Die russischen Streitkräfte auf der Krim greifen zu immer ausgefalleneren Methoden, um die Versorgung mit Treibstoff aufrechtzuerhalten. Wie der Sprecher der ukrainischen Marine, Dmytro Pletenchuk, gegenüber der „Kyiv Post“ erklärte, werden Tankwagen als Pkw getarnt und Milchlaster für den Transport von Benzin und Diesel zweckentfremdet. „Es ist schon so weit gekommen, dass sie falsche Aufbauten über Tankwagen errichten und diese so als Pkw tarnen“, so Pletenchuk. „Uns liegen Informationen vor, dass sie Fahrzeuge, die eigentlich für den Transport von Lebensmitteln vorgesehen sind – beispielsweise Milchtankwagen –, für den Treibstofftransport einsetzen.“
Ukrainische Drohnen treffen russische Versorgungslinien
Die Ukraine setzt seit Monaten die russischen Nachschubwege zur Krim massiv unter Druck. Angriffe auf Brücken, Fährverbindungen und Treibstofflager erschweren die Versorgung der Halbinsel erheblich. Besonders problematisch für Russland ist nach ukrainischen Angaben die Lage an der strategisch wichtigen Kertsch-Brücke. Schwere Treibstofftransporte würden dort nur noch eingeschränkt verkehren. Gleichzeitig seien auch alternative Fährverbindungen durch ukrainische Angriffe beschädigt worden.
Dadurch müsse der Nachschub verstärkt über den sogenannten Landkorridor durch die besetzten Gebiete in den Regionen Cherson und Saporischschja erfolgen – wo ebenfalls schon ukrainische Drohnen warten. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben zu den als Milchlaster getarnten Treibstofftransporten bislang nicht. Sie fügen sich jedoch in ein Bild wachsender logistischer Schwierigkeiten Russlands ein. Westliche Medien und Analysten berichten seit Wochen über Versorgungsengpässe, die durch ukrainische Angriffe auf die russische Energie- und Transportinfrastruktur ausgelöst worden seien.
Benzinausgabe auf der Krim eingestellt
Nachdem es auf der Krim bereits Abgabebeschränkungen für Benzin gegeben hatte, wird inzwischen gar kein Kraftstoff mehr an Privatleute ausgegeben. Der örtliche Energieversorger Krimenergo teilte mit, dass Zeitpläne für Stromsperren eingeführt wurden. Das wiederum habe auch Einfluss auf die Wasserversorgung. Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als vier Jahren gegen eine großangelegte russische Invasion. Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hatte vor einer Woche in einem Interview eine Isolation der Halbinsel mittels Drohnenangriffen angekündigt. Für die Ukraine öffne sich mit den Angriffen auf die russischen Nachschublinien ein „Fenster der Möglichkeiten“. „Für die Russen beginnt eine Hölle, die sie nur schwerlich meistern werden“, sagte Fedorow.



