KI-Boom: Schwellenländer als unterschätzte Gewinner für Anleger
KI-Boom: Schwellenländer als unterschätzte Gewinner

Der Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) wird nicht nur von US-Tech-Giganten wie Nvidia, Microsoft oder Alphabet getragen. Viele Unternehmen, die Chips, Speicher und Infrastruktur liefern, sitzen in Schwellenländern wie Taiwan, Südkorea und China. Für Anleger könnten dort die bislang unterschätzten Gewinner der nächsten Wachstumsphase zu finden sein.

Schwellenländer als Treiber der KI-Revolution

„Der globale KI-Boom wird nicht nur im Silicon Valley entschieden“, sagt Emily Whiting, Investment-Expertin für Schwellenländer-Aktien bei JP Morgan Asset Management. Taiwan produziert den Großteil der Hochleistungschips weltweit, Südkorea zählt zu den wichtigsten Herstellern von Speicherchips. Lange galten Emerging Markets als Wette auf günstige Arbeitskräfte und Rohstoffe, heute sind sie Treiber technologischer Innovationen.

„Viele Unternehmen aus Schwellenländern weisen stärkere Bilanzen, eine bessere Unternehmensführung und höhere Wachstumsaussichten als ihre Pendants aus den Industrieländern auf“, betont Naomie Waistell, Fondsmanagerin bei Carmignac. Die Bewertungen sind attraktiv: Während Anleger für S&P-500-Unternehmen im Schnitt das 22-Fache der erwarteten Jahresgewinne zahlen, sind Unternehmen des MSCI Emerging Markets nur mit dem 13-Fachen bewertet.

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Schwacher Dollar als Rückenwind

Der schwächere US-Dollar spricht ebenfalls für Schwellenländeraktien. Historisch entwickeln sie sich besonders gut, wenn der Dollar an Wert verliert, da Anlagen außerhalb der USA für internationale Investoren attraktiver werden. Dennoch ist das Interesse vieler Anleger verhalten. „Schwellenländer sind in vielen internationalen Portfolios nach wie vor unterrepräsentiert“, sagt Whiting.

Risiken bestehen: Die drei KI-Schlüsselunternehmen TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix machen knapp 30 Prozent des MSCI Emerging Markets aus. Sollte die KI-Euphorie kippen, träfe das auch Investoren mit Schwellenländerpositionen. Aktiv gemanagte Fonds bieten hier mehr Spielraum, da sie nicht an einen Index gebunden sind.

Drei Fonds mit unterschiedlichen Ansätzen

Der Carmignac Emergents (ISIN FR0010149302) investiert in 40 Titel. Fondsmanagerin Waistell: „Wir versuchen, zukünftige Gewinner zu identifizieren, anstatt einfach nur die größten Unternehmen im Index zu halten.“ In den vergangenen drei Jahren legte das Portfolio um 83 Prozent zu. Die größten Länderpositionen sind Südkorea, Taiwan, China und Brasilien, die rund drei Viertel des Portfolios ausmachen. Besonders aussichtsreich nennt Waistell den Speicherchip-Hersteller SK Hynix und den chinesischen Batteriehersteller CATL.

Der Emerging Markets Equity Fund (ISIN LU0053685615) von JP Morgan Asset Management besteht aus 50 bis 90 Aktien und erzielte in drei Jahren ein Plus von 78 Prozent. Fondsmanager Austin Forey: „Der größte positive Beitrag kommt aus der Einzeltitelauswahl im Technologiesektor – vor allem aus dem Halbleiter- und Komponentenbereich.“ Zu den größten Länderpositionen zählen Südkorea, Taiwan, China, Indien und Brasilien. Forey setzt auf wirtschaftliche Stabilisierung in China, Reformen in Indien und attraktive Bewertungen in Lateinamerika. „Brasilien ist relativ gut positioniert, unter anderem wegen der Rolle als Netto-Ölexporteur.“

Der Schroder ISF Frontier Markets Equity Fund (ISIN LU0562313402) investiert in rund 50 Aktien aus kleineren Frontier Markets und erzielte in drei Jahren ein Plus von 86 Prozent. Portfoliomanager Rami Sidani sieht Chancen in Vietnam und Kasachstan: „Vietnam ist ein Nutznießer der globalen Diversifizierung der Lieferketten und zieht jährlich mehr als 30 Milliarden US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen an.“ Kasachstan punktet mit Rohstoffreichtum und Reformen. In Afrika engagiert sich Sidani selektiv, insbesondere in Kenia.

Fazit: Risikobereite Anleger können profitieren

„Frontier Markets werden vorwiegend von inländischen Wachstumsdynamiken angetrieben – und nicht von globalen Konjunkturzyklen“, sagt Sidani. Für risikobereite Anleger können sie eine interessante Beimischung sein. Die drei Fonds bieten unterschiedliche Zugänge zur KI-getriebenen Wertschöpfungskette in Schwellenländern.

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