Wunder inmitten der Trümmer: 11-Jähriger gerettet
Vier Tage nach dem verheerenden Doppelbeben in Venezuela wächst die Verzweiflung weiter. Angehörige meldeten am Samstag noch rund 68.900 Menschen als vermisst. Die Chance, sie lebend zu finden, ist verschwindend gering. Doch kleine Wunder in dem zerstörten Gebiet sorgen immer wieder für Hoffnung. Eines dieser Wunder teilte nun Interimspräsidentin Delcy Rodríguez (57) auf X mit. Das Video zeigt, wie Retter ein Kind aus einem eingestürzten Haus holen. Die Szene wurde in Caraballeda aufgenommen, der Hauptstadt des von den Beben am schwersten betroffenen Bundesstaats La Guaira. Rodríguez schrieb: „Vor wenigen Minuten wurde ein 11-jähriger Junge lebend in Caraballeda gerettet. In diesen Stunden ist jedes Leben Hoffnung für Venezuela.“ Der Junge wurde nach der Rettung in ein Krankenhaus gebracht. Wie es ihm jetzt geht, ist nicht bekannt.
Hoffnung schwindet: Leichengeruch und staubige Trümmer
Doch viele Videos zeigen auch das Gegenteil von Hoffnung: Anwohner klettern mit Atemmasken über die Trümmer ihrer Häuser, die Luft hängt noch immer voller Staub. In der drückenden Hitze breitet sich Verwesungsgeruch aus. Laut der Regierung sind über 14.000 Soldaten und Polizisten im Einsatz, dazu unzählige Helfer von Rettungsdiensten und Hilfsorganisationen. In den Trümmern suchen auch viele Angehörige nach ihren Familienmitgliedern. Doch die Hoffnung schwindet.
Offizielle Zahlen: 1430 Tote, über 3.200 Verletzte
Laut offiziellen Zahlen gibt es bislang 1430 Tote, mehr als 3.200 Verletzte. Fast 70.000 Menschen werden noch immer vermisst. Sie könnten bereits tot sein. Hilfsorganisationen betrachten die ersten 48 bis 72 Stunden als entscheidend, um Menschen lebend zu bergen. Wenn die Verschütteten Zugang zu Nahrung und Wasser haben, kann sich dieses Zeitfenster verlängern. Doch in der Trümmerlandschaft der Städte ist das ungewiss. Wie ein Kartenhaus brach dieses Gebäude in Caracas in sich zusammen.
Wut auf Regierung wächst: Helfer kritisieren Untätigkeit
Das Doppelbeben hatte sich am Mittwochabend im Abstand von nur 39 Sekunden westlich der Hauptstadt Caracas ereignet. Die beiden Erdstöße hatten eine Stärke von 7,2 und 7,5. Laut offizieller Stellungnahme soll es bislang rund 430 Nachbeben gegeben haben. Wie mehrere venezolanische Medien berichten, wächst die Wut der Betroffenen auf die Regierung. Es gibt Vorwürfe, Beamte von Polizei und Nationalgarde würden nur Selfies vor den Trümmern machen, anstatt zu helfen. Yeison Marcano, ein Helfer, berichtete: „Sie kamen, um Arepas (gefüllte Maisfladen, Anm. d. Red.) zu essen und Fotos zu machen, damit es so aussieht, als würden sie arbeiten. Sie haben sich nicht einmal ihre Uniformen schmutzig gemacht.“



