen schafft.“
Geschäftsbereiche und Mitarbeiter
Beide Unternehmen entwickeln Software im Auftrag ihrer Kunden, auch mit KI-Unterstützung. Während Persistent vor allem in Asien und Nordamerika aktiv ist, hat Nagarro seinen Schwerpunkt in Europa. Von den rund 18.000 Nagarro-Mitarbeitern arbeitet der größte Teil in Asien, nur 3000 in Europa. Gemeinsam erzielen Persistent und Nagarro einen Umsatz von umgerechnet 2,9 Milliarden Dollar und beschäftigen 46.000 Menschen.
Finanzierung durch Barclays-Kredit
Persistent-Gründer und Aufsichtsratschef Anand Deshpande betonte: „KI verändert unsere Branche in einem beispiellosen Tempo. Gemeinsam werden Persistent und Nagarro noch besser aufgestellt sein.“ Die Finanzierung der Übernahme erfolgt zunächst über einen Kredit der britischen Investmentbank Barclays. Persistent wird an der indischen Börse mit umgerechnet sieben Milliarden Euro bewertet.
Hintergrund: Abspaltung von Allgeier
Nagarro war Ende 2020 von der börsennotierten Münchner IT-Firma Allgeier abgespalten und an die Börse gebracht worden. Allgeier-Aufsichtsratschef Carl Georg Dürschmidt und seine Familie hielten zuletzt gut 20 Prozent der Anteile an der ehemaligen Tochter. Mindestens weitere zwölf Prozent liegen bei Nagarro-Managern, die ihre Anteile ebenfalls an Persistent verkaufen wollen. Noch Anfang 2025 hatte Nagarro einem Verkauf an den Finanzinvestor Warburg Pincus eine Absage erteilt und auf Eigenständigkeit gepocht.



