In den russisch besetzten Teilen der Südukraine gibt es nach Angaben der von Moskau eingesetzten Behörden Stromausfälle. „Alle Kreise des Gebiets Cherson sind ganz oder teilweise ohne Strom“, schrieb der Chef der dortigen russischen Besatzungsverwaltung, Wladimir Saldo, bei Telegram. Energieversorger und Einsatzkräfte arbeiteten daran, die Stromversorgung in den Haushalten so schnell wie möglich wiederherzustellen. Auch der von Russland für das Gebiet Saporischschja eingesetzte Gouverneur Jewgeni Balizki schrieb in der Nacht von Notabschaltungen und Schäden an Energieanlagen nach ukrainischen Angriffen auf das Stromnetz.
Putin lehnt Stopp von Langstreckenangriffen ab
Der russische Präsident Wladimir Putin weist einen nach seinen Worten von der Ukraine vorgeschlagenen gegenseitigen Verzicht auf Langstreckenangriffe zurück. Moskau betrachte den Vorstoß als Ablenkungsmanöver von dem Ziel, vier ukrainische Regionen vollständig einzunehmen, sagt Putin in einem Fernsehinterview. Der Vorschlag werde nur gemacht, da die russischen Gegenschläge tief ins ukrainische Gebiet „viel stärker, wirkungsvoller und, ehrlich gesagt, zerstörerischer“ seien. Russland habe nicht die Absicht, „das Kiewer Regime zu retten“. Die ukrainischen Angriffe sollten die russischen Streitkräfte lediglich von der vollständigen Einnahme des Donbass sowie der Regionen Saporischschja und Cherson ablenken.
Putin fordert mehr Luftabwehr und räumt Treibstoffmangel ein
Russlands Präsident Wladimir Putin fordert eine stärkere Luftabwehr gegen ukrainische Drohnenangriffe auf die Ölinfrastruktur des Landes. Die erste Aufgabe bestehe darin, die Produktion der am dringendsten benötigten Systeme schnell hochzufahren, sagt er in einem russischen Fernsehinterview. Zugleich erklärt Putin, dass Russland mit den Folgen der Angriffe gut zurechtkomme. Die Schläge gegen diese Anlagen hätten keinerlei Auswirkungen auf die Lage an der Front. Russland werde sich dadurch nicht von seinem Vormarsch abhalten lassen. Bei einem Treffen mit Regierungsvertretern räumt Putin Engpässe bei der Treibstoffversorgung im Land ein und erwägt ein Exportverbot für Diesel. Die Benzinreserven belaufen sich Putin zufolge auf 1,7 Millionen Tonnen und liegen damit vier Prozent unter dem Vorjahresniveau. Eine Arbeitsgruppe soll nun die landesweite Versorgung sicherstellen. Putin hat eine Krisensitzung zu den aktuellen russischen Versorgungsproblemen mit Treibstoff einberufen. Zuallererst müssten die Auswirkungen der wiederholten ukrainischen Angriffe gegen Raffinerien und andere Objekte der Erdölindustrie abgefedert werden. „Wir müssen die Folgen terroristischer Anschläge auf unsere zivilen Einrichtungen und die Infrastruktur reduzieren“, wurde er von der Staatsagentur Tass zitiert. An der Sitzung nahmen Vertreter diverser Ministerien sowie der wichtigsten Erdöl-Produzenten Russlands teil.
Ukraine bestätigt Attacken auf zwei russische Raffinerien
Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat sein Militär in der Nacht gleich zwei russische Raffinerien mit Drohnen angegriffen. Er bestätigte dabei den zuvor schon von russischen Behörden eingeräumten Einschlag in einer Anlage im südrussischen Slawjansk-na-Kubani. „Außerdem haben wir eine Raffinerie in der Region Jaroslawl getroffen, die etwa 700 Kilometer von unserer Grenze entfernt liegt“, schrieb er bei Telegram. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Selenskyj kündigte weitere Schläge gegen strategische Objekte in Russland an. „Jede unserer Langstrecken-Sanktionen verringert die Ressourcen, die für die russische Kriegsmaschinerie arbeiten und ist ein Schritt zum Frieden“, schrieb er. In einer Ölraffinerie in der südrussischen Region Krasnodar war zuvor nach einem ukrainischen Drohnenangriff ein Feuer ausgebrochen. Ein Mensch kam bei dem Angriff auf die Anlage in Slawjansk am Kuban ums Leben, wie der Gouverneur der Region, Wenjamin Kondratjew, auf Telegram mitteilte. Eine weitere Person wurde in einem nahegelegenen Dorf verletzt. Die private Raffinerie hat eine Kapazität von rund 100.000 Barrel pro Tag. Zudem gab es Drohnenangriffe in der Region Jaroslawl nordöstlich von Moskau, weshalb die Behörden vorübergehend Straßen in Richtung der Hauptstadt sperrten.
Mindestens vier Tote bei russischen Angriffen in der Ukraine
Bei russischen Angriffen im Süd- und Nordosten der Ukraine werden nach Behördenangaben mindestens vier Menschen getötet. In der Stadt Saporischschja kommen zwei Menschen ums Leben, 16 weitere werden verletzt, teilt Gouverneur Iwan Fedorow auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. In der Grenzregion Charkiw gab es bei einem Raketenangriff auf die Stadt Smijiw einen Toten und acht Verletzte, darunter zwei Kinder, erklärt Gouverneur Oleh Synjehubow. Zudem stirbt nach Polizeiangaben ein Beamter bei der Evakuierung von Anwohnern in einer weiter nördlich gelegenen Gemeinde. Eine russische Stellungnahme liegt zunächst nicht vor. Beide Seiten weisen den Vorwurf zurück, in dem Konflikt gezielt Zivilisten anzugreifen.
Russland erwägt Einschränkung von Treibstoffexporten
Russland erwägt eine Einschränkung seiner Treibstoffexporte ins Ausland. Der stellvertretende Regierungschef Alexander Nowak teilte am Sonntag mit, eine Überprüfung bestehender Liefervereinbarungen laufe bereits, um die Versorgung im Inland nicht zu gefährden. Hintergrund sind Engpässe bei der Treibstoffversorgung in Teilen Russlands und auf der von Moskau annektierten ukrainischen Halbinsel Krim nach ukrainischen Angriffen auf Energieanlagen und Versorgungsrouten. Die von Russland eingesetzten Behörden auf der Krim und in der Stadt Sewastopol hatten zuvor wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten den Ausnahmezustand ausgerufen. Der Tourismus und die Ferienlager für Kinder wurden bis September ausgesetzt. Die Behörden begründeten dies mit Treibstoffmangel und Sicherheitsbedenken. Zudem verkaufen Tankstellen seit dem 21. Juni keinen Kraftstoff mehr an Privatpersonen und Unternehmen. Der von Russland ernannte Chef der Krim, Sergej Aksjonow, erklärte auf Telegram, der Ausnahmezustand solle schnellere Entscheidungen ermöglichen. Damit solle die Versorgung in allen lebenswichtigen Bereichen gesichert werden.
Polen befürchtet russische Übergriffe an Nato-Ostflanke
Die polnische Führung sieht ein wachsendes Risiko russischer Provokationen an der Nato-Ostflanke. „Wir sehen die Ereignisse in der Ukraine und dass der Krieg für Russland derzeit nicht gut läuft. Das ist ein Grund zur Besorgnis, dass Moskau die Situation weiter eskalieren könnte“, sagte der Chef des polnischen Auslandsgeheimdienstes, Oberst Pawel Szota, der Zeitung „Rzeczpospolita“. „Russland überschreitet systematisch rote Linien, um die Reaktion der Nato zu testen“, sagte Szota. „Die Kosten solcher Provokationen sind gering, aber das Bündnis reagiert vor allem politisch, was zu weiterer Eskalation einlädt.“ Bereits vergangene Woche hatte der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski vor möglichen Aktionen der Russen unter falscher Flagge gewarnt. „Wir müssen Putin kommunizieren, dass wir wissen, was er im Schilde führt, und dass wir nicht darauf hereinfallen, dass dies völlig unannehmbar ist und wir jeden Zoll von Nato-Gebiet verteidigen würden“, sagte er dem US-Sender CBS.
Ukrainische Luftwaffe: 125 russische Drohnen und 7 Raketen abgefangen
Russland hat die Ukraine in der Nacht zum Sonntag mit mindestens 142 Langstreckendrohnen und 8 Raketen angegriffen. Das teilte die ukrainische Luftwaffe mit. 125 Drohnen und 7 Raketen seien unschädlich gemacht worden. Die ukrainische Hauptstadt Kiew wurde in der Nacht erneut angegriffen. Laut einem Bericht des „Kyiv Independent“ waren mehrere Explosionen zu hören. Nach Angaben von Militärverwaltungschef Timur Tkatschenko wurde im Stadtteil Darnyzja mindestens eine Person verletzt. Bürgermeister Vitali Klitschko teilte auf Telegram mit, die Luftabwehr sei im Einsatz. Er rief die Einwohnerinnen und Einwohner auf, in den Schutzräumen zu bleiben.
Selenskyj: Wichtige Militärfabrik in Russland angegriffen
Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Fabrik in Russland angegriffen, die unter anderem Ausrüstung für Raketensysteme herstellt. Selenskyj bezeichnete die Anlage im Südwesten Russlands in einem Beitrag auf der Plattform X am Samstag als „großen industriellen Komplex“. Die Fabrik des Rüstungsunternehmens Titan-Barrikady in Wolgograd stelle Artilleriesysteme, militärische Spezialausrüstung und Komponenten für Raketenabschussvorrichtungen her. Sie sei von ukrainischen Raketen des Typs FP-5 Flamingo getroffen worden. Der Gouverneur der Region Wolgograd, Andrej Botscharow, bestätigte einen Angriff auf ein Unternehmen. Zehn Menschen seien mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden. Es seien Produktionsstätten beschädigt worden, erklärte er, machte aber keine Angaben zum betroffenen Unternehmen.
Ukraine: Erneut Ölpumpstation für Moskau getroffen
Der ukrainische Geheimdienst hat eigenen Angaben nach eine für die Treibstoffversorgung von Moskau wichtige Ölpumpstation mit Drohnen angegriffen. Getroffen worden sei ein technisches Gebäude der Station in Wtorowo nahe der Gebietshauptstadt Wladimir östlich von Moskau, teilte der ukrainische Geheimdienst SBU mit. Es sei die zweite erfolgreiche Attacke innerhalb eines Monats auf die Anlage, heißt es. Russische Behörden haben den Angriff bislang nicht bestätigt. Die Station Wtorowo gehört zum staatlichen Ölpipelinekonzern Transneft in Russland. Sie pumpt unter anderem Diesel in die Moskauer Ringpipeline, die für die Versorgung der großen Öldepots rund um die russische Hauptstadt verantwortlich ist.
Ukraine und Russland tauschen hunderte Kriegsgefangene aus
Russland und die Ukraine haben hunderte Kriegsgefangene ausgetauscht. „Heute haben wir 160 Soldaten zurückgeholt“, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram mit. Sie seien seit 2022 in Gefangenschaft gewesen. Unter ihnen seien neben regulären Soldaten auch Angehörige der Nationalgarde und der Grenztruppen. Zuvor hatte die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf Angaben des Verteidigungsministeriums die Rückkehr von 160 russischen Kriegsgefangenen gemeldet. Die russischen Soldaten befinden sich demnach in Belarus und werden nach medizinischer Versorgung nach Russland gebracht. Vermittler waren demnach die Vereinigten Arabischen Emirate.
Ukraine meldet Angriff auf russische Schiffe auf der Krim
Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU hat nach eigenen Angaben russische Marineschiffe und Luftabwehr-Radare in der Hafenstadt Kertsch auf der von Russland völkerrechtswidrig annektierten Krim angegriffen. Bei dem Drohnenangriff seien zwei Aufklärungs- und Minenlegeschiffe sowie eine Fracht- und Passagierfähre getroffen worden, teilte der Geheimdienst mit. Bei den Schiffen handele es sich um die „Wolga“ und die „Wjatka“ sowie die Fähre „Petropawlowsk“. Nach Angaben des SBU lösten die Angriffe ein großes Feuer aus. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht.
EU-Kommission will Schutzstatus für Ukrainer bis März 2028 verlängern
Die EU-Kommission schlägt vor, den vorübergehenden Schutzstatus für Geflüchtete aus der Ukraine bis März 2028 zu verlängern. Angesichts des andauernden russischen Angriffs auf das Land sei weiter Flexibilität nötig, erklärt die Brüsseler Behörde.



