Die Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Steffen Merkel und Marc Lenz, haben die finanzielle Entwicklung des europäischen Fußballs scharf kritisiert. In einem Interview mit dem Fachmagazin „Kicker“ bezeichneten sie den Weg anderer Top-Ligen als „Irrweg“. Diese Ligen seien in hohem Maße von externen Geldgebern abhängig, was zu einer gefährlichen Schieflage führe.
Investorengelder im Ausland „verbrannt“
„Der europäische Fußball ist finanziell auf einem Irrweg, da hohe Kaderkosten in vielen Ligen nicht durch Umsätze finanziert sind und durch Investoren oder Fremdkapital gedeckt werden müssen“, erklärte Marc Lenz. Der 40-jährige DFL-Chef betonte, dass das Geld im Ausland „zu großen Teilen vielfach verbrannt und nicht sinnvoll eingesetzt“ worden sei. Die Bundesliga sei glücklicherweise nicht von solchen Kapitalspritzen abhängig. „Anders als andere Ligen sind wir von diesem Kapital nicht abhängig“, so Lenz, der gemeinsam mit Steffen Merkel die Geschicke der DFL lenkt.
50+1-Regel als Schutzschild
Im deutschen Profifußball gilt die 50+1-Regel, die sicherstellt, dass die Vereinsmitglieder die Stimmenmehrheit behalten. Externe Investoren haben dadurch nur begrenzten Einfluss. Diese Regelung hat sich nach Ansicht der DFL-Spitze bewährt. Zwischen 2014 und 2024 flossen in den europäischen Spitzenligen mehr als 15 Milliarden Euro an Eigenkapital-Zuwendungen. Die DFL-Führung sieht darin eine Bestätigung des eigenen Weges.
Premier League nicht glorifizieren
Lenz äußerte sich auch zur englischen Premier League, die oft als Vorbild genannt wird. „Man schätze die englische Premier League und die Kollegen dort sehr, man brauche diese Liga aber nicht zu glorifizieren“, sagte er. Die wirtschaftliche Stärke habe sich in den vergangenen Jahren nur bedingt in sportliche Erfolge umgesetzt. Zudem wiesen die englischen Clubs signifikante operative Defizite von zuletzt 1,8 Milliarden Euro in der Saison 2024/25 aus, verbunden mit einer hohen Abhängigkeit von Investoren. „Wir gehen einen anderen, gesünderen Weg“, betonte Lenz.
Kapitalbedarf für Nachwuchs und Infrastruktur
Trotz der Kritik an der Investorenabhängigkeit anderer Ligen räumten Merkel und Lenz ein, dass auch der deutsche Fußball Kapital benötigt. Dieses sei jedoch nicht für teure Spielertransfers gedacht, sondern für langfristige Investitionen. „Wir brauchen Kapital für Investitionen in Strukturen, unter anderem die Nachwuchsförderung und Infrastruktur wie Stadien und Leistungszentren“, so die DFL-Bosse. Diese Investitionen seien entscheidend für die künftige Wettbewerbsfähigkeit. „Da brauchen wir ein Umdenken – es geht eben nicht um den nächsten Stürmer, sondern unsere perspektivische Ausrichtung“, erklärten sie abschließend.



