Die Spannungen zwischen dem Iran und den USA am Persischen Golf haben trotz des kürzlich geschlossenen Rahmenabkommens wieder zugenommen. In der Nacht führte das US-Militär erneut Angriffe auf iranische Stellungen durch, nachdem ein Frachtschiff am Donnerstag attackiert worden war. Der Golfstaat Bahrain meldete zudem einen iranischen Drohnenangriff am frühen Morgen. Die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) gab bekannt, dass ein Frachtschiff von einem unbekannten Geschoss getroffen wurde, die Hintergründe blieben jedoch unklar.
US-Angriffe als Vergeltung für Frachtschiff-Attacke
Das US-Militär hatte in der Nacht Angriffe aus der Luft auf iranische Raketen- und Drohnenlagerstätten sowie küstennahe Radaranlagen gemeldet. Das Regionalkommando Centcom erklärte, die Angriffe seien eine Reaktion auf die Attacke auf ein Frachtschiff am Donnerstag gewesen. Laut US-Angaben traf der Iran das unter singapurischer Flagge fahrende Handelsschiff mit einer Drohne, als es die Straße von Hormus entlang der omanischen Küste verließ. Der Vorfall ereignete sich wenige Stunden, nachdem Irans Revolutionsgarden gewarnt hatten, dass Durchfahrten nur auf von Teheran festgelegten Routen sicher seien.
Iranische Revolutionsgarden kündigen Vergeltung an
Als Reaktion auf die US-Angriffe habe die Marine der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) US-Ziele in der Region attackiert, hieß es in einer Stellungnahme der Eliteeinheit. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben nicht, eine Bestätigung von US-Seite stand zunächst aus. Das iranische Außenministerium verurteilte die US-Angriffe scharf und sprach von einem „offenkundigen Verstoß“ gegen das Rahmenabkommen. US-Präsident Donald Trump hatte den Angriff auf das Frachtschiff zuvor dem Iran zugeschrieben und als Verstoß gegen die Waffenruhe-Vereinbarung gewertet.
Rahmenabkommen als Grundlage für Verhandlungen
Das Rahmenabkommen, das vergangene Woche in Kraft trat, sieht ein vorläufiges Ende der Kampfhandlungen sowie die Wiederöffnung der Straße von Hormus vor. Es gilt als Ausgangspunkt für vertiefte Verhandlungen, die auf 60 Tage angesetzt sind und unter anderem das umstrittene iranische Atomprogramm in den Fokus nehmen sollen. Ein hochrangiger US-Beamter, zitiert vom „Wall Street Journal“, betonte, dass die Waffenruhe trotz der erneuten Angriffe weiterhin bestehe. Die US-Angriffe seien ausschließlich eine Vergeltungsmaßnahme für den Angriff auf das Frachtschiff. Dennoch werfen die jüngsten Entwicklungen Fragen zu den weiteren Verhandlungen auf.
Explosionen in Sirik und auf der Insel Gheschm
Aus der iranischen Stadt Sirik wurden in der Nacht zu Samstag Explosionsgeräusche gemeldet, berichtete das Staatsfernsehen Irib. Die Stadt in der Provinz Hormusgan liegt am Persischen Golf nahe der Straße von Hormus und war bereits in der Vergangenheit Ziel von US-Angriffen. Auch von der Insel Gheschm wurden Einschläge von Projektilen gemeldet. Mehrere US-Medien berichteten unter Berufung auf einen US-Beamten, dass sechs Kampfflugzeuge der US-Luftwaffe vier iranische Stellungen entlang der Straße von Hormus und auf der Insel Gheschm angegriffen hätten. Die Angriffe dauerten demnach etwa 90 Minuten.
Auswirkungen auf die Schifffahrt
Im Zuge der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran hatte die Islamische Republik Anfang März die Straße von Hormus durch Drohungen und Angriffe für den Schiffsverkehr weitestgehend gesperrt. Die USA reagierten mit einer eigenen Seeblockade für Schiffe, die iranische Häfen anliefen oder verlassen sollten. Im Zuge des Rahmenabkommens wurden beide Blockaden inzwischen aufgehoben. Als Reaktion auf den Angriff auf das Frachtschiff unterbrach die Weltschifffahrtsorganisation IMO zunächst ihre Evakuierung festsitzender Seefahrer. Bis zu der Unterbrechung ihrer Mission in der Straße von Hormus konnte sie nach eigenen Angaben 2.500 Seefahrer evakuieren.



