Schwedische Armee fängt zwei russische Kampfjets über der Ostsee ab
Die schwedische Armee hat eigenen Angaben zufolge an zwei Orten jeweils zwei Kampfflugzeuge vom Typ JAS 39 Gripen aufsteigen lassen, um zwei russische Kampfjets abzufangen, die über der Ostsee in die Nähe des schwedischen Luftraums geflogen waren. Die beiden Vorfälle ereigneten sich am Freitag im südlichen und nördlichen Teil der Ostsee, wie die Armee am Samstag bekannt gab. Auch Kampfflugzeuge der Nato seien gestartet, „um die Sicherheit im gemeinsamen Luftraum zu gewährleisten“, hieß es weiter.
Der schwedische Luftraum wurde nach den Angaben der Armee durch die russischen Jets nicht verletzt. „Die russischen Vorfälle sind ernst und stellen ein wiederkehrendes Verhaltensmuster dar, das sowohl unsere territoriale Integrität als auch unsere Sicherheit bedroht“, hieß es weiter. Schweden war im März 2024 der Nato beigetreten. Seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine 2022 haben die Spannungen im Ostseeraum zugenommen.
Ukrainischer Drohnenangriff auf Russland: Zwei Tote in Brjansk
Russland ist am Freitag Ziel eines massiven ukrainischen Drohnenangriffs geworden. Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete den Abschuss von 185 unbemannten Fluggeräten innerhalb von zwölf Stunden. Diese seien über rund einem Dutzend Regionen abgefangen worden, vor allem in Zentralrussland. In der Region Brjansk kam nach Angaben des dortigen Gouverneurs in einem grenznahen Dorf ein Mensch ums Leben. Eine weitere Person sei verletzt worden, teilte Jegor Kowaltschuk mit. Dem regionalen Einsatzstab zufolge wurden allein in der Region Brjansk 62 Drohnen zerstört.
Auch die Hauptstadt Moskau wurde offenbar angegriffen. Mehrere auf die Metropole zusteuernde Drohnen seien abgewehrt worden, erklärte Bürgermeister Sergej Sobjanin im Kurznachrichtendienst Telegram. Fachleute untersuchten die Trümmerteile an den Absturzstellen. Nach einer Auswertung russischer Nachrichtenagenturen wurden in Moskau 27 Drohnen zerstört.
Ukraine rechnet mit erneutem Einsatz von Russlands Oreschnik-Rakete
Die ukrainische Luftwaffe hat die Bevölkerung vor einem erneuten Einsatz der russischen ballistischen Mittelstreckenrakete Oreschnik gewarnt. Innerhalb von 24 Stunden gebe es eine hohe Wahrscheinlichkeit für den Start einer solchen Rakete vom Testgelände Kapustin Jar im russischen Gebiet Astrachan, teilte die Luftwaffe in sozialen Netzwerken mit. Luftalarme sollten ernst genommen werden, hieß es. Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte vor neuen russischen Luftangriffen. „Anstelle von Frieden wählen sie Raketen“, sagte er in einer Videoansprache. Moskau habe keine anderen Karten.
Russland hat die experimentelle Rakete nach übereinstimmenden russischen und ukrainischen Berichten seit 2024 bereits dreimal gegen die Ukraine eingesetzt. Bei den demonstrativen Einsätzen auf Ziele in Dnipro, im westukrainischen Gebiet Lwiw und auf Bila Zerkwa bei Kiew habe die Rakete aber keine realen Gefechtsköpfe getragen. Mit einer geschätzten Reichweite bis zu 6000 Kilometern kann die atomwaffenfähige Oreschnik mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit selbst Ziele in Westeuropa innerhalb von Minuten erreichen. Kyjiw verfügt über kein Mittel zur Abwehr dieser Waffe.
USA wollen Zahl der in Europa stationierten Jets drastisch reduzieren
Die USA planen einem Zeitungsbericht zufolge, die Zahl der Flugzeuge und Kriegsschiffe, die sie für Nato-Einsätze in Europa zur Verfügung stellen, um ein Drittel zu reduzieren. Dies berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf zwei hochrangige europäische Insider. Die Nato und das US-Verteidigungsministerium reagieren zunächst nicht auf Anfragen zur Stellungnahme. Der US-Plan sieht dem Bericht zufolge vor, die Zahl der F-16- und F-15E-Kampfflugzeuge von rund 150 auf 100 zu reduzieren, die Zahl der Seeaufklärungsflugzeuge von 26 auf 15 zu senken und alle acht Luftbetankungsflugzeuge abzuziehen, die Europa bisher zur Verfügung standen. Damit würde die Fähigkeit der Nato für Angriffe auf weiter entfernte Ziele und Überwachungsaufgaben eingeschränkt.
EU startet Beitrittsverhandlungen mit Ukraine und Moldau
Die Europäische Union startet am Montag die ersten Verhandlungen in den Beitrittsgesprächen mit der Ukraine und Moldau. „Alle Mitgliedstaaten haben zugestimmt, den ersten Verhandlungsblock im Rahmen der Beitrittsgespräche mit der Ukraine und Moldau zu eröffnen“, teilten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa am Freitagabend mit. Der Beginn der ersten Runde der Beitrittsgespräche sei „eine Anerkennung der Entschlossenheit, des Mutes und der harten Arbeit, die beide Länder bei der Umsetzung von Reformen gezeigt haben, selbst angesichts enormer Herausforderungen“, erklärten von der Leyen und Costa. Die EU-Erweiterung sei eine „strategische Entscheidung“, eine größere EU liege „in einer von wachsender Unsicherheit geprägten Welt“ in „unserem gemeinsamen Interesse“.
UN registriert Höchststand ziviler Opfer in der Ukraine
Die Vereinten Nationen haben in der von Russland angegriffenen Ukraine im Mai einen Höchststand an verletzten und getöteten Zivilisten innerhalb eines Monats seit April 2022 registriert. Mindestens 274 Menschen seien im Mai getötet und weitere 1763 verletzt worden, heißt es in einem Bericht des Büros des Hohen Kommissars für Menschenrechte. Das entspreche einem Anstieg um 93 Prozent im Vergleich zum Mai 2025, wo demnach 191 Tote und 865 Verletzte registriert worden waren. Auf Angriffe mit Raketen und Drohnen gehen demnach 45 Prozent der Opfer zurück, meist in Städten fernab der Front wie Kyjiw und Dnipro. Nahe der Front seien Drohnen mit kurzer Reichweite die Hauptursache für zivile Opfer gewesen. Noch nie seit Kriegsbeginn seien damit so viele Menschen in einem Monat getötet (64) und verletzt (539) worden wie im Mai.
Weitere Entwicklungen im Ukraine-Krieg
Die Ukraine hat nach russischen Behördenangaben ein Seeterminal in Südrussland angegriffen. Durch herabfallende Drohnentrümmer seien im Kreis Temrjuk ein Mensch getötet und drei weitere verletzt worden, schrieb der Gouverneur der Region Krasnodar, Weniamin Kondratjew, bei Telegram. Ein Feuer sei ausgebrochen. Einen genauen Ort nannte er nicht. Das Feuerinformationssystem der Nasa zeigte zwei Brände auf der Halbinsel Taman an. Dort liegt am Rande der Siedlung Wolna ein großes Umschlagterminal für Öl und Ölprodukte, die dann über das Schwarze Meer verschifft werden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ein Gesetz unterzeichnet, das der russischen Sprache ihren bisherigen Schutzstatus in dem Land wieder aberkennt. „Die Sprache eines Aggressorstaates kann nicht von Schutzinstrumenten profitieren, die indigenen Völkern oder nationalen Minderheiten helfen sollen“, erklärte der ukrainische Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk im Onlinedienst Facebook. Nach der Charta der Regional- und Minderheitensprachen, die die Ukraine unterzeichnet hat und die vom Europarat überwacht wird, genoss das Russische in der Ukraine bislang besondere Rechte. Vor Beginn des Krieges gab fast ein Drittel der Ukrainer Russisch als Muttersprache an. Umfragen zufolge ist mit dem Krieg der Anteil russischsprechender Ukrainer zurückgegangen. Die Neuregelung macht Russischsprechen in der Ukraine nicht illegal. Die Behörden sind jetzt aber nicht mehr verpflichtet, Informationen oder Dienstleistungen auch auf Russisch anzubieten. Außerdem kann der Russisch-Unterricht an Schulen eingeschränkt werden.
Verteidigungspolitiker in Schweden warnen vor russischen Militärangriffen auf das skandinavische Land oder andere Nato-Staaten schon in der näheren Zukunft. „Ein bewaffneter Angriff auf Schweden oder andere Verbündete kann nicht ausgeschlossen werden“, konstatiert der Verteidigungsausschuss des schwedischen Parlaments in einem am Freitag veröffentlichten Bericht. Solche „militärischen Vorstöße“ könne Moskau etwa ausführen, um den Zusammenhalt der Nato und die „Glaubwürdigkeit“ der gegenseitigen Beistandsverpflichtung gemäß Artikel 5 auf die Probe zu stellen. Die Verteidigungspolitiker warnen, dass russische Militärangriffe bereits „in der relativ nahen Zukunft stattfinden könnten, wenn die politische Lage vom Kreml als günstig eingeschätzt wird“. In Artikel 5 des Nato-Vertrags wird der sogenannte Bündnisfall definiert: Demnach ist ein Angriff auf eines der Mitgliedsländer als Angriff auf die gesamte Allianz zu betrachten.
Die Ukraine will von ihren europäischen Partnern zusätzliche 20 Milliarden US-Dollar erhalten, um ihre Position auf dem Schlachtfeld gegenüber Russland zu stärken. Das berichtet Politico unter Berufung auf einen hochrangigen Vertreter des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Dem Bericht zufolge soll die Forderung am 18. Juni bei der nächsten Sitzung der Ukraine-Kontaktgruppe vorgestellt werden. Auch bei Gesprächen mit Vertretern aus Norwegen, Schweden, Deutschland und Kanada sei das Thema bereits angesprochen worden. Nach Angaben des Politico-Gesprächspartners sollen die Partnerländer jeweils zwischen zwei und sechs Milliarden Dollar bereitstellen. Dabei könne es sich sowohl um Zuschüsse als auch um Kredite handeln. Die zusätzlichen Mittel sollen unter anderem in die Luftverteidigung, Drohnen, Munition, elektronische Kampfführung, weitreichende Waffensysteme sowie direkte Aufträge für ukrainische Rüstungsunternehmen fließen.
Die Ukraine will die besetzte Krim von den russischen Nachschubwegen abschneiden. Das sagte der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte Robert Browdi („Madjar“) in einem Interview mit Reuters. Laut ihm haben die verstärkten Angriffe auf die russische Logistik bereits spürbare Auswirkungen. Der Verkehr auf der wichtigen Versorgungsroute R-280 zwischen Rostow am Don und der Krim sei innerhalb eines Monats um 71 Prozent zurückgegangen. Browdi zufolge könnte die Strecke bereits innerhalb eines Monats vollständig unter ukrainische Feuerkontrolle geraten. Dadurch würden die Versorgungsmöglichkeiten der russischen Truppen weiter eingeschränkt. „Wir werden die Krim in naher Zukunft isolieren“, sagte der Kommandeur.



