Iran-Krieg: USA und Iran liefern sich erneut Gefechte in Golfregion
USA und Iran greifen sich in Golfregion erneut an

Washington. Trotz einer seit fast zwei Monaten geltenden Waffenruhe haben sich die USA und der Iran in der Golfregion erneut militärisch attackiert. Das US-Militär gab an, sechs vom Iran auf die verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain abgefeuerte ballistische Raketen abgewehrt zu haben. Ein weiteres Geschoss habe sein Ziel verfehlt, teilte das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit. Zuvor hatte das US-Militär im Bereich der strategisch wichtigen Straße von Hormus eigenen Angaben zufolge vier iranische Drohnen abgefangen und anschließend Radarstellungen auf der iranischen Insel Qeschm und im Ort Goruk attackiert.

Iranische Revolutionsgarden kündigen Vergeltung an

Die iranischen Revolutionsgarden, die Elitetruppe der Islamischen Republik, erklärten laut der Nachrichtenagentur Tasnim, sie hätten als Reaktion auf die US-Angriffe feindliche Stützpunkte in der Region beschossen. Kuwaits Luftabwehr war zuvor nach Armeeangaben im Einsatz, um Raketen- und Drohnenangriffe abzuwehren. Auch in Bahrain gab es am frühen Morgen Raketenalarm. Das US-Militär dementierte indes iranische Behauptungen, wonach das Hauptquartier der US-Marine im Nahen Osten in Bahrain beschädigt worden sei. Die Angaben beider Kriegsparteien ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Hintergrund der anhaltenden Spannungen

Der Iran hatte bereits mehrfach Geschosse auf Kuwait und andere Anrainerstaaten des Persischen Golfs abgefeuert. Dort unterhält das US-Militär Stützpunkte, die nur wenige hundert Kilometer Luftlinie vom Iran entfernt sind. Erst am Mittwoch hatte eine Drohne den internationalen Flughafen von Kuwait getroffen, wobei mindestens ein Mensch getötet und Dutzende weitere verletzt wurden. Die Führung in Teheran bezeichnet ihre Angriffe stets als Vergeltung für US-Aktionen, während die USA von Selbstverteidigung sprechen.

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Straße von Hormus im Fokus

Die abgewehrten iranischen Kampfdrohnen im Bereich der Straße von Hormus hätten eine Bedrohung für die Schifffahrt dargestellt, so Centcom. Die anschließenden US-Angriffe auf Qeschm und Goruk dienten der Verteidigung gegen weitere Attacken. Welche Waffensysteme eingesetzt wurden, blieb unklar. Irans Streitkräfte hatten nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die Meerenge übernommen, die als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung ist. Die USA verhängten eine Seeblockade, um den Iran am Ölexport zu hindern. Die iranischen Revolutionsgarden drohten am Samstagmorgen mit einer vollständigen Schließung der Straße von Hormus für Öl- und Gasexporte und machten die USA für die Folgen verantwortlich, sollten ihre „Machenschaften“ andauern.

Waffenruhe brüchig

Eigentlich gilt seit fast zwei Monaten eine Waffenruhe in dem Krieg, der am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels gegen den Iran begann. Doch immer wieder kommt es zu vereinzelten gegenseitigen Angriffen. Parallel laufen zähe Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges. Um sich besser zu schützen, kauft Kuwait in den USA Abwehrsysteme gegen Drohnenangriffe. Das US-Außenministerium genehmigte den Verkauf von Rüstungsgütern im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar (etwa 1,7 Milliarden Euro). Der Lieferzeitpunkt blieb offen.

Trumps Schätzung des iranischen Raketenarsenals

US-Präsident Donald Trump schätzte, dass der Iran noch über gut ein Fünftel seines Raketenarsenals verfügt. Die meisten Drohnenfabriken, Abschussrampen und Einrichtungen zur Raketenproduktion seien ausgeschaltet worden, sagte er dem TV-Sender NBC News. „Aber sie verfügen weiterhin über Kapazitäten. Sie haben noch einige Raketen und einige Drohnen.“ Prozentual seien es vielleicht noch 21 bis 22 Prozent ihrer Raketen. Das seien noch viele, aber nicht mehr das, was sie anfangs hatten. Trumps Schätzung blieb unklar, während Medien wie die „New York Times“ Mitte Mai berichteten, der Iran verfüge noch über etwa 70 Prozent seiner mobilen Abschussrampen und Raketen.

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Konflikt zwischen Hisbollah und Israel eskaliert

Derweil gehen auch die Kämpfe zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und Israel weiter, obwohl auch hier eine Waffenruhe gilt. In der Nacht heulten in mehreren Gebieten im Norden Israels die Sirenen. Die israelische Armee teilte auf Telegram mit, eine Drohne sei abgefangen worden, zwei weitere seien im Südlibanon niedergegangen. Verletzte gab es nicht. Am Donnerstag hatten sich Israel und der Libanon nach US-Angaben auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der Waffenruhe geeinigt. Die libanesische Regierung hat jedoch nur begrenzten Einfluss auf die Hisbollah, die die Bedingungen ablehnte.