Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) sucht im Kampf um eine Zukunft für den insolventen Automobilzulieferer Bohai den Kontakt mit dem VW-Vorstand. Er habe dazu bereits mit der Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, gesprochen, sagte Schulze der Deutschen Presse-Agentur. „Ich möchte jetzt einen Termin beim Vorstand von Volkswagen haben, um gemeinsam nochmal die Situation in Harzgerode zu besprechen.“
Hunderte Arbeitsplätze in Gefahr
Bohai Trimet stellt Aluminium-Gussteile für die Automobilindustrie her, dort arbeiten knapp 700 Beschäftigte. Von dem Aus des Unternehmens könnten laut dem Insolvenzverwalter aber auch weitere Arbeitsplätze bei Unternehmen in der Region betroffen sein, die wirtschaftlich mit Bohai verbunden sind. Ende vergangener Woche habe ein Hauptauftraggeber angekündigt, dass wesentliche, bislang in Harzgerode und dem thüringischen Sömmerda gefertigte Teile ab Herbst abgezogen würden, hieß es.
Schulzes Netzwerk als Trumpf
Schulze hatte zuletzt immer wieder deutlich gemacht, dass es in der Wirtschaftspolitik derzeit nicht nur darum geht, neue Unternehmen ins Land zu holen, sondern auch bestehende Arbeitsplätze zu erhalten. Mit Blick auf die nahende Landtagswahl im September und das Duell mit AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hob Schulze die Vorteile seines Netzwerks hervor. „Solche Kontakte habe ich. Das ist der Unterschied zu meinem härtesten Wettbewerber, der völlig blank ist in solchen Situationen und keinerlei Möglichkeiten hätte, außer vielleicht auf irgendjemanden zu schimpfen“, so Schulze.
Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt bemüht sich bereits seit Wochen um eine Rettung des Standorts. Neben Gesprächen mit Volkswagen setzt Schulze auch auf andere potenzielle Investoren. Die Insolvenz von Bohai Trimet und der Schlote-Gruppe bedroht die gesamte Region Harz, die stark von der Automobilzulieferindustrie abhängt. Ein Wegfall der Arbeitsplätze hätte gravierende Folgen für die lokale Wirtschaft und die Beschäftigten.



