Die radikalislamischen Taliban in Afghanistan gehen immer härter gegen Frauen vor, die sich nicht an die strengen Kleidervorschriften halten. In der Stadt Herat kam es nun zu einem tödlichen Zwischenfall. Nach Angaben der Vereinten Nationen eröffneten Sicherheitskräfte am Dienstag das Feuer auf Demonstranten, die für Frauenrechte auf die Straße gegangen waren.
UN bestätigt Todesfall
Die UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) berichtete am Mittwoch, dass bei dem Einsatz scharfe Munition verwendet wurde. „Mindestens ein Mensch, ein Junge, wurde durch Schüsse getötet“, hieß es in einer Stellungnahme. Es lägen zudem Berichte über einen weiteren Toten und mehrere Verletzte vor, die durch Schläge mit Stöcken zugefügt worden seien.
Zwei Augenzeugen schilderten Reportern der Nachrichtenagentur AFP, sie hätten den Schusswaffengebrauch während der Demonstration von Männern beobachtet. Einer der Zeugen bestätigte, dass die Sicherheitskräfte auch Stöcke und Peitschen einsetzten.
Polizei bestreitet Waffeneinsatz
Die Polizei wies die Vorwürfe zurück. Polizeisprecher Saed Masud erklärte gegenüber AFP, man habe keine Waffen eingesetzt. Vielmehr hätten die Demonstranten „die öffentliche Ordnung gestört“ und „Spannungen geschürt unter dem Vorwand, gegen Regelungen zur Einhaltung der Kleiderordnung auf die Straße zu gehen“. Die Lage sei jedoch „vollständig unter Kontrolle gebracht worden“.
Der Protest war ausgebrochen, nachdem die Sittenpolizei der Taliban mehrere Frauen ohne Ganzkörperschleier (Burka) festgenommen hatte. Am Mittwoch kündigte die Sittenpolizei dann neue, noch strengere Vorschriften für das Erscheinungsbild von Frauen an. Demnach ist es Frauen künftig verboten, nackte Füße zu zeigen oder Make-up zu tragen.
Ministerium droht mit Festnahmen
Das Ministerium für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters in Kabul wollte sich auf Anfrage von AFP nicht zu den Vorfällen äußern. Die regionale Niederlassung des Ministeriums in Herat gab jedoch bekannt, dass Verstöße gegen die Kleiderregeln zu „Festnahme und Inhaftierung“ führen könnten. „Wenn auch nur ein Teil der Haare an der Stirn, an den Seiten oder am Hinterkopf sichtbar ist, gilt dies als Verstoß gegen die islamischen Kleidungsvorschriften“, hieß es in einer Erklärung.
Die neuen Maßnahmen verschärfen die ohnehin prekäre Lage der Frauen in Afghanistan, die seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 zunehmend aus dem öffentlichen Leben gedrängt werden. Internationale Organisationen und Menschenrechtsgruppen verurteilen die Entwicklung scharf.



