Chinas Ministerpräsident Li Qiang hat auf dem „Sommer-Davos“-Forum in Tianjin eine klare Botschaft gesendet: Statt von einem „China-Schock 2.0“ solle man besser von einer „China-Chance 2.0“ sprechen. Er wies die Kritik zurück, dass Chinas industrielle Stärke primär auf Subventionen basiere. Vielmehr sei sie das Ergebnis harter Arbeit und Innovation. Dieses selbstbewusste Auftreten macht deutlich: China ist nicht zu Kompromissen bereit.
Treffen der Handelsminister in Brüssel
Am Montag trifft Chinas Handelsminister Wang Wentao seinen EU-Amtskollegen Maros Sefcovic in Brüssel. Es ist das erste Treffen, nachdem sich die EU-Regierungschefs Mitte Juni auf eine härtere Gangart gegenüber Peking verständigt haben. Der Streitpunkt: Chinas hoher Exportüberschuss, der in der EU zunehmend als Problem gesehen wird.
Chinesische Offizielle warnen unverblümt vor den Konsequenzen einer Konfrontation. Die Botschaft: Wir haben mit den Exportbeschränkungen bei seltenen Erden selbst die USA an den Verhandlungstisch gezwungen. Europa müsse seine Hausaufgaben selbst erledigen und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken. Oft wird dabei auf den Report des ehemaligen EU-Zentralbankchefs Mario Draghi verwiesen, der die strukturellen Schwächen der EU-Wirtschaft analysiert.
Chinas Argumente und die Realität
Und sie haben recht: Die steigenden Exporte sind nicht nur ein Zeichen der industriellen Stärke Chinas, sondern auch eine Folge der schwachen Binnennachfrage. Die chinesische Regierung hat wiederholt betont, dass sie ihre Wirtschaft umstrukturieren und den Binnenkonsum stärken will, doch die Umsetzung stockt. Deutschland und die EU dürfen daher in diesem Punkt kein Entgegenkommen erwarten.
Die EU hingegen sieht sich mit einem wachsenden Handelsdefizit konfrontiert. Im Jahr 2025 betrug das Defizit im Warenhandel mit China rund 400 Milliarden Euro. Die EU-Kommission hat daher mehrere Untersuchungen eingeleitet, unter anderem zu Subventionen für chinesische Elektroautos und Stahl. Peking wiederum wirft der EU Protektionismus vor und droht mit Vergeltungsmaßnahmen.
Auswirkungen auf Deutschland
Für Deutschland, das stark von Exporten nach China abhängt, ist der Konflikt besonders heikel. Die deutsche Autoindustrie fürchtet um ihre Absatzmärkte. Analysten warnen, dass ein Handelskrieg beiden Seiten schaden würde. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass ein eskalierender Handelskonflikt das globale Wirtschaftswachstum um bis zu 0,5 Prozentpunkte drücken könnte.
Die Gespräche zwischen Wang Wentao und Maros Sefcovic werden daher mit Spannung erwartet. Bisher gibt es keine Anzeichen für eine Annäherung. Beide Seiten scheinen auf Konfrontationskurs zu gehen.



