Fußball-WM: Psychologe warnt vor steigender Sportwetten-Sucht
WM steigert Suchtgefahr bei Sportwetten – Experte rät zu Hilfe

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 treibt die Nachfrage nach Sportwetten in die Höhe – und mit ihr das Risiko für Spielsucht. Der Psychologe Dr. Tobias Hayer, Leiter der Glücksspielforschung an der Universität Bremen, warnt vor den Gefahren der allgegenwärtigen Werbung und zeigt Auswege aus dem Teufelskreis auf.

Werbung senkt Hemmschwelle – besonders bei jungen Männern

Während der WM flimmern ständig Spots von Wettanbietern über die Bildschirme. Ein aktueller Werbespot suggeriert: „Glaub dran und es wird wahr“ – ein gefährlicher Eindruck, wie Hayer kritisiert. „Die Werbung vermittelt das Bild, dass Wetten zum Sport dazugehört“, sagt der Experte. Besonders junge Menschen würden so erstmals mit Sportwetten in Kontakt kommen. Dabei handle es sich um eine der riskantesten Glücksspielformen. Laut dem Glücksspiel-Survey 2025 erfüllt etwa jede vierte Person, die an einer Live-Wette teilgenommen hat, die Kriterien einer Glücksspielsucht.

Um neue Kunden zu ködern, locken Anbieter mit Boni oder kostenlosem Guthaben. Zudem werde oft fälschlich suggeriert, dass Sportfans aufgrund ihrer Expertise besonders gute Gewinnchancen hätten. „Das stimmt nicht – Sportwetten bleiben Glücksspiel“, betont Hayer. Die Werbung ziele vor allem auf junge Männer ab, bei denen das Risiko einer Abhängigkeit besonders hoch sei.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Online-Wetten erhöhen Suchtpotenzial massiv

Der typische Sportwettenabhängige ist laut Hayer „jung und männlich“. Junge Menschen neigten dazu, Grenzen auszutesten und sich von riskantem Glücksspiel angezogen zu fühlen. Männer wetteten häufiger als Frauen, weil Sport – insbesondere Fußball – noch immer als männliches Hobby gelte und Männer eher kompetitives Verhalten zeigten. „Eine sportwettensüchtige Frau ist die Ausnahme“, so der Psychologe.

Der Sportwettenmarkt hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten fundamental verändert. Vor dem Jahr 2000 war das Angebot überschaubar – etwa das klassische Toto. Mit dem Internet zogen Wetten ins Netz, und heute dominieren Live-Wetten, die per App auf dem Smartphone platziert werden. „Das ist die höchstmögliche Form von Verfügbarkeit“, sagt Hayer. Sinke der Aufwand, sinke auch die Hemmschwelle. Zudem gehe beim bargeldlosen Bezahlen das Gefühl für Geld verloren, und das Wetten per Smartphone lasse sich leichter verheimlichen als der Gang zum Wettbüro. All diese Faktoren trieben die Beliebtheit von Online-Wetten an und setzten junge Männer verstärkt Suchtgefahren aus.

Hilfe für Betroffene und Angehörige – OASIS-Sperre und Beratung

Wie können Angehörige problematisches Spielverhalten erkennen? „Sie können das von außen nicht erkennen“, erklärt Hayer. Betroffene verheimlichten ihr Verhalten oft aus Scham oder Schuldgefühlen. Eine „krankhafte Leugnung“ sei typisch. „Wenn Warnsignale sichtbar werden, ist die Krankheit schon manifest“, warnt der Experte.

Trotzdem gibt es wirksame Hilfsangebote. Süchtige können sich über das Tool „OASIS“ („Onlineabfrage Spielerstatus“) für Sportwetten und andere Glücksspiele sperren lassen. Sind die Daten hinterlegt, ist eine Anmeldung bei legalen Wettanbietern nicht mehr möglich. Hayer empfiehlt zudem den Gang zu einer Suchtberatung, die oft der erste Schritt zu einer ambulanten oder stationären Therapie sei. Nach einer Therapie könnten Selbsthilfegruppen Rückfälle verhindern. Auch Angehörigen rät er, sich Hilfe zu suchen – etwa über Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen.

Beratungsstellen und Notrufnummern

Wer selbst oder als Angehöriger Hilfe sucht, kann sich an folgende Stellen wenden: Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) listet auf ihrer Website regionale Beratungsstellen und Fachkliniken (www.dhs.de). Die Sucht & Drogen Hotline ist rund um die Uhr unter der kostenlosen Rufnummer 01806 313031 erreichbar. Eine anonyme Online-Beratung bietet der Fachverband Sucht über sein Portal. Zudem bieten Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker oder Narcotics Anonymous regelmäßige Treffen. Auch Hausärzte, Gesundheitsämter und psychiatrische Kliniken können weiterhelfen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration