Ukraine setzt Drohnenangriffe auf russische Raffinerie und Rüstungsfabrik fort
Ukraine greift russische Raffinerie und Rüstungsfabrik an

In der südrussischen Region Krasnodar ist durch einen ukrainischen Drohnenangriff ein Feuer in einer Raffinerie ausgebrochen. Dabei wurde nach Angaben von Gouverneur Wenjamin Kondratjew ein Mensch getötet. Neben der Raffinerie in der Stadt Slawjansk-na-Kubani seien mehrere Häuser, eine Strom- und eine Gasleitung beschädigt worden. Die Anlage hat eine Verarbeitungskapazität von vier bis fünf Millionen Tonnen Öl pro Jahr und wurde wegen ihrer Nähe zur Krim bereits mehrfach attackiert.

Massiver Drohnenangriff auf Russland

Das russische Militär gab an, 213 ukrainische Drohnen abgeschossen zu haben. Auch die Regionen Jaroslawl und Iwanowo meldeten Angriffe. In der Nacht zuvor hatte die Ukraine nach Moskauer Angaben insgesamt 660 Drohnen über russischen Gebieten und der Krim abgewehrt – der heftigste Angriff seit Jahresbeginn. In der Region Tula wurden 157 Drohnen abgewehrt, eine Hochspannungsleitung und ein Industriebetrieb in Nowomoskowsk wurden beschädigt, eine Frau verletzt. Der Chemiebetrieb Asot in Nowomoskowsk produziert unter anderem Ammoniak und Salpetersäure, die auch zur Sprengstoffherstellung genutzt werden können.

Angriff auf Rüstungsfabrik in Wolgograd

Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte einen Angriff auf eine Fabrik des Rüstungsunternehmens Titan-Barrikady in Wolgograd. Die Anlage stellt Artilleriesysteme und Komponenten für Raketenabschussvorrichtungen her, darunter für die Systeme Iskander, Jars und Topol-M, die prinzipiell Atomwaffen tragen können. Die Ukraine setzte Raketen des Typs FP-5 Flamingo ein. Gouverneur Andrej Botscharow bestätigte einen Angriff auf ein Unternehmen, bei dem zehn Menschen verletzt und Produktionsstätten beschädigt wurden. Das Internetportal „Astra“ berichtete von Rauchwolken aus der Fabrik.

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Selenskyj: Friedensvorschlag an Putin übermittelt

Selenskyj erklärte in seiner abendlichen Videobotschaft, die Ukraine habe ihre Vorschläge für Verhandlungen an Russland übermittelt. „Die Freunde von Putin haben von uns gehört, dass ein Treffen und ein Ende des Kriegs möglich sind“, sagte er, ohne Details zu nennen. Zuvor hatte der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko von einem Treffen mit Abgesandten Selenskyjs berichtet. Im Februar hatten Russland und die Ukraine unter US-Vermittlung in den Vereinigten Arabischen Emiraten verhandelt, jedoch ohne Ergebnisse. Nach dem von US-Präsident Donald Trump befohlenen Iran-Krieg hat Washington seine Vermittlungsbemühungen zurückgefahren.

Kiew erneut angegriffen – ein Verletzter

Die ukrainische Hauptstadt Kiew wurde in der Nacht erneut angegriffen. Laut dem „Kyiv Independent“ waren mehrere Explosionen zu hören. Militärverwaltungschef Timur Tkatschenko meldete mindestens eine verletzte Person im Stadtteil Darnyzja. Bürgermeister Vitali Klitschko rief die Bevölkerung auf, in Schutzräumen zu bleiben. Die Luftwaffe hatte zuvor vor ballistischen Waffen aus dem Norden gewarnt.

Ausnahmezustand auf der Krim

Die von Russland eingesetzten Behörden auf der Krim und in Sewastopol haben wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten den Ausnahmezustand ausgerufen. Tourismus und Ferienlager für Kinder wurden bis September ausgesetzt, begründet mit Treibstoffmangel und Sicherheitsbedenken. Tankstellen verkaufen seit dem 21. Juni keinen Kraftstoff mehr an Privatpersonen. Der von Russland ernannte Chef der Krim, Sergej Aksjonow, erklärte, der Ausnahmezustand solle schnellere Entscheidungen ermöglichen. Ukrainische Drohnen haben verstärkt die Treibstoffversorgung der Halbinsel attackiert.

Gefangenenaustausch und weitere Entwicklungen

Russland und die Ukraine tauschten hunderte Kriegsgefangene aus. Selenskyj teilte mit, 160 Soldaten seien zurückgekehrt, darunter Angehörige der Nationalgarde und Grenztruppen. Die russische Agentur Tass meldete ebenfalls die Rückkehr von 160 russischen Gefangenen, die über Belarus nach Russland gebracht werden. Vermittler waren die Vereinigten Arabischen Emirate. Der ukrainische Geheimdienst SBU meldete zudem einen Drohnenangriff auf russische Marineschiffe in Kertsch auf der Krim, bei dem die Schiffe „Wolga“, „Wjatka“ und die Fähre „Petropawlowsk“ getroffen wurden.

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EU-Kommission: Schutzstatus verlängern

Die EU-Kommission schlägt vor, den vorübergehenden Schutzstatus für Geflüchtete aus der Ukraine bis März 2028 zu verlängern. Gleichzeitig sollen wehrfähige ukrainische Männer künftig schwerer Zuflucht in der EU finden: 23- bis 60-Jährige ohne Ausreiseerlaubnis sollen von den vereinfachten Aufnahmeregeln ausgenommen werden.

Wirtschaftliche Unterstützung und Drohnenproduktion

Die Ukraine erhielt die erste Zahlung aus dem 90 Milliarden Euro schweren EU-Unterstützungsdarlehen: rund drei Milliarden Euro Makrofinanzhilfen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte auf der Ukraine Recovery Conference in Danzig zudem die Auszahlung von sechs Milliarden Euro für die Drohnenproduktion an. Von den neuen EU-Finanzhilfen sind 60 Milliarden für Verteidigung vorgesehen. Zudem bekommt die Ukraine 3,39 Milliarden US-Dollar von der Weltbank, davon 2,35 Milliarden als Zuschüsse und 1,04 Milliarden als Kredit, garantiert durch Großbritannien und Japan.

Nato will neue Rüstungsaufträge

Nato-Generalsekretär Mark Rutte kündigte auf dem Gipfel im Juli in Ankara neue Rüstungsaufträge in zweistelliger Milliardenhöhe an. Das Bündnis werde seine Unterstützung für die Ukraine zusichern, an dem Treffen werde auch Selenskyj teilnehmen.