Rentenreform: Wirtschaft lobt, Gewerkschaften kritisieren scharf
Rentenreform: Lob von Wirtschaft, Kritik von Gewerkschaften

Die Reformvorschläge der Rentenkommission zur Alterssicherung haben in der deutschen Wirtschaft ein geteiltes Echo ausgelöst. Während Wirtschaftsverbände wie die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) die Pläne als überfällig loben, üben Gewerkschaften wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di) scharfe Kritik, insbesondere an der geplanten Streichung der Frührente für langjährig Versicherte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angekündigt, die Vorschläge vollständig umsetzen zu wollen.

Wirtschaftsverbände begrüßen Reform als überfällig

Der Präsident der DIHK, Peter Adrian, bezeichnete die Vorschläge als „wichtige Schritte auf dem Weg zu einer überfälligen Reform unseres Rentensystems“. Die Wirtschaft leiste einen enormen Beitrag zur Alterssicherung und sei daher auf ein tragfähiges System angewiesen, das den Standort stabilisiere. „Für ein nachhaltig finanziertes Rentensystem brauchen wir aber nicht nur isolierte Reformschritte, sondern auch eine Wirtschaft, die wieder auf den Wachstumspfad kommt“, sagte Adrian. „Beides gehört zusammen.“

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) bewertet die Empfehlungen als fundierten Beitrag für eine dringend notwendige Strukturreform. Sie hätten das Potenzial, die hohen Kosten langfristig zu begrenzen und die Rentenversicherung für die Zukunft verlässlich aufzustellen. „Die Rentenkommission setzt wichtige Impulse und zeigt der Politik eine klare Richtung: Deutschland braucht eine Abkehr von immer höheren Beiträgen hin zu einer transparenten, generationengerechten und langfristig tragfähigen Gesamtstrategie“, sagte BVR-Präsidentin Marija Kolak. Dazu gehörten eine stabile gesetzliche Rente, eine leistungsfähige betriebliche Vorsorge und die konsequente Umsetzung der bereits beschlossenen Reform der privaten Altersvorsorge.

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Gewerkschaften kritisieren Abschaffung der Frührente

Scharfe Kritik kommt vom DGB und Ver.di. DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi erklärte: „Die Abschaffung der Rente nach 45 Beitragsjahren ist aus Sicht des DGB falsch. Rentenpolitik ist eben nicht nur Mathematik – sie ist auch eine Frage der Gerechtigkeit.“ Die Bundesregierung müsse die Lebensleistung der Menschen anerkennen. Wer durchschnittlich mehr als zehn Jahre länger Beiträge gezahlt habe, müsse auch zwei Jahre früher in Rente gehen dürfen. Viele schafften es schon heute nicht, gesund bis zum Renteneintritt zu arbeiten. „Daher ist es falsch, das Rentenalter pauschal zu erhöhen und den Renteneintritt an die Lebenserwartung zu koppeln – denn das geht an der Realität viel zu vieler Menschen vorbei“, fügte Fahimi hinzu. Immerhin sei die langsamere Anhebung des Rentenalters ein kleiner Lichtblick.

Ver.di-Vorsitzender Frank Werneke betonte: „Wer 45 Jahre seinen Buckel krumm gemacht hat, muss ein Recht darauf haben, abschlagsfrei früher in Rente gehen zu können.“ Auch der vorzeitige Renteneintritt für langjährig Versicherte mit 35 und mehr Beitragsjahren sei wichtig. „Abertausende Menschen, ob in der Pflege, der Paketzustellung, der Abfallwirtschaft oder anderswo, können schlicht aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiterarbeiten und müssen häufig vorzeitig in Rente gehen“, sagte Werneke. „Die Lebensleistung dieser Menschen abzuwerten, ist nicht akzeptabel.“

DIHK sieht Fachkräftemangel als Argument für Reform

Die DIHK sieht dagegen in einem Stopp der Frühverrentung ein wichtiges Signal zur Bekämpfung des Fachkräftemangels. „Hier geht es jedes Jahr um 250.000 Menschen, die dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben“, sagte Adrian. „Das entlastet alle Beitrags- und Einzahler zugleich immerhin um zehn Milliarden Euro jährlich.“ Sinnvoll seien die vorgeschlagenen Verbesserungen, um Härtefälle abzufedern. So bleibe die Reform sozial verantwortbar und ökonomisch konsequent.

Positive Aspekte aus Gewerkschaftssicht

Das Gewerkschaftslager kann den Vorschlägen der Rentenkommission auch positive Seiten abgewinnen. Gelobt wird der Vorschlag, Minijobs weitgehend abzuschaffen beziehungsweise deren Sonderbehandlung zu beenden. Diese Erwerbsform führe etwa im Handel millionenfach zu Altersarmut, betonte Ver.di. Richtig sei zudem der Vorschlag, Abgeordnete, Selbstständige und auch Vorstände von Aktiengesellschaften in die gesetzliche Rente einzubeziehen.

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