Adidas-Schuh unter 100 Gramm: Sawe läuft Marathon-Weltrekord
Adidas-Schuh unter 100 Gramm: Sawe läuft Rekord

Jahrelang haben Athleten und Sportartikelhersteller darum gekämpft, die Zwei-Stunden-Marke beim Marathon zu knacken. Sabastian Sawe (31) ist es nun in einem Adidas-Schuh gelungen. Tatsächlich hat sich die Entwicklung der Schuhe im letzten Jahrzehnt extrem beschleunigt, vor allem durch den Einsatz von Carbon und speziellem Schaum.

Der Schuh, der Geschichte schrieb

Wie genau Adidas den Schuh (rund zwei Jahre Entwicklung) gebaut hat, ist natürlich ein Geheimnis. Für jeden Laien aber nicht zu verkennen: Selten gab es so wenig Schuh für so viel Geld. Er wiegt weniger als 100 Gramm, kostet stolze 500 Euro. Und man merkt beim ersten Schritt, dass dieser Schuh etwas ganz anderes ist als ein „normaler“ Laufschuh. Beim Auftreten ist er überraschend weich, man versinkt fast ein wenig in der dicken Sohle (knapp 4 Zentimeter). Um dann allerdings fast katapultartig wieder herausgehoben zu werden. Das steife Carbon verläuft wie ein Rahmen am Rand des Schuhs. Unterm Vorfuß ist nur Schaum.

Technische Innovationen im Detail

Charlotte Heidmann, Category Director adidas Running, erklärte gegenüber BILD: „Wir haben 11 Prozent mehr Energy Return, also quasi 11 Prozent mehr Energie, die der Schuh dem Athleten während des Rennens zurückgibt. Ein weiterer wichtiger Faktor für unsere Athleten ist die Running Economy. Da haben wir 1,6 Prozent mehr als davor.“ Der Schuh soll also nicht nur schnell sein, sondern die Muskulatur auch so wenig wie möglich ermüden. Sawe konnte das Tempo in London in der zweiten Hälfte des Marathons noch mal deutlich steigern, was ihm seine Rekordzeit von 1:59:30 Stunden sicherte.

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Natürlich spielt auch das Gewicht eine Rolle. Im Vergleich zum Vorgängerschuh wurden etwa 40 Gramm eingespart, am meisten beim Schaum in der Sohle. Die Schnürsenkel sind leicht elastisch, um sie kürzer machen zu können, beim Obermaterial hat man sich auch von Kitesurf-Schirmen inspirieren lassen. Heidmann: „Unser großes Ziel war ein Racing-Schuh unter 100 Gramm, der trotzdem immer noch besser performt als die anderen. Einen Schuh unter 100 Gramm zu bauen, ist nicht so schwer. Aber er muss ja gleichzeitig für unsere Athleten so funktionieren, dass sie am Ende den Rekord laufen können.“

Ist der Schuh auch etwas für Hobbyläufer?

Ob sich jetzt jeder Hobby-Marathonläufer für 500 Euro eine neue Bestzeit kaufen kann? Fraglich! Es ist eher eine Rennmaschine für Profis. Heidmann: „Für jemanden, der den Marathon in 2:30 Stunden, höchstens 3 Stunden läuft. Gerade, weil diese Läufer auf dem Vorfuß laufen und so wirklich den kompletten Benefit rausholen.“

Für alle anderen ist es zwar auch mal ein Erlebnis, den Schuh zu testen. Besser aufgehoben ist man dann aber woanders. Man fühlt beim Rennen schon: Je höher das Tempo, desto stabiler wirkt der Schuh. Wer müde wird und gemütlich über die Ferse abrollt, droht schnell nach innen und außen zu knicken. Schlecht für die Gelenke – und auch für die Zeit.

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