2026 könnte als das Jahr der Flugangst in die Geschichte eingehen – nicht der Angst vor dem Fliegen, sondern der Angst um das Fliegen. Steigende Preise und drohender Kerosinmangel verunsichern Reisende. Hinzu kommen Tarifkonflikte bei der Lufthansa: Allein im April fielen tausende Flüge durch Streiks aus, Hunderttausende Passagiere mussten umplanen. Wie Sie trotzdem entspannt verreisen können, zeigt dieser Ratgeber.
Schutz durch Informationen
Bevor Sie buchen, sollten Sie prüfen, ob der Flug wirklich nötig ist. Vermiedene Flugkilometer sparen Geld und schonen das Klima. Die Internationale Energieagentur (IEA) empfiehlt, Flüge 2026 kritisch zu hinterfragen. Für Strecken innerhalb Deutschlands und Europas ist die Bahn eine gute Alternative – trotz bekannter Schwächen.
Wenn ein Flug unvermeidbar ist, helfen Suchmaschinen wie Kayak, Swoodoo oder Google Flights beim Preisvergleich in Echtzeit. Airlines ändern ihre Preise ständig, um den Gewinn zu maximieren. Diese Portale führen oft direkt zu den Airlines, nicht zu Reiseportalen wie Opodo oder Weg.de, die Flüge en gros einkaufen und weiterverkaufen.
Schutz durch Verbraucherrechte
Nutzen Sie Ihre Rechte konsequent. Bei Streiks wie dem der Lufthansa haben Sie Anspruch auf alternativen Transport auf Kosten der Airline und auf Entschädigung, wenn die Annullierung nicht mindestens zwei Wochen vor Abflug mitgeteilt wurde. Die Entschädigung beträgt bei Flügen bis 1500 Kilometer 250 Euro, bis 3500 Kilometer 400 Euro und auf Langstrecken 600 Euro – sofern der Flug in der EU startet oder mit einer EU-Airline landet.
Fluggesellschaften geben anders als die Bahn oft keine Formulare für Entschädigungen heraus. Finanztip stellt einen Rechner und Musterbrief bereit. Bei Verzögerungen können Sie die Schlichtungsstelle Reise und Verkehr einschalten oder einen der sieben empfohlenen Dienstleister beauftragen, die gegen Provision das Geld eintreiben. Allein 2025 trieben diese Anbieter 260.000-mal Entschädigungen ein. Das Amtsgericht Königs Wusterhausen beschäftigt 30 Richter für 20.000 Verfahren jährlich rund um den BER; bundesweit gab es 2025 rund 121.000 solcher Verfahren.
Privilegien der Fluglinien
Fluggesellschaften und Reiseveranstalter sind rechtlich privilegiert. Bei Pauschalreisen dürfen die Preise um maximal acht Prozent steigen, bevor Sie kündigen können – anders als beim Stromanbieter. Das größte Risiko 2026 ist jedoch die Pleite einer Ferienfluglinie. Airlines kassieren oft früh das Geld, liefern die Leistung aber erst später.
Bei Pauschalreisen schützt der Reisesicherungsschein vor Verlusten bei Insolvenz des Veranstalters. Aus den Pleiten von Thomas Cook (2019) und FTI (2024) hat die Politik gelernt und einen Reisesicherungsfonds eingerichtet. Bei reinen Flugreisen tragen Sie das Risiko: Große europäische Airlines haben sich zu 80 Prozent gegen Kerosinpreissprünge abgesichert, kleinere und US-Airlines oft gar nicht. Die Pleite von Air Berlin vor zehn Jahren zeigt die Gefahr: Eine Million Fluggäste wurden zu Gläubigern und sahen ihr Geld nie wieder. Die Politik hat trotz EU-Debatten keine Vorkehrungen getroffen.
Was können Sie tun?
- Urlaubspläne prüfen: Ist der Flug wirklich nötig oder birgt er 2026 zu viele Risiken?
- Reiseziel oder Verkehrsmittel variieren: In Zentraleuropa sind Zug oder Auto gute Alternativen. Die Bahn bietet oft günstige Angebote, Jugendliche bis 14 Jahre reisen kostenlos mit. Interrail lohnt sich auch für Senioren ab 60.
- Pauschalreise buchen: Wenn Sie Flug und Hotel gemeinsam buchen, wird die Reise rechtlich zur Pauschalreise und ist durch den Reisesicherungsfonds abgesichert.
Was kann die Politik tun?
Konzernbosse beklagen fehlende Planbarkeit – doch bei der Bezahlung von Dienstleistungen geht der Trend seit Jahrzehnten in eine Richtung: Bezahlung weit vor der Leistung. Hoteliers bieten oft kostenloses Storno und Bezahlung vor Ort. Regierende sollten ähnliche Regeln für Fluggesellschaften einführen: Bezahlung erst zum Flugzeitpunkt und Stornokosten nur bei kurzfristiger Absage.
PS: Wenn Sie stornieren und die Airline den Platz neu vergibt, haben Sie Anspruch auf Rückzahlung – zumindest auf Gebühren und Steuern, die oft einen Großteil des Ticketpreises ausmachen. Mehr Rechtstreue der Airlines wäre hier wünschenswert.



